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Poison the Well haben mit ihrem neuen Album „Versions“ ohne Zweifel schon jetzt eines der stärksten Platten des Jahres veröffentlicht. Die Band war auf kleiner Promotour in Europa und ein sehr entspannt wirkender Chris Hornbrook (Drummer) rief mich an um über das neue Album zu quatschen.

Es ist ja eine ganze Weile her seit ihr das letzte Mal ein Album veröffentlicht habt. Was habt ihr seit der Veröffentlichung von eurem letzten Album „You Come Before You“ getrieben?

Eine Menge. Wir hatten Besetzungswechsel, mussten ein neues Label suchen und mit dem Verlust von Angehörigen klarkommen. Wir brauchten einfach ein bisschen Zeit um unsere Leben wieder auf die Reihe zu bekommen bevor wir uns auf ein neues Album konzentrieren konnten. Es sind so viele Dinge in unseren Leben passiert.

War es jemals fraglich ob ihr überhaupt mit der Band weitermachen wolltet?

Ja, sogar ein paar Mal. Ich habe oft in Frage gestellt ob dies wirklich der richtige Weg ist und ob ich nicht besser alles hinschmeißen sollte. Aber ich habe für mich beschlossen, dass ich ein weiteres Album machen will und weiter auf Tour gehen will. Alles Weitere muss man abwarten.

Warum hast du beschlossen weiter zu machen?

Ich liebe es einfach Musik zu machen. Ich, Jeffrey und Ryan sind wirklich sehr enge Freunde. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach. Warum sollte ich also nicht mehr mit ihnen spielen. Ich könnte natürlich in einer anderen Band spielen die ich nicht so sehr mag oder einen normalen Job machen was mir wahrscheinlich mehr Geld einbringen würde. Aber das wollte ich nie. Es ist offensichtlich, dass ich lieber das hier weiter mache und abwarte was die Zukunft bringt. So bereut man später nichts. Wenn wir jetzt das Album veröffentlichen und jeder hasst es, haben wir zumindest unser Ding durchgezogen.

Ich bezweifle stark, dass das passieren wird.

Das kann man nie wissen. Mir ist es wichtig, dass ich meine Entscheidung nicht bereuen muss.

Die Band besteht im Moment nur aus drei Mitgliedern. Warum?

Wir hatten in der Vergangenheit so viele Veränderungen in unserem Lineup, dass wir beschlossen haben nur dann neue Leute in die Band holen wollen wenn sie uns bewiesen haben, dass sie es wirklich ernst meinen. Volles Mitspracherecht in einer Band und ein vollwertiger Teil davon zu sein ist nichts was man einfach jemandem gibt. Man muss es sich verdienen.

Aber ihr schaut euch schon nach Leuten um?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben unsere Freunde Mike und Brett mit auf Tour und sie machen ihren Job gut. Wir sind im Moment absolut zufrieden.

Wie war das Songwriting zu dritt?

Die ersten vier oder fünf Songs wurden noch mit unserem alten Gitarristen zusammen geschrieben. Sie waren ursprünglich für eine B-Seite vorgesehen. Die anderen Songs haben wir zu dritt geschrieben. Es war sehr cool, aber auch sehr stressig. Wir hatten nur wenig Zeit um die Songs zu schreiben und mussten mit anderen Schwierigkeiten kämpfen. Wir haben sie aber überwunden und wirklich sehr hart gearbeitet. Wir haben es geschafft Songs zu schreiben die wir wirklich sehr mögen.

Gab es unterschiede in eurer Arbeitsweise. Das Album klingt schließlich sehr anders als euer altes Material.

Ich kann mich an keine bestimmte Veränderung erinnern. Vielleicht gab es sie aber. Das Songwriting für „You Come Before You“ fand immerhin vor gut fünf Jahren statt. Es war aber auf jeden Fall eine sehr viel offenere Atmosphäre. Wir haben uns selbst mehr Raum gegeben um unsere Kreativität auszuleben. Als Derek noch in der Band war, war das anders. Er hatte eine sehr bestimmte Vorstellung von der Band und wusste genau was er wollte. Wir anderen sind wie auf Eierschalen gelaufen und haben versucht kleine Nischen auszunutzen wo wir uns kreativ einbringen können. Dieses Mal konnte sich jeder gleichberechtigt einbringen und wir haben einfach sehr viel experimentiert. Wenn etwas mal nicht funktioniert hat, haben wir etwas anderes versucht. Wir haben versucht die Ideen der anderen zu verstehen anstatt sie schon Vorfeld zu torpedieren.

War das in der Vergangenheit so?

Ja, das kam ziemlich häufig vor.

Ihr habt euch auch für neue Einflüsse geöffnet.

Natürlich. Seit der Veröffentlichung von „You Come Before You“ sind wir als Musiker sehr viel gewachsen. Als wir das Album geschrieben haben wollten wir natürlich all die neuen Sachen ausprobieren die wir in den vergangenen vier Jahren in uns aufgenommen hatten. Es gab da sicherlich einige Dinge die uns die Augen für neues geöffnet haben. Wir wollten nicht eine Band sein die in ihrer Box sitzt und nur diesen einen Stil spielt. Wir haben unsere Grenzen erweitert.

Was ja schon immer kennzeichnend für Poison The Well war.

Ja, aber nicht in diesem Ausmaß. Als Derek die Band verlassen hat haben wir uns viel weiter geöffnet. Dazu kommt natürlich die lange Zeit zwischen den Platten. Der Sprung zwischen den Platten ist einfach größer.

Wie würdest du das Album in kurzen Worten beschreiben?

Immens. Kraftvoll. Angepisst. Anders.

Mit euren bisherigen Platten habt ihr einen gewissen Stil geprägt. Das neue Album löst sich davon zu einem großen Teil. War das ein bewusster Schritt für euch?

Nein ganz und gar nicht. Wir haben einfach die Songs geschrieben. Wenn wir eine Idee hatten haben wir uns voll und ganz darauf konzentriert. Wir haben uns nie überlegt Songs auf gewisse Art und Weise zu schreiben weil die Kids oder das Label das so von uns erwarten. Wir haben den Song einfach um des Songs willen geschrieben. Wir wollten jeden einzelnen zu dem Besten machen den wir je geschrieben haben.

Um Druck von Außerhalb schert ihr euch also gar nicht.

Nein. Der einzige Druck den es für uns gibt ist der den wir auf uns selbst ausüben. Ich glaube viele Leute wissen gar nicht worüber sie reden. Wenn es darum geht uns als Band in eine Schublade zu stecken oder wie wir als Menschen sind. Die Leute sind sehr voraussehbar in ihren Meinungen über uns. Für uns funktioniert etwas oder eben nicht. Das ist alles.

Die Atmosphäre der Platte ist sehr düster und melancholisch. Warum?

Das ist einfach die Reflektion. Eine Reflektion der Dinge die wir durchgemacht haben. Wir haben unsere Gefühle über die Instrumente in Songs übersetzt.

Warum hat heißt das Album „Versions“?

Es gibt so viele verschiedene Versionen von Poison The Well. Bezogen auf unser Label, unser Lineup, die Leute die für uns arbeiten. Nur Ryan, Jeff und Ich waren immer dabei. Wir fanden den Titel sehr passend.

Gibt es da ein tiefer gehendes Konzept?

Nein, eigentlich nicht. Wie gesagt, es geht um die Reflektion von Emotionen. Aber die einzelnen Songs behandeln ganz unterschiedliche Themen. Jeff hält seine Texte sehr offen und interpretierbar. Er liefert auch nie Erklärungen dafür.

Ihr habt das Album wieder in Schweden aufgenommen. Warum habt ihr euch wieder dazu entschlossen?

Wir wollen uns so weit es geht von der Außenwelt isolieren um uns voll auf das Album konzentrieren zu können. Außerdem sind die Produzenten dort großartig. Wir haben dort alle Möglichkeiten und auch die Kosten waren mit unserem Budget erschwinglich. Es hat einfach am meisten Sinn gemacht. Wir wollten unbedingt wieder mit dem Produzententeam Pelle
Henricsson und Eskil Lovstrom zusammenarbeiten. Wir haben das letzte Mal sehr viel von ihnen gelernt und wollten ihren Input wieder haben. Es war einfach eine sehr gute Erfahrung für uns. Normalerweise geht man ja nicht in ein fremdes Land um ein Album aufzunehmen.

Magst du Schweden?

Ja, es ist sehr nett da. Nach einer Weile war ich aber auch wieder froh zuhause zu sein. Einfach weil die Leute hier meine Sprache sprechen.

Schweden ist ein krasser Kontrast zu Florida.

Ja, auf jeden Fall. Es wird dort sehr früh dunkel. Es gab Tage an denen wir die Sonne überhaupt nicht zu Gesicht bekommen haben.

Warum habt ihr euch von Atlantic getrennt?

Denen hat einfach nicht mehr gefallen was wir gemacht haben. Als wir den Vertrag bei ihnen unterschrieben haben wollten wir eine Klausel die uns volle kreative Kontrolle garantiert. Das hat mit „You Come Before You“ auch wunderbar funktioniert. Bei dieser Platte wollten sie allerdings eine Top-20 Single von uns und haben gesagt, dass wir neue Songs schreiben müssen, als wir ihnen das neue Material präsentiert haben. Es schien also, dass die volle kreative Kontrolle über unsere Musik nicht mehr garantiert war. Wenn wir das von Anfang an gewusst hätten, hätten wir wohl gar nicht bei Atlantic unterschrieben. Ich denke wir haben aber viel von dieser Sache gelernt. Ich sehe das also nicht als Fehler an.

Und ihr seid dadurch gewachsen.

Ja, das stimmt sicherlich. Wenn wir uns jetzt aber ihren Bedingungen gefügt hätten, hätten wir uns selbst betrogen. Die Verantwortlichen könnten überhaupt nichts mit dem neuen Album anfangen und haben immer nach der Single gesucht. Wir stellten sie vor die Wahl uns entweder das Geld für die Aufnahmen der Songs zu geben oder uns aus dem Vertrag zu entlassen. Glücklicherweise haben sie uns ohne allzu große Probleme entlassen.

Als ihr ursprünglich zum Major Label gewechselt habt gab es viele Unkenrufe aus der Szene die euch Ausverkauf vorgeworfen haben. Wie reagieren diese Leute jetzt auf euch da ihr wieder auf einem Indie seid?

Ich weiß nicht. Wir haben uns nie um solche Leute gekümmert. Die haben doch überhaupt keine Ahnung. Sie wussten nicht, dass wir volle kreative Kontrolle hatten und nicht im Geringsten daran gedacht haben uns zu verkaufen. Das war noch bevor „You Come Before You“ erschienen ist. Die haben wohl ein Pop Album erwartet, aber stattdessen kam dieses gänzlich unkommerzielles Album raus. Es war die logische Entwicklung unseres Sounds. Mir ist es deshalb auch egal was diese Leute heute sagen.

Ein Artwork wie dieses hätte man wohl nicht von euch erwartet.

Das ist genau das was wir erreichen wollten. Ein Freund von uns hat das Artwork gemacht. Er hatte ursprünglich ein ganz anderes Konzept. Als dann aber diese ganze Sache mit Atlantic war, zog sich die Sache mit dem Artwork eine ganze Weile hin. Als wir es dann endlich brauchten, hatte er in der Zwischenzeit eine völlig andere Idee. Er zeigte uns dieses Gemälde, es ist in Wirklichkeit ein riesiges Gemälde. Wir waren sofort begeistert. Ich finde das Cover perfekt. Es ist simpel und bildet so den perfekten Kontrast zum Album, was ja sehr komplex ist. Als er uns das Cover gezeigt hatte, sind wir nach Schweden zu den Aufnahmen geflogen und haben das Album in genau der Umgebung gemacht die auf dem Bild ist. Das war wirklich bizarr. Ich schaute auf das Artwork und dann aus dem Fenster und es bot sich dasselbe Bild.

Es passt auch gut zum Sound.

Ja, das finde ich auch.

Was ist dein Lieblingssong vom Album?

Mein Favorit ist „You Will Not Be Welcomed“. Es ist einfach ein sehr geiler Song mit toller Gitarrenarbeit.

Spielt ihr schon Songs vom neuen Album live?

Ja, wir spielen „Letter Thing“, „Naive Monarch“, “The Notches That Create Your Headboard” und „Prematurito El Baby“. Aber nicht alle im selben Set, wir spielen meist zwei neue pro Set. Wir variieren das immer.

Wie nehmen die Leute die neuen Songs auf?

Das bekomm ich gar nicht so mit weil ich hinter dem Schlagzeug in meiner eigenen kleinen Welt lebe. Aber ich denke sie nehmen sie recht gut auf. Sie kennen die Songs noch nicht. Ich erwarte nicht, dass sie völlig ausrasten sondern sich die Tracks erstmal anhören und zusehen. So würde ich reagieren.

Wie stehst du zu aktuellen Entwicklungen im Bereich harter Musik oder der Hardcore Szene?

Ich weiß gar nicht. Ich fühle mich inzwischen ziemlich losgelöst davon. Es gibt ein Haufen harter Bands die ich nicht unbedingt als Hardcore einordnen würde aber die von vielen Hardcore Bands gemocht werden. Bands wie Neurosis, Pelican, Isis oder Cult Of Luna. Auf diese Bands stehe ich total. Ansonsten bekomme ich wenig mit. Ich verbringe meine Zeit mit meiner Freundin, am Schlagzeug oder auf Tour. Ich habe gar nicht die Zeit aktiv die Szene zu verfolgen. Wenn ich zufällig eine Band höre und sie gefällt mir ist das cool.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Touren. Wir wollen die nächsten anderthalb Jahre auf Tour sein. Wir werden dabei wohl auch in Deutschland vorbei kommen. Vermutlich gegen Ende des Jahres. Wir wollen eigentlich überall spielen wo wir nicht gekidnappt oder erschossen werden.

Hoffentlich tourt ihr ausgiebig in Deutschland.

Ja, das wäre sehr cool. Deutschland ist ein sehr gutes Land, das dürfte unvermeidbar sein.

Ich kann es kaum abwarten.

Ich auch nicht. Wir freuen uns drauf mit dem Album zu touren.

Hast du noch abschließende Worte.

Checkt unser neues Album ab. Vielen Dank für das Interview.

Rolf Gehring

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