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Auf der vergangenen Europavisite von Snapcase zusammen mit Time in Malta schnappte ich mir Sänger Daryl um über das aktuelle Album "End Transmission" zu reden. Das für mich nach "Progression Through Unlearning" das bisher beste Album der Jungs aus Buffalo darstellt. Daryl entpuppte sich dabei als sehr ruhiger und angenehmer Gesprächspartner.

Wie würdest du euer neues Album "End Transmission" in deinen eigenen Worten beschreiben?

End Transmission ist für Snapcase ein Album das mehr Emotionen ausdrückt als die Alben davor. Es ist unser bisher kreativstes Album. Es ist gleichzeitig eines unser härtesten Alben aber auch unser softestes. Ich denke, dass die heftigen Songs darauf genauso hart sind wie unsere älteren Sachen, aber es gibt auch einige Songs die ein neuen Style von uns zeigen. Sie haben langsamere Tempi und ruhigere Momente. Insgesamt denke ich das macht es zu einem interessanteren Album.

Wie haben sich diese neuen Elemente entwickelt? Gab es unterschiede im Songwriting?

Wir wollten uns selbst nicht limitieren auf das was die Leute hören wollen. Jeder in der Band ist nun in das Songwriting miteinbezogen. Das ist eine interessante Sache für uns, denn in der Vergangenheit waren es immer nur zwei oder drei Leute die an den Songs arbeiteten. Heute sind jedoch alle mit dabei. Wir haben 20 Songs für das Album geschrieben und hatten über 100 Minuten Musik.

Was ist mit den anderen Songs passiert?

Wir werden sie wahrscheinlich noch veröffentlichen.

Auf einer EP? Ist da schon etwas geplant?

Wir sind uns noch nicht sicher wie wir das machen werden.

Habt ihr euch vor dem Songwriting eine Vorstellung von dem Album gemacht oder war es eher spontan?

Nein, wir hatten nie diese klare Vision. Wir wussten aber, dass wir ein Album machen wollten, das sich nach Snapcase anhört, sich aber dennoch von unseren alten Alben unterscheidet. Wir wollten ein etwas düsteres Album machen. Ich denke das haben wir auch ganz gut verwirklicht. Das Album ist deutlich düsterer und klingt anders als unser früheres Material aber eben trotzdem nach Snapcase.

Seid ihr mit dem letzten Album nicht zufrieden gewesen?

Mit "Designs for Automotion"? Ich mag es sehr diese Songs Live zu spielen. Aber ich denke wir hätten damals ein viel besseres Album machen können. Was wir mit dem neuen Album gemacht haben ist wesentlich näher an dem was wir uns vorstellen.

Was ist damals schief gelaufen?

Ich weiß auch nicht genau. Vielleicht haben wir es zu schnell aufgenommen und uns zu viele Sorgen darüber gemacht was andere Leute davon halten und wie viel wir ihnen zumuten können.

Auf dem neuen Album benutzt ihr sogar ein Klavier, was etwas ungewöhnlich für eine Band wie Snapcase ist. Wie ist diese Idee entstanden?

Es war ein Klavier im Studio in dem wir aufgenommen haben. Die Jungs haben ein bisschen damit herumgespielt und irgendwann kam die Frage auf, ob es nicht cool wäre ein Klavier auf dem Album zu haben. Wir haben uns überlegt wie wir es in die Songs einbauen können und haben es schließlich getan. Das Klavier taucht an zwei verschiedenen Stellen auf. Das erste Mal wurde es von unserem Drummer gespielt, das zweite Mal von unserem Gitarristen Frank.

Es hat den Anschein von einem Konzept Album. Ist es eins?

Ja, es ist ein Konzept Album. Die Texte auf dem Album bauen auf eine Vorstellung von einer zukünftigen Welt auf. In dieser Welt ist die Gesellschaft eine Art Gefängnis Kultur. Es ist fast am Ende der Menschheit. Die Menschen die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen, die Minderheiten in diesem System sind, sind diejenigen die am mutigsten sind und versuchen aus ihrem Gefängnis auszubrechen. Sie setzen ihr Leben dafür ein eine neue Gesellschaft zu errichten und nach vorne zu gehen.

Glaubst du, dass dieses Szenario in einer fernen Zukunft spielt?

Hmm...es ist eigentlich nur ein Szenario das ich erfunden habe und wer weiß was aus unserer Welt wird. Das Szenario ist ziemlich deprimierend und düster, aber worauf es mir ankam ist der positive Aspekt von Veränderungen. Es geht um die positive Motivation die gegebene Umwelt zu ändern und für eine bessere Welt zu kämpfen.

Was hat dich dabei beeinflusst?

Das weiß ich gar nicht so genau um ehrlich zu sein. Wir schreiben im allgemeinen zuerst die Musik und erst dann arbeite ich an den Texten. Wenn ich mir diese Musik dann anhöre schießen Bilder in meinen Kopf und inspirieren mich zu Texten die sich dann wie ein Puzzle zusammen setzen.

Was bedeutet der Albumtitel "End Transmission"?

Es bedeutet einfach das unterbrechen der Kommunikation zu einer Sache und sie somit abzuschleißen. Es bedeutet auf keinen Fall, dass sich die Band auflöst oder so....

Der Song "10 A.M." beschreibt ein Szenario das sehr ähnlich zu George Orwells "1984" ist. Hast du es gelesen?

Ja, ich habe es gelesen und es war sicherlich ein Einfluss für mich. Dieses und auch andere Bücher waren ein großer Einfluss für die Texte auf diesem Album. Bei "10 A.M." geht es um den Countdown zu dem Ausbruch. Der Ausbruch wird um Mitternacht und jetzt ist es zehn Uhr am Morgen. Es stellt das zusammenziehen der Truppen dar, die letzten Vorbereitungen werden getroffen und sicherzustellen dass alles richtig läuft.

Revolt scheint eines der Schlüsselworte des Albums zu sein...

Es ist "Believe, Revolt". Ich mag das Wort weil es viele Bedeutungen haben kann. Ich weiß, dass viele Leute damit eine politische Revolte verbinden. Hinaus gehen und eine Revolution starten. Es kann aber auch eine persönliche Revolte sein im innern. Wenn du Angewohnheiten hast, die du nicht magst oder dein Leben zu lange an einem Ort feststeckt und du es dir bequem machst aber genau weißt, dass du dich zu weiteren Dingen antreiben solltest. Dann musst du auf eine Art gegen dich selbst revoltieren.

Diese Haltung war schon immer ein Grundsatz bei Snapcase.

Ja, richtig. Wir waren schon immer im Gegensatz zu dem Stereotyp von harter Musik. Denn bei harter Musik geht es um Wut, Hass und Gewalt. Wir hingegen sind zwar heavy aber haben immer versucht die positiven Dinger hervorzuheben.

Ihr habt mit Brain McTernan als Produzent gearbeitet, dem ehemaligen Sänger von Battery. Wie war die Arbeit mit ihm?

Er hat einiges drauf. Er ist wirklich begabt und hat sich zu einem Profi im Studio entwickelt. Als zuerst die Idee aufkam mit ihm zu Arbeiten war ich nicht besonders begeistert. Ich dachte wir bräuchten jemanden mit einem größeren Namen. Er hat aber einfach Alben aufgenommen die wir sehr cool fanden. Die Bands die mit ihm gearbeitet haben, haben sich weiterentwickelt. Deshalb haben wir schließlich doch beschlossen mit ihm aufzunehmen. Wir hofften, dass er Ideen hat die gut für uns sind. Die hatte er dann auch.

Hatte er viel Einfluss auf die Gestalt der Songs?

Oh ja, auf jeden Fall. Bei jedem Album das er aufgenommen hat kann man hören, dass er viel Einfluss auf die Songs und auf die Bands hatte. Kennst du beispielsweise Thrice?

Ja.

Als sie ihr Album "Illusion of Safety" bei ihm aufgenommen haben, hatte die Band geplant auf dem ganzen Album fast nur zu schreien. Er hat sie dann dazu gebracht mehr zu singen und mehr Melodien einzubauen. Das hat dem Album sehr gut getan.

Ihr seid eine der wenigen Bands die während ihrer ganzen Karriere bei Victory Records geblieben sind. Warum?

Wir haben einfach ein sehr gutes Verhältnis mit ihnen. Es gibt keine Geheimnisse. Wenn man mit jemandem arbeitet muss man einfach ehrlich und geradeaus sein. Wenn deine Plattenfirma etwas tut was dir nicht gefällt, solltest du nicht herum rennen und jedem erzählen wie schlecht deine Plattenfirma ist, sondern du solltest bei der Plattenfirma anrufen, sie zur Rede stellen und es mit ihnen klären um die Situation zu verbessern. Das ist genau das was wir gemacht haben. Andere Bands sind ungeduldig und in dem Moment in dem etwas schief läuft fangen sie an sich zu beschweren. Alle Band die sich über Victory beschweren wäre ohne Victory wahrscheinlich nie so bekannt geworden wie sie es sind. Bands wie Hatebreed, Boy Sets Fire, Earth Crisis oder Thursday. Wir sind alle gut befreundet mit diesen Bands und ich liebe sie, aber als sie nur eine Demoband waren, waren es Victory die ihnen eine Chance gegeben hat. Victory sind ein großer Indie und sie haben die Kraft Bands bekannt zu machen. Bis zu dem Punkt an dem sie zu einem Major wechseln.

War das für euch je ein Thema?

Wir hatten natürlich die Gelegenheit. Aber es hat uns immer etwas daran gestört. Snapcase sind einfach keine Band für ein Major. Wir schreiben keine Popsongs und keine Songs für das Radio.

Thema Popsong...Ich glaube ihr habt mit dem Video zu "Typecast Modulator" ein paar Fans vergrault. Es war eher ein Pop-Song Video.

Wir hatten einfach nur weiße Anzüge an. Whatever....Die selben Leute die sich darüber aufgeregt haben, mögen heute wohl "The International Nosie Conspiracy". Mit ist das egal.

Hast du eine witzige Tourgeschichte auf Lager?

Nach langem Nachdenken.

Das Leben auf Tour wird immer weniger Ereignisreich. Wir sind jetzt seit über 10 Jahren eine tourende Band. Uns überrascht eigentlich nichts mehr. Bei Time In Malta ist das noch anders. Sie sind noch aufgeregter. Wir hingegen sind eher zurückgelehnt. Mir fällt im Moment gar nichts Spektakuläres ein.

Daryl denkt weiter nach.

Das verrückteste was uns je passiert ist, ist immer noch die Geschichte, als wir eine Show im Kalifornien spielten und ein paar Nazi-Skinheads auftauchten. Ein paar Punks haben gegen sie gekämpft und dabei fast einen der Nazis umgebracht. Das alles auf unserer Show. Das war absolut verrückt. Der Club wurde geschlossen und die Polizei kam und hat ermittelt. Ich habe diesen Typen bluten gesehen. Seine Innereien kamen heraus und er war mit Messerstichen übersäht.

War das während ihr gespielt habt?

Nein, es war bevor wir auf der Bühne waren. Wir sind mit dieser schwedischen Girl-Band Doghnuts und Frodus auf Tour gewesen. Es passierte als Frodus spielten. Sie haben den Club geschlossen, ihn aber gegen drei Uhr morgens wieder aufgemacht und 200 Leute kamen zurück. Wir haben dann noch eine halbe Stunde gespielt. Das war verrückt.

Was hältst du von George Bush und seinen Plänen?

George Bush ist kein guter Präsident. Ich glaube es ist gerade ziemlich angesagt bei Bands, auf der Bühne "Fuck Bush" Statements abzulassen. Weil das Publikum das hören will. Für mich ist das aber etwas sinnlos und dämlich. Davor hätte man genauso gut "Fuck Clinton" sagen können, davor "Fuck Bush" und wiederum davor "Fuck Ronald Reagan". Mit dem gleichen Ergebnis. Es ist doch im Grunde egal wie der Präsident heißt, er wird immer der Feind von Punkrock und Hardcore sein. Der Grund hierfür ist der, dass egal wer Präsident wird er immer aus einer "corporate agenda" entstammen. Seine Aufgabe ist es immer, die wohlhabenden Zufrieden zu stellen, die ihrerseits Macht auf ihn ausüben. Er muss dafür sorgen, dass die USA das mächtigste Land der Welt wird bzw. bleibt. Damit schafft man sich Feinde auf internationaler Ebene, denn niemand hat es gern herumgestoßen zu werden. Für mich ist das gesamte System wer Präsident wird eine schlechte Sache. It´s fucked up. Ganz egal wie der Kerl heißt.
Bei der letzen Wahl haben viele Menschen für Ralph Nader gestimmt, mich eingeschlossen. Er ist cool. Er versucht nicht nur die Korruption aufzudecken sondern sie auch abzuschaffen. Die Leute waren aber zu ängstlich ihn zu wählen oder haben ihn aus anderen Gründen nicht gewählt. Es ist unwahrscheinlich, dass er bald zum Präsidenten wird.
Ich weiß auch nicht, was man da machen kann. Die Bands können gern auf der Bühne Sprüche klopfen, aber es ist einfach nicht mein Ding.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Wir werden viel auf Tour sein. Im Februar werden wir wieder nach Deutschland kommen. Wir versuchen dann überall dort zu spielen wo wir jetzt nicht waren. Wir konnten dieses mal nur drei Wochen kommen. Also werden wir drei weitere Wochen kommen und auch in Spanien, Italien, Frankreich und Österreich spielen.

Hast du noch abschließende Worte?

Die berühmten letzen Worte von Iron Maiden: "Die with your boots on!".


Das Interview wurde von Rolf Gehring geführt.

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Review: Bright Flashes, 2003 (rg)