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Nachdem Converge ihre europäischen Anhänger etwas länger auf die Folter gespannt hatten, startete die Band ihren Feldzug durch den alten Kontinent. Nachdem wir uns am 13.10. in Will bereits zum zweiten Mal auf dieser Tour wegblasen ließen, stellten sich Sänger Jacob und Gitarrist Kurt unseren Fragen. Der Witz an dieser Show war übrigens, dass Kurt sie mit nur zwei Fingern und im sitzen spielen konnte da er sich kurz zuvor die Hand gebrochen hatte. Trotzdem war die Show energiegeladen und technisch einwandfrei gespielt.

Erst einmal Gratulation zu der grandiosen Show. Es ist wirklich unglaublich wie Kurt mit nur zwei Fingern spielen konnte.
Erzähl doch mal wie das passiert ist?

J: Haha...Es war einfach ein Freak-Unfall. Wir waren gelangweilt und haben herumgealbert und mit Steinen geworfen. Einfach dumme Dinge ohne nachzudenken. Kurt ist hingefallen und hat sich den Finger gebrochen. Das hätte eigentlich jedem von uns passieren können, da wir alle Sachen gemacht haben die noch dümmer gewesen sind. Er ist einfach auf die Hand gefallen. Das war es eigentlich.

K: Meine Hand war eigentlich in deinem Arsch.

J: Yeah...es war auf jeden Fall lustig. Als es passiert ist hat das so lustig ausgesehen, dass wir alle lachen mussten. Wir wussten nicht genau wie schwer er verletzt war und haben die ersten zehn Minuten nur gelacht.

Ihr werdet oft als eine bahnbrechende Band angesehen. Was denkt ihr darüber?

J: Uhh...ich weiß auch nicht. Kurt was sagst du dazu?

K: Es ist nicht unsere Intention irgendwie bahnbrechend zu sein.

J: Doch das ist sie!!! (...lacht)

K: Wir versuchen uns nicht dadurch zu definieren was alle anderen machen und was es für die Szene bedeutet. Wir versuchen einfach uns und unsere Musik nach vorne zu pushen so weit wir das können und immer neue Dinge zu machen. Einfach um es für uns selbst interessant zu machen. Es ist also mehr ein künstlerischer Anspruch als ein Performance Anspruch. Es ist natürlich beides. In der Kunst geht es uns um Innovation. Das versuchen wir zu tun. Wenn das für manche als bahnbrechend gilt ist das toll, wenn nicht ist es auch OK. In erster Linie ist unsere Musik aber erfüllend für uns. Darauf kommt es an.

Was könnt ihr zu eurem neuen Album "Jane Doe" erzählen. Wie sind die Songs entstanden?

J: Wir haben uns viel Zeit gelassen das Album zu schreiben. Die Songs sind auf die gleiche Weise entstanden wie eigentlich alle Songs entstehen. Wir haben sie geschrieben. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten. Nachdem wir die Split mit Agoraphobic Nosebleed aufgenommen hatten und eine Release-Show dafür gespielt hatten, hat uns unser Drummer verlassen. Ihm hat es nicht gefallen in einer professionellen Band zu spielen. Er mochte das Umfeld nicht, wollte nicht auf Tour gehen und hat dem Druck nicht standgehalten. Wir haben dann eine ganze Weile nach einem Drummer gesucht. Es hat ca. 3-4 Monate gedauert. Oder Kurt?

K: Wir haben ca. 3 Monate mit Ben gespielt bis wir entscheiden haben, dass er der Richtige ist. Er war nie ein Double-Bass Drummer aber viele unserer alten Songs haben Double-Bass Teile. Das war unser einziger Vorbehalt. Er hat es aber schnell gelernt. Wir schreiben zwar nicht mehr so viele neue Songs mit Double-Bass aber er kann all die alten Songs spielen die er spielen muss.

J: Das Problem an einem neuen Drummer ist aber leider, dass wir viele Songs aus unserem Backkatalog, nach denen die Leute rufen, einfach nicht mehr spielen können weil wir sie als Band nicht mehr kennen.
Außerdem waren wir noch ein bisschen auf Tour und schlicht damit beschäftigt unser Leben zu leben. Das alleine nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Schließlich waren fast zwei Jahre vergangen bis wir begonnen haben an dem Album zu arbeiten. Dann ging aber alles relativ schnell.

K: Wir hatten zwar bereit zwei oder drei Songs mit denen wir herumspielten aber der Großteil des Albums wurde innerhalb von zwei Monaten geschrieben.

J: Es hat zwar lange gedauert aber es war nicht so, dass wir die ganze Zeit in einem gigantischen kreativen Prozess steckten.

Wie schreibt ihr denn Songs?

J: Ganz normal. Jemand hat eine Idee, ein Riff oder schon ein ganzes Songfundament. Wir arbeiten dann als Band daran weiter. Wir versuchen Songs zu machen die wir mögen und die uns herausfordern. In manchen Bands gibt es Mitglieder die das Songwriting dominieren. Das war bei uns, aufgrund unserer alten Mitgliedern, eine zeitlang genauso. Kurt hat fast alle Songs geschrieben und ich habe mich um die Texte gekümmert. Es gab im Grunde kein schreiben in der Gruppe. Es war fast wie eine Zwei-Mann-Band, wir haben den anderen die neuen Sachen einfach gezeigt.

K: Es war aber nicht so, dass wir das so wollten. Es war einfach die Art wie es sein musste aufgrund der andern Leute in der Band.

Warum?

K: Unser alter Drummer hatte Spaß am spielen und konnte alles spielen was wir von ihm wollten, aber er hatte eine andere Sichtweise auf die Band wie Jake und ich. Wenn er mit eigenen Ideen ankam, haben diese uns nicht gefallen. Also haben wir die Kontrolle von ihm genommen. Ihm war das egal, also hat es funktioniert. Unser alter Gitarrist Aaron hat ebenfalls nicht viel beigetragen. Er hatte noch eine andere Band namens "Bane". Er hat dort die meisten Songs geschrieben und so seine Kreativität ausgelebt. Weiterhin hatten wir eine ganze Weile keinen festen Bassisten. Unser Bassist Jeff lebte in Kanada, was sechs Stunden entfernt von uns ist. Er kam nur zu Shows und zum Aufnehmen runter. Manchmal konnte er nicht einmal ein ganzes Album einspielen. Ich habe die Basslinien geschrieben und gespielt.

J: Hat nicht du sogar einmal den Bass komplett eingespielt?

K: Nein, ich habe nur Teile eingespielt. Jeff einen Teil und ein weiterer Freund von uns einen anderen. Bis letztes Jahr waren wir eigentlich keine richtige Band. Die Mitglieder waren in alle Richtungen zerstreut oder machten ihr eigenes Ding. Manchmal kamen wir zusammen und spielten. Heute ist Converge aber eine echte Band.

Was kannst du zu den Texten auf Jane Doe sagen? Es scheint als ob du mit Beziehung Problemen zu kämpfen hattest.

J: Ja, genau. Das ganze Album handelt davon. Es geht um meinen Kampf mit dieser Situation. Das Album ist aber nicht nur in Schwarz und Weiß gezeichnet. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es ist ein komplexes herauslassen von emotionalen Altlasten. Der Schreibprozess war sehr wichtig für mich um mit all diesen Themen umzugehen. Es hat mir sehr geholfen die Situation auf eine gesunde Art und Weise zu reflektieren und einen Sinn aus der Scheiße zu ziehen in der ich steckte.

Worum geht es genau?

J: Wie du schon gesagt hast. Die Songs handeln von einer Beziehung die ich über fünf Jahre mit einem Mädchen führte. Wir haben zusammen gelebt und es war eine sehr intensive und starke Beziehung. Die Beziehung hat nicht gerade auf eine märchenhafte, romantische Weise geendet. Es war sehr schwer und verletzend. Darüber habe ich geschrieben.

Ist Converge ein Instrument zur Selbstheilung für dich?

J: Ja, ich denke jede künstlerische Ausdrucksform ist das. Alles was man in einem kreativen Zusammenhang tut ist das. Der ganze kreative Prozess, ob musikalisch oder textlich, gibt uns allen sehr viel und ist eine Art von Selbstheilung die letztendlich gesund ist. Das ist eine der wunderbaren Sachen an künstlerischen Ausdrucksformen.

K: Alles was du in deinem Leben tust auf das du Stolz bist und dir einen Wert gibt, gibt deinem ganzen Leben einen Wert und alles was du tust um deinem Leben einen Wert zu geben ist eine Art der Heilung.

Gibt es Texte die dir wichtiger sind als andere?

J: Nein. Ich schreibe immer sehr viel. Meistens zuhause. Auf dieser Tour habe ich bewusst noch nichts geschrieben. Auf Tour möchte ich nicht schreiben, denn wenn ich das mache fühle ich mich wie ein Wrack. Ich verliere mich dann sehr schnell in Gedanken und möchte die Texte stetig verfeinern. Es wird dann zu einer Angewohnheit und das mag ich nicht. Wenn ich zuhause bin schreibe ich fast jeden Tag. Wenn wir dann Songs schreiben versuche ich den Text auf die Musik anzupassen.

Singst du eigentlich die ganzen Texte die du schreibst auch in den Songs?

J: Das meiste davon. Es gibt sogar Songs in denen ich mehr singe als ich geschrieben habe. Das passiert manchmal. Ich finde Jane Doe ist textlich viel strukturierter als auf früheren Sachen. Bei dem älteren Material habe ich nie versucht die Texte in eine geordnete Reihenfolge für die Songs zu bringen. Texte die im Song nur zwölf Zeilen hatten waren als geschriebener Text in Wirklichkeit 30 Zeilen lang. Bei Jane Doe sind die Texte viel kürzer und direkter. Sie sind daher vielleicht auch weniger poetisch. Ich habe versucht sie mehr auf die Songs anzupassen. Das ist für mich ein Schritt vorwärts im schreiben. Ich mag es sehr zu schreiben und denke, dass Poesie einen großen Anteil an der Musik hat. Als wir uns mit der Band weiterentwickelt haben, habe ich aber entdeckt, dass Struktur ebenfalls eine sehr kraftvolle Sache sein kann. Wenn man dass korrekt und akkurat macht kann das die Durchschlagskraft des Songs deutlich steigern.

K: Wir haben ja vorhin darüber gesprochen, dass musikalische Herausforderungen für uns sehr wichtig sind. Früher war es eine Herausforderung für uns das schnellste Gitarrenriff oder den abgefahrensten Drum-Part zu spielen. Heute geht es uns mehr darum präzise bzw. prägnant zu sein und den effektivsten Song zu schreiben. So haben wir es mit der Musik auf Jane Doe gemacht und so hat es Jake mit den Texten gemacht. Sie sind klarer und thematischer. Es geht uns darum einzelne prägnante Songs mit einer direkten Bedeutung zu erschaffen anstatt obskure Fragmente, wie bei manchen früheren Sachen.

Ist es auch wichtig für dich, dass die Leute deine Texte verstehen. Ich meine um ehrlich zu sein, du bellst mehr als dass du singst.

J: Bis zu einem gewissen Grad schon. Wir haben alle Texte auf unserer Website und es ist der meistbesuchteste Teil der Seite. Auch im Booklet sind sie auf eine Weise enthalten. Meine liebsten und auch einflussreichsten Sänger sind Leute wie Blane von The Accused. Bei uns geriet das manchmal außer Kontrolle. Ein Wort das normalerweise drei Silben hat, hatte bei uns nur eine. Bei Jane Doe gibt es mehr Struktur und es gibt Textpassagen die verständlich sind, wenn sie es sein müssen. Das ist eine Verfeinerung unseres Stils. In letzter Zeit werden in harter, metallischer Musik nur noch Klischees und Stereotypen verarbeitet. Die meisten Metal Hardcore Bands klingen als ob sie etwas zuviel Hatebreed gehört haben. Sie sind immer auf der sicheren Seite mit ihren Arrangements. Mich interessiert das gar nicht mehr. Ich war immer ein Fan von Sachen die etwas mehr außer Kontrolle und spastischer sind, denn das hat einfach mehr Energie.

Gibt es eine spezielle Vision der Band?

J: Ich glaube nicht, dass es eine Vision gibt. Wir sind einfach eine Band die Musik machen will wie es uns gefällt und uns herausfordert. Das ist es eigentlich schon. Wir versuchen uns gegenseitig anzuspornen und kraftvolle Musik für uns zu schreiben. Das ist das einzige Statement das ich zu der Band machen kann. Wir sind eine sehr persönliche Band. Wir haben keine besonderen politischen Standpunkte, wir sind kein Transportmittel für eine Bewegung. Wir sind einfach eine Band.

Obwohl eure Musik sehr extrem ist, seid ihr nicht gerade viel auf Tour, besonders nicht in Europa.

J: Wir haben im letzten Jahr relativ viel getourt. Einfach weil wir die Gelegenheit hatten. Kurt wurde schon x-mal von seinem Job gefeuert. Jetzt hatten wir aber die Gelegenheit dem touren mehr Zeit zu widmen. Also haben wir das getan. Wir haben eigentlich jedes Jahr eine Tour gemacht.

K: Wir waren nicht oft in Europa. Wir reservieren immer einen Monat im Jahr für eine Tour. Wir müssen uns dann eben überlegen, einen Monat in den Staaten oder einen Monat in Europa. Wir konnten nicht beides in einem Jahr machen. Dieses Jahr haben wir aber bereits vier Monate auf Tour verbracht. Wir waren in Japan und ein paar Mal in den Staaten, jetzt sind wir hier.

Mögt ihr es denn in Europa?

J: Ja, wir mögen es sehr. Wir mochten es schon das letzte mal, aber unsere letzte Tour war sehr schwierig. Das Routing war schrecklich und hat uns sehr gefordert. Diese Tour ist aber wirklich überwältigend. Wir hatten keine Ahnung was uns erwartet, denn die letzte Tour war ein Desaster. Dieses mal haben Freunde von uns die Tour organisiert und sie haben fantastische Arbeit geleistet. Die Shows waren meistens sehr gut. Wir waren überrascht wie sehr die Leute uns unterstützen.

Welche Eindrücke habt ihr gesammelt?

J: Ich mag es. Ich weiß auch nicht. Kurt was meinst du.

K: Europa ist anders. Es ist nicht besser oder schlechter, es ist einfach anders. Für uns Amerikaner ist es eine gute Erfahrung hierher zu kommen und Menschen zu sehen die in einer in manchen Aspekten vielseitigeren in anderen Aspekten weniger vielfältigen Gesellschaft leben. Es ist einfach gut zu sehen, dass unterschiedliche Menschen überall auf der Welt auf unterschiedliche Weise leben. Das macht sie nicht besser oder schlechter, nur anders.
Für unsere Shows macht der Kontinent aber kaum einen Unterschied. Die Clubs sind ähnlich und auch ähnlich besucht.

Auch nicht im Verhalten der Leute?

K: Vielleicht ein bisschen.

J: In den Staaten gibt es auch viele Unterschiede. Unterschiedliche Vibes, verschiedene Sprachen und Slangs, unterschiedliche Vorlieben, Essen und auch Architektur.

K: Der Unterschied zwischen Arizona und Florida ist wahrscheinlich größer als der zwischen Prag und Spanien.

J: Europäische Städte haben aber viel mehr Charakter. Prag ist eine wundervolle Stadt und auch Spanien und Italien war überwältigend. Im Gegensatz dazu verblassen Städte wie Cleveland, Chicago oder Los Angeles. Diese Städte sind deprimierend.

K: Auf viele Arten ist es viel bequemer in den Staaten zu touren. Einfach aufgrund der Zugriffsmöglichkeiten auf die Dinge die wir benötigen. Die Läden haben beispielsweise rund im die Uhr geöffnet. Ob das jetzt Essen oder Gitarrensaiten sind. Auf der anderen Seite sind die Orte viel weiter voneinander entfernt und die langen Fahrten sind sehr anstrengend. Hier, in Europa, sind die Fahrten selten länger als der bis vier Stunden. Wir hatten auf dieser Tour nur ein paar Nachtfahrten. In den Staaten ist es normal, dass man sechs bis sieben Stunden jeden Tag fährt.

Mögt ihr das Touren denn überhaupt?

J: Ich mag es eigentlich schon.

K: Ich kann schlecht mit der Langeweile auf Tour umgehen.

J: Das stimmt, auf Tour ist es oft sehr langweilig. Man sitzt die meiste Zeit nur rum und möchte eigentlich aktiv sein. Ich weiß, dass Kurt zuhause ein sehr aktiver Mensch ist und kreativ sein will. Mir geht es gleich. Ich bin ein Workaholik. Es macht mich wahnsinnig nur rum zu sitzen und nichts zu tun. Ich mag es meine Gedanken zu zerstreuen. Beim planen dieser Tour haben wir uns vielleicht unterbewusst dazu getrieben, keine freien Tage zu haben. Einfach damit wir aktiver sind.
Außerdem ist es auch so, dass wir zuhause ein Leben haben mit Freunden und einem Umfeld das uns viel bedeutet. Auf Tour nimmt man an diesem Leben nicht mehr teil. Es gibt Bands die wirklich viel auf Tour sind. Das wird für sie dann zu einem Lifestyle denke ich. Ähnlich wie ein Job.

K: Die meisten dieser Bands ziehen wieder im Keller ihrer Eltern ein bevor sie auf Tour gehen damit sie keine Miete bezahlen müssen. Die meisten dieser Bands, nicht alle, legen ihr normales Leben auf Eis für diese Zeit. Die meisten Bands die heute von dem Support der Hardcore Gemeinde leben, werden das nicht ihr ganzes Leben tun können. Die meisten haben nicht das Glück so wie ich und Jake etwas anderes im Hardcore Kontext zu machen als in einer Band zu spielen. Wir haben das Studio, das Label und die Design Agentur. Nicht jeder kann nach Hardcore zu so etwas übergehen. Das ist also ein sehr temporäres Leben. Ich persönlich möchte so ein Leben nicht führen.

Seid ihr aus diesem Hardcore Kontext herausgewachsen und zu etwas anderem übergegangen?

J: Nein, so kann man das nicht sehen. Wir sind mit Hardcore gewachsen. Hardcore ist eine sehr offenes Umfeld. Es gibt eine Vielfalt von Stilen und Lifestyles. Ich mag diese Terminologie nicht. Ich mag es nicht immer neue Sub-Genres zu erfinden um Dinge einzuordnen.

K: Ich habe immer versucht Hardcore nicht über einen bestimmten Sound zu definieren sondern einer Einstellung und Herangehensweise an Dinge. Wir kommen sicherlich aus der Hardcore Szene und sind damit aufgewachsen. Es ist ein Teil von uns, es ist in uns. Sogar wenn wir nicht aktiv Musik machen, nehmen wir diese Einstellung mit uns. Ich denke so lange wir weiterhin an unsere Musik mit dieser Einstellung herangehen, so lange wird es Hardcore sein, auch wenn sie die gängigen Klischees nicht erfüllt.

Gibt es überhaupt irgendwelche musikalischen Limits für euch?

J: Ich kann nicht Flöte spielen. Im Ernst, wir sind eine traditionelle Band mit Drums, Gitarren und Gesang. Wir versuchen damit einfach so weit zu gehen wie wir können.

K: Der Flötenkommentar war natürlich ein Witz. Aber es ist schon was dran, wir haben alle nur begrenzte Fähigkeiten. Es gibt Dinge die wir gut können und Dinge die wir nicht gut können. Es gibt also Dinge die wir, selbst wenn wir es mögen würden, nicht in die Band einbringen würden. Außerdem ist es wichtig, dass die Songs auf einem Album zueinander passen. Genauso ist es mit dem Live-Set. Wir wollen eine bestimmte Stimmung vermitteln. Deshalb wird es bei uns kein Album geben auf dem ein Discosong, ein Metalsong und einen Skasong ist. Das wäre zu zerfleddert. Ich lege ein Album auf wenn ich in einer bestimmten Stimmung bin oder in eine bestimmte Stimmung kommen will. Wenn ein Album aber stimmungsmäßig hin und her springt ist es nicht besonders effektiv.
Wir werden auf jeden Fall weiterhin musikalische Gebiete erforschen an denen wir noch nicht waren. Aber wir wollen immer ein Album mit einer konstanten Stimmung machen.

Habt ihr schon neue Songs geschrieben.

K: Ja, wir haben ein paar neue Songs. Nur wenige die fertig sind, aber wir haben vor 2003 ein neues Album zu veröffentlichen.

Was kann man erwarten?

K: Es wird gut sein. Wir haben das selbe Lineup wie bei Jane Doe und eine ähnliche Herangehensweise an das schreiben wie bei Jane Doe. Es wird natürlich nicht wie Jane Doe klingen, aber wahrscheinlich mehr wie Jane Dow als ein anderes Converge Album.

J: Es ist schwierig über ein Album zu reden das noch gar nicht aufgenommen wurde. Der Charakter der Platte entsteht meistens während den Aufnahmen. Es kommt auch darauf an wie viel von der Energie wir einfangen können.

K: Man kann viel im Vorfeld erzählen was man vor hat, aber wirkliche Gewissheit ob es auch klappt hat man erst wenn die Songs im Kasten sind. Wir können nur konzeptionell darüber reden. Wir können sagen, dass wir etwas dynamisches oder langsames oder offenes mit viel Raum oder etwas minimalistisches machen. Wir können mit diesen Termen sagen was wir wollen ohne zu spezifisch zu werden. Ich finde es viel wichtiger zu wissen, welche Ideen wir haben und wie wir sie umsetzten als darüber zu reden.

Warum habt ihr eigentlich nie euren Gitarristen ersetzt?

J: Es war nicht nötig.

K: Ich finde es ist viel Kraftvoller wenn vier Leute auf der Bühne stehen und genauso viel Krach machen wie fünf.

J: Wir sind heute viel tighter als Band als wir es zu fünft waren. Wir hatten damals auch viel mehr interne Diskussionen die es heute nicht mehr gibt. Das Bandklima ist zu viert sehr gut. Es hat einfach mehr Sinn gemacht zu viert zu bleiben als wieder jemand neuen dazu zu holen.

K: Außerdem hatten die meisten Bands die wir verehren nur einen Gitarristen. Du weißt schon, Led Zeppelin, Jimi Hendrix oder Born Against. Entombed sind allerdings eine Ausnahme.

Ihr wollt bald eine DVD veröffentlichen.

J: Ja, sie wird gerade fertiggestellt. Eine Firma zuhause macht die Programmierung. Hoffentlich haben sie einige Fortschritte gemacht bis wir nach Hause kommen. Es beinhaltet einfach Live Material von Kids die unsere Shows gefilmt haben. Wenn ich es mit einem anderen Bandvideo vergleichen müsste würde ich es mit Cliff´em all vergleichen. Es ist amateurhaft gefilmt. Das ganze ist eine Antwort für die Leute die Videos von unseren Shows und anderen Bands für 10-15 Dollar bei E-Bay verkaufen und uns nicht mal ne Kopie geben wollen. Wir finden das sehr beleidigend. Deshalb gibt es bald die DVD, was ein professionelles Produkt zu einem moderaten Preis sein wird.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

J: Wir werden jetzt nach Hause gehen und ca. einen Monat frei haben. Kurt wird einen Gips bekommen und seine Hand kurieren. Wenn es wieder geht werden wir proben und im Dezember nach Japan gehen. Das ist dann schon das zweite Mal dieses Jahr, dass wir nach Japan gehen. Wir sind schon richtig aufgeregt. Die letzte Tour dort war fantastisch und eine tolle Erfahrung. Dieses Mal gehen wir rüber um ein größeres Festival zu spielen.

Hast du noch letzte Worte?

J: Nein, vielen Dank für das Interview. Wir wissen das wirklich zu schätzen.

Das Interview wurde von Rolf Gehring und Chris Jennert geführt.

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