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Die Norweger von Sahg haben mit ihrem vierten Album “Delusions Of Grandeur” ein rundum starkes Werk in Sachen Prog-Metal vorgelegt. Sänger und Gitarrist Olav Iversen hat uns ein paar Fragen zur Platte beantwortet.

Habt ihr euch beim Songwriting bestimmte Ziele gesetzt?

Unsere Ambitionen waren bei diesem Album höher als je zuvor. Wir haben gespürt, dass es an der Zeit ist, einen Schritt nach vorne zu machen und einige Veränderungen vorzunehmen. Wir wollten nicht in die Falle geraten, in unserer eigenen Komfortzone stecken zu bleiben und Songs nur noch auf Auto-Pilot zu schreiben. Unser Ziel war es daher, etwas Neues und anderes zu machen als bisher. Wir wollten eine neue Ausrichtung für unsere Musik finden, um Sahg so eine stärkere und einzigartigere Identität zu verleihen.

Wie habt ihr die Tracks dann geschrieben?

Wir haben sehr viel experimentiert und viele Ideen immer wieder verworfen. Es war ein Teil des Prozesses, verschiedenes auszuprobieren und herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Wir haben uns sehr geöffnet und nach neuen Einflüssen, Elementen und Blickwinkeln gesucht. Langsam aber sicher sich das Ganze dann immer mehr auf die Songs reduziert, die man nun auf „Delusions Of Grandeur“ findet.

Ist Songwriting für euch eine Disziplin, die eher vom Kopf oder vom Herzen ausgeht?

Ich denke 70% Herz und 30% Kopf. Musik muss sich vor allem gut anfühlen. Sie muss einen Eindruck hinterlassen und den Hörer emotional berühren. Angst, Freude, Trauer, Abscheu, was auch immer. Wenn sie das nicht tut, ist sie wertlos. Aber wenn man dann noch ein bisschen Intellekt hinzufügt, verleiht man der Musik ein gewisses Extra, das die Hörer bei der Wahrnehmung von Musik herausfordert. Man lädt die Leute dazu ein, sich eine Meinung über die Musik zu bilden und zu entscheiden, ob sie sie mögen oder nicht und warum. Im Gegensatz dazu steht „easy listening“: Kommerzieller Pop, Rock und nicht zuletzt auch ein Haufen Metal, die lediglich eingängige Refrains, lyrische Klischees usw. wiederkäuen. Versteh mich nicht falsch, vieles davon sind wichtige Zutaten für gute Musik. Was ich sagen will, ist, dass diese leichte Kost in Maßen vermischt mit etwas, das den Intellekt der Leute fordert, die wirklich hohe Kunst ist, aus der großartige Musik entsteht. Diese Kunst zu meistern ist genau das, was Komponisten auf der ganzen Welt erreichen wollen.

Wie würdest du euren Sound jemandem beschreiben, der euch noch nie gehört hat?

Wir haben mit Sahg angefangen, weil wir zurück zu den Wurzeln des Heavy-Metals und unserem eigenen musikalischen Hintergrund gehen wollten: Hard Rock und Heavy Metal der 1970er und frühen 80er. Insbesondere das doomigere Zeug. Das war schon immer die Basis unseres Sounds und ist es auch weiterhin. Auf unserem neuen Album haben wir, wie bereits erwähnt, aber viele Experimente gemacht. Diese Einflüsse sind noch immer sehr präsent, aber das neue Material ist sehr viel experimenteller, progressiver und insgesamt abgespacter als unsere alten Sachen. Es klingt mutiger und auch befreiter und ich glaube auch, dass wir uns heute wieder mehr darauf fokussieren, modern zu klingen.

Welche Reaktionen erhoffst du dir seitens eurer Hörer?

Ich hoffe, dass unsere Musik die Leute ein bisschen auf einen Trip schickt und sie in die verschiedenen Stimmungen versetzt, die wir mit unserer Musik erschaffen wollen. Wir wollen den Herzschlag der Hörer erhöhen. Und hoffentlich fühlen sie danach befreiter und haben geöffnete Augen. Sie sollen sich fühlen als hätte jemand etwas Sinn in sie geprügelt, im positiven Sinne. Wir nehmen Themen und Botschaften aus dem echten Leben auf und übersetzen sie in eine etwas abstraktere Sprache, um die Leute zum Denken anzuregen und ihnen neue Sichtweisen auf alltägliche Dinge zu geben, die wir normalerweise schon gar nicht mehr wahrnehmen. Die Musik spielt natürlich die tragende Rolle dabei, die Botschaft rüberzubringen und Atmosphäre zu erschaffen.

Was inspiriert dich beim Schreiben?

Glücklicherweise sehr viele Dinge. Für dieses Album im Speziellen wurden wir viel von Musik inspiriert, die mit der Konformität in der Rock-Musik bricht und sich traut, die Standard-Songstrukturen in Frage zu stellen. Dazu zählt jede Menge Prog-Zeug, altes und neues. Das Konzept und die Texte wurden von Kubricks Film „2001: A Space Odyssey“ und vielen alten Sci-Fi Büchern und Filmen inspiriert, aber auch von dem Horror der Realität. Größenwahn (Delusions of Grandeur) findet man überall um uns herum. Es gibt kein Entkommen.

Was sind eure wichtigsten Einflüsse?

Edvard Grieg. Er hat das erste norwegische Metal-Riff in „In the Hall Of The Mountain King“ geschrieben. Das war im 19. Jahrhundert.  Sogar der Titel ist reiner Metal. Derzeit werde ich von vielen Prog-Rock-Sachen beeinflusst. King Crimson, Pink Floyd, Opeth. Einflüsse kommen und gehen aber glücklicherweise. Das macht es einfacher, umzudenken und mein Songwriting zu variieren. Die Einflüsse, mit denen man aufgewachsen ist, wird man aber nie wieder los. In meinem Fall sind das Ozzy, Sabbath und Maiden.

Das neue Album heißt “Delusions Of Grandeur”. Wovon handelt es?

Alle Texte sind konzeptuell durch eine Geschichte verbunden. Es geht um eine Person, die immer mehr von Gier nach Besitz und Macht besessen wird. Sie verliert den Bezug zur Realität und isoliert sich in ihrer eigenen imaginären Welt, in der sie ohne Widerstand regieren kann. Darin erobert sie die Welt und als diese das Ende des Universums erreicht, ist ihre Gier stärker denn je. Sie fällt über den Rand und schwebt davon, schwerelos und ohne die Kraft, je wieder die Bodenhaftung zu erlangen. Die Person merkt, dass sich alles nur in ihrem Kopf abgespielt hat, aber es ist zu spät. Sie ist schon verloren und driftet in eine leere Dunkelheit. In der ganzen Geschichte geht es darum, wie Größenwahn dich überwältigen kann wenn du es zu weit treibst. Das wird zwar auf eine abstrakte Art erzählt, ist dadurch aber nicht weniger bedeutend. In der Geschichte haben wir immer wieder gesehen, wie Größenwahn verrückte Diktatoren hervorgebracht hat und Krieg und Elend über die Menschen brachte. Jeden Tag erleben wir Menschen um uns herum, die mehr wollen als ihnen zusteht. Das Album handelt von einem allgegenwärtigen Problem, das mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Warum habt ihr bei dieser Platte mit der Tradition gebrochen, eure Alben zu nummerieren und stattdessen einen echten Titel vergeben?

Dieses Album stellt einen Meilenstein für Sahg dar und fühlt sich wie der Start in eine neue Ära der Band an. Wie schon gesagt, wir haben vieles an unserem Sound und unserem Songwriting verändert. Wir wollten, dass sich die Veränderung in möglichst vielen Aspekten wiederspiegelt. So auch im Albumtitel. Die Tatsache, dass die Platte ein Konzept hat, machte es natürlich einfacher, auch einen aussagekräftigen Titel zu vergeben.

Wie sehen eure Tourpläne aus?

Wir sind für ein paar Festivals bestätigt. Blastfest in Norwegen, Summer Breeze in Deutschland und noch ein paar andere. Wir arbeiten auch an einem Tourplan für Anfang des nächsten Jahres. Hoffentlich können wir bald mehr Dates veröffentlichen.

Welche neueren Bands hörst du dir derzeit an?

Kvelertak, Red Fang, Doomriders, Graveyard, Shining und das neue Album von Monster Magnet. Es gibt zurzeit eine Menge guter neuer Sachen. Ich versuche das mitzunehmen.

Vor ein paar Jahren war Norwegen hauptsächlich für Black-Metal bekannt. In letzter Zeit tauchen aber immer mehr interessante Bands auch aus anderen Genres auf. Bands wie Wolves Like Us, Audrey Horne, Kvelertak oder ihr selbst. Wie erklärst du dir die hohe Dichte großartiger Bands gemessen an der geringen Bevölkerungszahl?

Musik war traditionell schon immer sehr wichtig in Norwegen. Es gibt einfach einen konstanten Fluss neuer Bands. Ich glaube die Tatsache, dass wir eine kleine Bevölkerung haben, bringt die Leute enger zusammen. Das macht es einfacher, zu inspirieren und inspiriert zu werden. Die Musik-Gemeinschaft ist hier sehr stark und das fördert neue Talente und setzt die Messlatte immer höher. Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass norwegische Künstler ihre Augen und Ohren für Einflüsse aus dem Ausland offen halten. Insgesamt summiert sich das alles zu einem großen, kreativen Input.

Letzte Worte?

Wir sind sehr stolz auf unser neues Album “Delusions Of Grandeur” und wir hoffen, dass ihr es euch anhört. 2014 werden wir so viel wie möglich auf Tour sein und hoffen, für viele Leute spielen zu können.

Rolf Gehring

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Review: Delusions Of Grandeur, 2013 (rg)