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THE NIGHTWATCHMAN

Unsere Musikwelt hängt zwar voller Gitarren, aber nur die wenigsten zeitgenössischen Axtschwinger schaffen es einen sofort identifizierbaren Stil zu entwickeln und sich somit aus der Masse herauszuheben – Tom Morello gehört definitiv zu den außergewöhnlichen Vertretern seiner Zunft. Mit seinen Bands Rage Against The Machine und Audioslave hat er weltweit vor Millionen Menschen gespielt, die jeweiligen Alben waren stets in obersten Chartregionen zu finden und neben der Musik ist es Tom auch sehr wichtig sich aktiv politisch zu engagieren. Kein Wunder, bei diesem Elternhaus, derartiges Verhalten wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Er ist zur Hälfte Kenianer und seine Eltern kämpften dort gegen die britische Kolonialherrschaft und seine Mutter war später auch in den USA in der Bürgerrechtsbewegung. Just als dieser Tage die Reunion von Rage Against The Machine publik wurde, überrascht Morello unter dem Namen The Nightwatchman mit einem Folk-Album auf dem er akustische Gitarre spielt und erstmals auch singt!

HD: „The Road I Must Travel“ ist die erste Auskopplung aus Deinem The Nightwatchman Album. Warum hast Du gerade diesen Song ausgewählt?

TM: Ich finde er ist recht repräsentativ für die textliche Vision des gesamten Albums. Bei dem Album gehts nicht darum Antworten auf oder Lösungen für all die Gesellschaftsprobleme dieser Tage zu finden, es ist eher eine Reise zur entweder Aufdeckung dieser Missstände oder zur Vergeltung wenn diese Probleme nicht angegangen werden.

HD: Der Song sticht aus dem restlichem Material durch deutliche Irish Folk-Einflüsse heraus; Deine Mutter hat sowohl irische als auch italienische Wurzeln, war Irish Folk ein Teil Deiner Jugend?

TM: Ich hab diese “schlechte“ Musik erst später im Leben entdeckt. Und natürlich hat das was mit meinen irischen Wurzeln zu tun, ich wurde nach meinem irischen Urgroßvater Thomas Fitzgerald benannt und ich hab da also auf jeden Fall etwas davon verinnerlicht. Ich hab den Sound dann durch The Clash und The Pogues entdeckt und mich hat der Schwung und die Leidenschaft dieser Musik sofort begeistert und ich wollte das auch bei The Nightwatchman einbringen.

HD: Als ich Dein neues Album gehört habe, war ich gar nicht so sehr überrascht nun Folk Music von Dir zu hören, sondern vielmehr darüber, dass Du jetzt singst! Und wenn man sich das so anhört ist es ja fast schon eine Schande, dass Du so lange damit gewartet hast Dir neben der Gitarre auch das Mikro zu schnappen...

TM: Erst mal vielen Dank für die Blumen, das freut natürlich zu hören! Ich hab lange dafür gebraucht, bis ich soweit war, dass auch meine Stimme ein wirksames Organ war um meine Songs rüberzubringen. In all den Rock Bands, in denen ich aktiv war oder bin, habe ich nie wirklich gesungen. Vor etwa fünf Jahren habe ich dann angefangen diese The Nightwatchman-Songs zu schreiben. Ich hatte dann ein Dutzend Songs beisammen mit denen ich zufrieden war, hatte aber nicht so recht den Mut sie vor jemandem zu singen. Ich rief also meinen Freund und Produzenten Rick Rubin an er sagte, dass ich bei ihm vorbeischauen und ihm die Songs vorspielen soll. Was ich dann auch gemacht hab. Er sagte dann „Du singst gut, aber Du musst erst mal hundert Auftritte spielen!“. Und das tat ich dann auch, ich hab quasi wortwörtlich hundert Auftritte gespielt. Ob nun „Open-Mic-Nights“ in Cafes, bei Gewerkschaftsversammlungen oder Demonstrationen; wir haben mit Audioslave Stadiontouren gespielt und wann immer ich zwischendurch Zeit hatte, hab ich in den Lokalzeitungen nachgeschaut und in jeder Bar, jedem Cafe und jeder Kneipe gespielt, die mich haben wollten... sogar Anarcho-Fahrradläden waren dabei! Egal wie scmuddelig manche Clubs auch waren, ich bin einfach rein und habe gespielt! So hab ich dann nach und nach ähnlich viel Erfahrung im Singen bekommen wie im Gitarrespielen und konnte die Songs überzeugend rüberbringen.

HD: Wo Du gerade Rick Rubin erwähnst, hat er das Album denn auch produziert?

TM: Nein, das Album hat Brendan O’Brian produziert. Ich habe damals in Portland mit The Nightwatchman für Amnesty International eine Benefiz-Show mit Incubus gespielt. Und zu der Zeit waren Incubus gerade mit Brendan O’Brian im Studio um ihr neues Album aufzunehmen. Sie haben ihm dann wohl von meinem Auftritt vorgeschwärmt, worauf er mich anrief und sich erkundigte was es denn mit The Nightwatchman auf sich hat. Ich hab ihm dann ein paar Demos geschickt und er rief mich dann am darauffolgenden Tag an und sagte „Lass und das Album zusammen machen!“. Audioslave tourten nicht, und so tat sich plötzlich dieses Fenster auf, das eben nicht nur als Nebenprojekt zu machen, sondern das Hauptaugenmerk darauf zu richten.

HD: Nochmal kurz zu Rick Rubin. Da Material von The Nightwatchman wir ja oft in einem Atemzug mit Bob Dylan und Johnny Cash genannt und wo Du Rick Rubin schon so gut kennst – hast Du Johnny Cash je kennengelernt?

TM: Nein, hab ich nicht. Aber ich war mal bei Rick zu Besuch in seinem Hauses. Wir haben uns in seiner Bibliothek unterhalten und ich habe gehört wie im Keller das neue Johnny Cash-Album gemischt wurde, ich sagte also „Cool, Du mischt gerade das neue Cash-Album ab!?“ worauf er dann sagte „Ne, wir mischen noch nicht, das ist Johnny der da gerade einsingt!“ Ich war dann aber zu überwältigt und wollte ihn auch nicht stören, ich bin also nicht runter gegangen... Mittlerweile bereue ich das natürlich und wünschte, dass ich ihn getroffen hätte!

HD: Ende April hast Du ein paar The Nightwatchman-Shows in LA gespielt. Bei diesen Shows hattest Du u.a. Alanis Morissette sowie Leute von Cypress Hill, Alice In Chains, Extreme und Disturbed mit auf der Bühne – ein recht bunt gemischter Haufen, sind das alles Freunde von Dir?

TM: Ja! Im lauf der letzten 17 Jahre hab ich eine Menge Konzerte gespielt und dabei sehr viele Leute getroffen, von denen ein paar zu Freunden wurden. Da waren noch ein paar mehr dabei, als Du gerade erwähnt hast. Ich versuche bei solchen Shows einen Blick darauf zu ermöglichen, wie ich mir die Welt wünschen würde. Musiker aus den verschiedensten Ecken kommen zusammen, investieren ihre Zeit und spenden das ganze Geld an Obdachlosenorganisationen aus der Region. Wir hatten alle eine Menge Spaß und es war nicht nur für die Leute im Publikum ein besonderes Erlebnis, sondern auch für uns auf der Bühne.

HD: Tom, Du warst ja auch schon vor The Nightwatchman ein vielbeschäftigter und aktiver Mann, warum jetzt also ein fast schon klassisches Singer/Songwriteralbum?

TM: Nun ich spiele diese Songs jetzt ja schon an die fünf Jahre und sie sind Teil eines stetig weiter wachsenden musikalischen roten Fadens. Diese Art von Musik hat ja im frühen 20ten Jahrhundert mit Joe Hill ihren Anfang gefunden, wurde dann von Woody Guthrie und dem frühen Bob Dylan weitergetragen und ist mit Leuten wie Bruce Springsteen und Johnny Cash im Heute gelandet. Ich war natürlich schon immer ein Fan von lauter und harter Rock Musik, aber auf eine gewisse Art hat diese Folk Musik das Potential sogar noch heftiger und inspirierender zu sein. Ich wollte das einfach mal probieren und schon alleine die Tatsache, dass ich nicht mehr als eine akustische Gitarre brauche und einfach spontan bei einem Friedensmarsch oder einer Streikkundgebung auftreten kann... das ist so einfach! Und es ist ein wichtiger Weg meine Frustration über diese Zeit in der wir leben auszudrücken und mein Weltbild aufzuzeigen. Ich glaube eben einfach an Sachen wie Solidarität und dass man was bewegen kann, wenn man es gemeinsam anpackt.

HD: Wenn man jetzt mal nur Dein Gitarrenspiel betrachtet, dann könnte The Nightwatchman kaum weiter von Deiner bisherigen Arbeit mit Rage Against The Machine oder auch Audioslave entfernt sein. Mit der E-Gitarre benutzt Du einen Haufen Effekte um Deinen charakteristischen Stil zu erzeugen, bei The Nightwatchman ist da nur eine pure, akustische Gitarre. Hat Dich auch die instrumentale Sache gereizt?

TM: Klar, das war auf jeden Fall so beabsichtigt. Auf der E-Gitarre bin ich für vieles offen, ob das nun Rocker sind oder Leute die sich mehr auf Noise spezialisieren, sogar DJs und Tierlaute haben mich da beeinflusst. Beim Spiel auf der akustischen Gitarre versuche ich die Einflüsse stark einzugrenzen und mit nur wenig „Farbe“ zu arbeiten, so dass die Textaussage der Song wirklich die Hauptrolle spielen kann. Wenn das dann richtig verbunden wird entsteht eine Stimmung, die sehr mächtig sein kann.

HD: Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass Chris Cornell kein Mitglied von Audioslave mehr ist. Ist Audioslave somit am Ende?

TM: Chris Cornell sollte dieser Tage vielleicht mal mit den Audioslave-Mitgliedern sprechen! (lacht) Ich weiss da nämlich genau so viel darüber, wie Du. Wir haben uns vor über einem halben Jahr zerstritten und ich hätte mir gewünscht, dass die Wurzeln dieser Band stärker als so etwas sind. Ich bin schon enttäuscht, denn ich betrachte Chris nicht nur als Bandkollegen sondern als einen sehr guten Freund. Wir sind miteinander durch ein paar wirklich schwierige Zeiten gegangen und haben uns gegenseitig geholfen – sowohl auf persönlicher als auch auf Karriere-Ebene. Es ist also schon ne traurige Sache, dass das jetzt so gelaufen ist und er nicht mal mit uns reden wollte ehe er die Band verlassen hat. Gleichzeitig schätze ich ihn immer noch sehr und bin auch glücklich mit der Musik, die wir gemeinsam geschaffen haben und schaue gern auf unsere gemeinsame Zeit zurück. Sein Weggehen hat mir erst die Tür zu dieser aufregenden Sologeschichte eröffnet und auch das erneute Zusammenkommen von Rage Against The Machine ermöglicht.

HD: Thema Rage Against The Machine, Ihr spielt jetzt ein par Shows zusammen. Wars das dann, oder wird es weitere Shows oder gar ein neues Album geben?

TM: Im Moment haben wir noch keine einzige dieser Shows gespielt, es wäre also etwas voreilig da jetzt schon über ungelegte Eier zu sinnieren. Zunächst geht’s also mal um diese US-Shows.

HD: Du hast mal gesagt: “Ein guter Song sollte einen dazu zu bringen mit dem Fuss zu wippen und sich um sein Mädel zu kümmern. Ein super Song sollte Cops zerstören und die Vorstädte in Brand setzen. Ich für meinen Teil will nur super Songs schreiben!“. Würdest Du mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass einige Songs, wenn nicht sogar Alben von Audioslave nicht gerade Cop-Zerstörer waren?

TM: (lacht) Da stimme ich Dir auf jeden Fall zu! Die zwei Sachen, die mir am wichtigsten sind, sind: Musik zu spielen, die sich wahrhaftig und authentisch anfühlt und ohne Kompromisse politischen Aktivismus zu betreiben. Und bei Audioslave war eigentlich von Anfang an klar, dass dort nicht beide Ziele erfüllt werden würden. Deswegen habe ich – quasi als Ausgleich – die „The Axxis Of Justice“-Organisation gegründet. Ich war also etwas schizophren unterwegs und habe mich einerseits außerhalb der Band stark politisch engagiert, es aber auch genossen mit der Band Musik zu machen und mit den Jungs Spaß zu haben. Im Endeffekt hat es mir aber dann doch nicht gereicht und dann hab ich eben zusätzlich noch mit The Nightwatchman begonnen. Ich bin nun mal ein Musiker und ich muss meine Ansichten durch meine Berufung als Sänger und Gitarrist ausdrücken. Und als ich dann mehr und mehr Material zusammenhatte, wurde mir klar, dass diese Musik so kompromisslos und wichtig für mich ist, wie all die andere Musik, die ich vorher mit meinen Bands hervorgebracht habe und ich wusste, dass ich das quasi „hauptberuflich“ machen wollte. Jetzt bin ich also wieder dabei Cops zu zerstören und bin wieder zurück in den Vororten, wo ich hingehöre!

HD: Wirst Du die Songs auch auf deutsche Bühnen bringen?

TM: Ja, und zwar schon bald! Ich glaube es sind Shows im Mai gebucht!

HD: Kannst Du Dich denn noch an Deinen ersten Aufenthalt in Deutschland erinnern?

TM: Ja klar!

HD: Was waren Deine Eindrücke damals?

TM: Auf unserer allerersten Deutschlandtour waren wir Vorgruppe für Suicidal Tendencies und wir waren völlig überwältigt, weil das unsere allererste Tour überhaupt war! Es war jeden Abend sehr aufregend und ich kann mich erinnern, dass wir eine Menge Equipment geschrottet haben. Und es ist ja eh so, dass das eigentlich nur wirklich Sinn macht Zeugs auf der Bühne zu zerdeppern, wenn man sich das eigentlich gar nicht leisten kann!

HD: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war Euer Debut noch gar nicht auf dem Markt als Ihr vor Suicidal gespielt habt...

TM: Da kannst Du gut recht haben, entweder es war noch nicht draußen, oder es kam erst während der Tour in die Läden.

HD: Wenn man sich anschaut, was Du so alles auf die Beine stellst, ist es kaum vorstellbar, dass abseits von Musik und politischem Engagement noch Zeit für die „Privatperson“ Tom Morello bleibt. Hast Du Hobbies oder was machst Du um Dich zu entspannen?

TM: Dieser Tage ist jedenfalls tatsächlich kaum Zeit für anderes als The Nightwatchman. Und ich kann mich ganz ehrlich an keine geschäftigere und hektischere Zeit erinnern als das, was ich momentan so treibe, wo das The Nightwatchman-Album und die Rage Against The Machine-Reunion parallel passieren. Abseits von alldem gehe ich am liebsten mit meinen Hunden wandern. Ich hab zwei Hunde und gehe mit ihnen und meinem iPod auf lange Wanderungen in die Berge, was sehr entspannend ist und wieder klares Denken ermöglicht.

HD: Du bist ja Marxist. „Religion ist Opium fürs Volk“ ist eine seiner bekanntesten Aussagen. Nun benutzt Du in Deinen Songs aber immer wieder religiöse Motive (z.B. in „Garden Of Gethsemane“), bist Du ein religiöser Mensch?

TM: Ich bin katholisch erzogen worden und bin bis zu meinem 13. Lebensjahr jeden Sonntag in den Gottesdienst gegangen. Erst später wurde mir dann klar, dass Jesus, Mohammed und Marx alle etwas gemeinsam haben. Alle drei haben sich nämlich für die Armen und Unterdrückten eingesetzt und sich gegen die Reichen und Mächtigen aufgelehnt. Die lateinamerikanische Befreiungstheologie, für die ich mich als Teenager begeistert habe, hatte so einiges gemein mit meiner katholischen Jugend und da hat sich dann ein Kreis geschlossen. Ich habe als wir in Israel getourt sind auch etwa einen Monat im heiligen Land und in Jerusalem verbracht. Viele der Themen und Bilder, die man aus der Bibel kennt, kann man metaphorisch sehr gut auf die heutige Zeit anwenden.

Thomas Jentsch.

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Review: One Man Revolution, 2007 (tj)