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Mit ihrem selbstbetitelten Album gehen Darkest Hour neue musikalische Wege. Die Scheibe ist sicherlich eine der interessantesten der letzten Zeit. Ich habe mit Gitarrist Mike Schleimbaum telefoniert, um herauszufinden, wie es zu der Veränderung kam.

Darkest Hour war schon immer eine Band, die sich ständig weiterentwickelt und neu erfunden hat. Die Veränderungen auf dem neuen Album sind aber selbst für eure Verhältnisse recht radikal ausgefallen.

Die Deluxe-Version enthält insgesamt 15 Songs. Keines unserer Alben hatte jemals so viele Songs. Ein kurzes und schnelles Album wäre wohl tatsächlich mehr das gewesen, was die Leute erwartet hätten. Ich glaube, die Songs sind sehr viel abwechslungsreicher als bisher. Viele der Elemente in den Songs haben wir auch früher schon benutzt. Einige benutzen wir jetzt verstärkt und wieder andere sind ganz neu dazu gekommen.

Auf jeden Fall bedient ihr euch sehr viel mehr Melodien und melodischen Gesangs.

Das stimmt. Harte Musik und die Art, wie sie von den Leuten aufgenommen wird, hat sich sehr verändert. Als wir vor fast 20 Jahren mit der Band angefangen haben, galt es als ziemlich extrem, sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Heutzutage ist das allein recht durchschnittlich, weil es schon so viele Bands gab, die das gemacht haben. Wir haben mit John jemanden in der Band, der auch tatsächlich gut singen kann. Wir haben ihn also von der Leine gelassen und ihm die Möglichkeit gegeben, sich zu entfalten. In der Vergangenheit war er von unserer Sicht der Band etwas limitiert. Wir sind mit dem Ergebnis nun sehr zufrieden. Interessanterweise spielen wir live die neuen und die alten Songs gemischt und sie passen auf eine seltsame Art perfekt zueinander.

Als ich das neue Album zum ersten Mal gehört habe, musste ich währenddessen mehrmals checken, ob es auch wirklich Darkest Hour ist, was ich höre.

Haha. Ja, das hab ich schon öfter gehört. Besonders während des ersten Songs müssen Leute, welche die Band schon kennen, erst einmal diesen Strudel der Emotionen durchmachen und verstehen lernen, dass wir nun so klingen. Ist das Darkest Hour? Klingen die wirklich so? Ich dachte immer, das sei eine reine Thrash-Band. Und warum klingen sie plötzlich so amerikanisch, sie hatten doch immer diesen starken schwedischen Einfluss? Dann auch noch dieser Gesang! Man muss in vielerlei Weise umdenken. Insbesondere wenn man uns schon länger kennt, begibt man sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt und man sollte der Platte schon ein paar Durchläufe gönnen. Das war im Grunde aber auch genau das, was wir erreichen wollten. Wir haben uns weit genug entwickelt, um diese Reaktionen hervorzurufen.

Das hat sehr gut beschrieben was ich durchgemacht habe.

Manche Fans der alten Sachen mögen nur einen Teil der neuen Songs. Manche mögen das alte und das neue Zeug. Ich glaube aber, dass über die Zeit die Grenze immer mehr verschwimmt. Manchmal dauert es auch etwas länger bis es zündet. Wenn man den Songs nach dem ersten Schock eine faire Chance gibt, haben alle das Potential zu zünden.

Stimmt, bei einem Song wie “Futurist” beispielsweise war ich anfangs total vor den Kopf gestoßen, heute liebe ich ihn.

Ja, einige der Songs können Verwirrung auslösen. Da wäre zum Beispiel “Rapture In Exile”: Ein total abgefuckter, seltsamer Brecher, von dem man nicht weiß ob es nun Thrash oder sonstwas ist. Dafür liebe ich ihn. Auf der anderen Seite haben wir “By The Starlight”, eine Ballade mit weiblichem Gesang. Das Album nimmt den Hörer an sehr unterschiedliche Orte mit. Es ist sehr cool, ein Album zu haben, das genau das kann. Glaub mir, hätten wir noch ein weiteres reines Thrash-Album veröffentlicht, hätten uns die Leute verrissen. Das wäre schlimmer gewesen.

Es war also eine sehr bewusste Entscheidung, das Album so zu gestalten.

Ja. Wir wollten ein Album machen, das unseren Horizont erweitert und die Grenzen durchbricht. Ein Album, das dich alles in Frage stellen lässt, was du glaubst über uns zu wissen. Die Leute sollen sich wirklich mit der Platte beschäftigen müssen. Das war für uns auch nicht immer einfach. Die alten Platten wollten wir immer zum möglichst besten Darkest Hour-Album machen. Dieses Mal wollten wir nicht das beste Darkest Hour-Album machen sondern das beste universelle Heavy-Metal-Album. Es ist zwar cool, der Underground-King zu sein, seine eigene kleine Nische zu haben, wie wir es in der Vergangenheit hatten, aber anstatt uns auf den Lorbeeren auszuruhen wollten wir die Band weiter nach vorne bringen. Es geht nicht darum, wo man war, es kommt drauf an, wo man hingeht. Dafür steht auch übrigens der Song “Futurist”. In dem Song geht es genau darum. Es behandelt diesen antinostalgischen Blick auf das Leben. Anstatt zurück zu schauen sollte man nach vorne blicken. Der Titel kommt von einer italienischen Gruppe von Malern, die ihre Bilder nach deren Fertigstellung verbrennen anstatt sie zu genießen. Darin liegt etwas sehr schönes. Künstler, die sich nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen, sind frei um etwas innovatives zu erschaffen.

Wie seid ihr das Songwiritng angegangen? Ihr habt euch ja etwas mehr Zeit gelassen und einen Song wie “Futurist” haut man sicher nicht einfach so heraus.

Das stimmt. Wir haben viele Demos gemacht und wir haben im frühen Stadium viel mit Computern und dem Internet gearbeitet, um uns die Sachen hin- und herzuschicken. Wir haben uns dann zusammengesetzt und das Material, das alle interessant fanden, genauer angehört. Bei den Proben haben wir dann vieles aufgenommen und wieder angehört. Immer wieder haben wir Teile verändert. Es war ein sehr konstanter Prozess, bei dem die Songs immer im Wandel waren. In ein paar Jahren, wenn sich die Leute an dem Album satt gehört haben, werden wir vielleicht mal die anderen Versionen der Songs veröffentlichen. Manche Songs waren am Anfang wirklich komplett anders. Wir haben so noch Material für gut drei bis vier Alben.

Das wäre sicher interessant zu hören. War das Album somit schwieriger zu schreiben als die früheren?

Jedes Album ist schwierig. Mit jedem Album liegt aber auch mehr Druck auf dir weil immer mehr Menschen die Band kennen und mögen. Da will man natürlich nicht für Enttäuschungen sorgen. Somit wird es sogar immer schwieriger. Bei diesem Album haben wir auf jeden Fall mehr Zeit gebraucht. Aber im Endeffekt hat man letztendlich etwas erschaffen und das ist es dann auch Wert gewesen.

Ihr habt neue Leute in der Band. Hat diese Tatsache das Album beeinflusst?

Ja, auf jeden Fall. Immer wenn jemand neu in der Band ist, verändert sich etwas. Wir haben mit Travis einen wirklich großartigen neuen Drummer, der technisch sehr versiert ist. Er hat die Band vor allem rhythmisch weitergebracht. Unser neuer Bassist Aaron ist in der Band eine Art Vaterfigur und hat etwas Balance in die ganze Verrücktheit von uns gebracht. Er ist immer derjenige, der einen kühlen Kopf behält. Es war gut, neue Leute in die Band zu holen, die nicht zu sehr von der Vorstellung geprägt waren, wie die Band zu sein hat. Die beiden waren Fans von Darkest Hour bevor sie zu uns gekommen sind. Jetzt hatten sie plötzlich die Verantwortung dafür, wohin sich die Band entwickeln sollte. In der Vergangenheit hat jedes der Mitglieder seinen Stempel hinterlassen. Jetzt sind sie an der Reihe.    

Ihr gebt also auch neuen Leuten Verantwortung.

Ja, wir sind schließlich eine Band. Bei uns gibt es nicht den einen Songwriter, der alles am Computer schreibt. Wir haben echte Diskussionen im Proberaum. So entstehen die wirklich guten Songs. Es ist uns wichtig, dass auch die neuen Mitglieder an diesem Prozess teilhaben.

Das ist sicher nicht immer einfach, schließlich spielst du schon seit gut 20 Jahren in der Band. wie motiviert ihr die Neuen, sich aktiv zu beteiligen?

Das ist genau das Problem. Man muss einfach die richtigen Leute finden. Sie müssen wissen, wenn sie es zu weit treiben. Schließlich hat mein Wort tatsächlich manchmal etwas mehr Gewicht. Andererseits ist es aber auch wichtig, dass sie mutig genug sind, um mir zu sagen, dass etwas scheiße ist was ich spiele. Die Basis dafür ist Freundschaft, denke ich. Es muss jemand sein. dem man vertraut, der ehrlich zu dir ist und der dasselbe Ziel verfolgt. Wenn man jemanden erst ermutigen muss, hat man wohl den Falschen in der Band. Die Leute müssen hungrig sein.

Du meintest, dass John sein Potential bisher nicht ausschöpfen konnte. Mit war gar nicht klar, dass er überhaupt so singen kann.

John stand immer voll hinter dem was wir gemacht haben. Es war eher so, dass er eine Vorstellung davon hatte, wohin er sich als Sänger entwickeln wollte. Er ist ein sehr vielseitiger Sänger und es war einfach an der Zeit, dass er seine Palette erweitert. Dazu brauchte er aber eine andere Grundlage. Wenn wir ihm nur schnelle, brutale Kracher liefern, kann er dazu nur schreien. Diesmal hat er Songs mit vielen Facetten bekommen, was es ihm erlaubt hat, sich mehr einzubringen.

Es gibt abseits des melodischen Gesangs aber auch andere Neuerungen auf dem Album: Es gibt zum Beispiel eine wirklich abgefahrene Gitarrenarbeit zu hören. Bist du auf einen besonderen Part oder ein Riff, eine Melodie besonders stolz?

Ich mag eigentlich alle Songs. Alle Songs haben ihren Platz auf dem Album. Einige tragen wir schon sehr lange mit uns herum. Ein besonderer Track aber ist “Hypatia Rising”. Es ist der längste und eigentlich auch der letzte Song auf dem Album. Ich habe an diesen Song sehr lange geglaubt und ihn immer wieder gepusht. Es hat eine Weile gedauert bis wir uns wirklich aufgerafft haben, ihn zu dem zu machen was er ist. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich weise die Leute immer wieder darauf hin, weil der Song nicht unbedingt der prominenteste ist. Er ist nicht “Futurist”, “The Misery We Make” oder “Wasteland”, die eher in der ersten Hälfte platziert sind, um neue Hörer anzusprechen. Der Song steht eher für das, wo ich mich als Künstler gerade sehe. Für mich ist es der letzte Song des Albums, obwohl er technisch gesehen der vorletzte ist. Der echte letzte Song ist für mich eher sowas wie der Abspann. Ich finde es immer wichtig, dass man ein Album in der Reihenfolge anhört, die sich die Band ausgedacht hat.

Absolut. Ich verstehe nicht, wie manche Leute sich nur einzelne Song anhören können.

Ja, das kapier ich auch nicht. Diese Leute sind in der Regel auch keine echten Musikliebhaber. Viele Leute wissen auch nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt, die korrekte Reihenfolge herauszufinden. So wird aus dem Album ein großer Song, in dem die einzelnen Tracks nur die Teile davon sind. Wenn man sich beispielsweise nur “Futurist” anhört, dann ist das als höre man sich nur den ersten Refrain an und “Wasteland” ist nur das Intro. Wenn man verstehen will wo wir als Band heute stehen muss man sich schon das ganze Album anhören. Ich empfehle das dann auch in der vorgesehenen Reihenfolge zu tun.

Ihr habt mit Taylor Larson einen neuen Produzenten an Bord geholt. Wie war die Arbeit mit ihm?

Ich bezeichne ihn immer als Kind. Er ist deutlich jünger als wir alle und seine musikalische Sozialisierung hat stattgefunden als es das Internet schon gab. Es war sehr hilfreich, mit jemandem zu arbeiten, der einen so anderen Blick auf Musik und die Band hat. Wir wollten schließlich neue und frische Elemente in unserem Sound haben. Das funktioniert nur, wenn du jemanden hast, der die Energie hat, mit einer frischen Idee auf einen Haufen verbohrter, angepisster Heavy-Metal-Typen zuzugehen und freudig ein neues Riff vorzuführen. Er hat einen sehr frischen Wind in die Angelegenheit gebracht.

Ich finde es interessant, dass ihr scheinbar immer nach neuen Produzenten sucht. Schaut man in eure Diskographie, tauchen da prominente Namen wie Brain Mc Ternan, Fredrik Nordström oder Devin Townsend auf. Ihr scheint bewusst das Potenzial dieser Leute anzuzapfen.

Ja, das stimmt. Wir haben in der Vergangenheit mit wirklich guten Produzenten gearbeitet und ich fühle mich wirklich geehrt, mit diesen Leuten gearbeitet haben zu dürfen. Das sind alles großartige Leute, die ihren Fußabdruck in der Band hinterlassen haben. Wenn wir einen Produzenten suchen, dann suchen wir gleichzeitig nach einem gewissen Sound und nach jemandem, der uns helfen kann die Klinge zu schärfen. Hinter jedem unserer Alben steht eine bewusste Vorstellung davon, wie es klingen sollte. Wir überlegen uns das vor jeder Platte sehr genau.

Viele Bands gehen mit den Jahren dazu über, entweder selbst zu produzieren oder eben ihren gewohnten Hausproduzenten zu haben, den sie sehr gut kennen.

Yeah, fuck that. Ich möchte es gar nicht zu bequem haben. So rostet man ein.

Wovon handeln die Texte der Platte?

Das Album hat eine Story, die sich über alle Songs erstreckt. Auch ein Grund übrigens, sich an die Reihenfolge zu halten. Die erste Zeile “For every Dead God who worships the living and every lost Soul starving submission” ist ein Ruf zu den Waffen für all die Leute, die sich ausgestoßen oder einsam fühlen. Das zieht sich durch das ganze Album. Es geht um dieses Gefühl allein zu sein, noch nicht angekommen zu sein und ständig auf der Suche nach etwas zu sein. Das Album handelt davon, sich nicht in seiner Vergangenheit zu verstecken sondern nach vorne zu gehen und das Leben voll auszuschöpfen. Es gibt auch Songs zum Thema “Schluss machen” mit den unterschiedlichsten Dingen. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen. Die Leute werden ihre eigenen Interpretationen haben und außerdem hat John die Texte geschrieben, ich will ihm nichts in den Mund legen.

Ihr habt mit Sumerian Records ein neues Label gefunden. Warum habt ihr Century Media nach nur einem Album verlassen?

Wir haben nach einem Label gesucht, das den Mut hatte uns ein solches Album aufnehmen zu lassen. Viele Labels wollten uns wegen dem was wir bereits sind. Sie wollten ein weiteres Darkest Hour-Album, um den Leuten zu geben was sie wollen. Wir hingegen wollten ein Risiko eingehen. Das witzige ist nun, dass der Typ, der diese Idee am meisten unterstützt hat, ein alter Fan ist. Ash von Sumerian Records kam schon als Kid zu unseren Shows. Als es darum ging, irgendwo zu unterschreiben, war er ganz vorne mit dabei und wollte uns haben. Wir haben nach Enthusiasmus ohne Zynismus gesucht. Das hat er uns gegeben.

Ihr seid also mit deren Arbeit glücklich?

In der Musikindustrie glücklich zu sein ist so eine Sache, aber sie unterstützen uns sehr gut und tun ihr Bestes, um das Album nach vorne zu bringen.

Das klingt jetzt aber etwas verbittert.

Naja, es gibt die Mythen und es gibt die Wahrheit in dieser Industrie. Wenn man so lange wie wir dabei ist, kennt man die Wahrheit. Man realisiert, dass es nicht auf dein Label, dein Management oder deinen Booker ankommt. Was zählt ist die Interaktion mit den Fans. In einer Band spielt man immer in der Defensive. AC/DC haben darüber schon vor langer Zeit gesungen. “Its a long way to the top if you wanna rock and roll.” Das ist es im Grunde.

Hat sich das über die Jahre verändert?

Was sich am meisten verändert hat ist, ist, dass heute jeder die Show mit seinem Smartphone filmen will. Man kommt auf die Bühne und sieht statt den Metal-Hörnern nur ein Meer aus iPhones und Samsung-Galaxy-Telefonen. Das ist witzig. Ich hab im Grunde nichts dagegen, ich selbst mache auch Fotos und filme Sachen. Aber es ist schon etwas anderes wenn man vor Leuten spielt, die dir auch wirklich zuhören statt alles zu filmen.

Ihr habt euch in den letzten Jahren von der reinen Punk- und Hardcore-Szene gelöst und euch eher in der Metal-Szene eingelebt…

Ganz so ist es auch nicht. Ich sehe mich selbst immer noch als Punk- und Hardcore-Kid.

… ich meinte eher bezogen auf die Shows, die ihr spielt.

Wie schon gesagt, kann man nicht immer dasselbe machen. Auch andere Bands aus der Szene haben sich verändert, wie beispielsweise Converge. Sie bekommen heute Reviews auf Pitchfork und sind bei Epitaph unter Vertrag. Man könnte sagen, sie haben sich aus der Szene herausentwickelt, aber ich denke, auch sie haben immer noch ihren Platz in der Szene. Andere Bands wie Mastodon oder Dillinger Escape Plan sind ebenfalls solche Beispiele. Ich bin sehr froh darüber, dass wir in dieser Szene aufgewachsen sind. Andere Bands, die wir treffen und die nicht auf diese Weise groß geworden sind und durch diese harte Schule gegangen sind, beneiden uns darum. Es ist schwer, in diese Szene Fuß zu fassen wenn man nicht dazugehört. Ich liebe die amerikanische Metal/Hardcore-Bewegung der 90er und bin froh, Teil davon zu sein.

Ihr seid nun schon so lange im Business und spielt euch den Arsch ab, dennoch dürfte sich euer kommerzieller Erfolg eher in Grenzen halten. War es euch mit dem neuen Album auch wichtig, ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen?

Wir hätten uns das Leben sicher einfach machen und weiter unser bisheriges Ding durchziehen können. Weiterhin dieselben Shows spielen und dieselben Alben veröffentlichen. Das wollten wir aber tatsächlich bewusst nicht. Man schreibt keine Songs wie “Futurist”, “The Misery We Make” oder “By The Starlight” wenn man sich nicht einer breiteren Hörerschicht öffnen will. Wir wollen von Darkest Hour leben. Im Moment hat jeder von uns aber Nebenjobs. Wir brauchen ein gewisses Einkommen, um auf Tour gehen zu können und mit den Leuten auf der ganzen Welt zu feiern. In dieser Hinsicht also ein klares “Ja”. Wir wollen kommerziell erfolgreich sein. Je erfolgreicher das Album wird, desto mehr Türen können wir öffnen und desto mehr Leute können wir erreichen.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man all die Jahre seine ganze Energie in die Band steckt und dann eine andere Band aus dem Nichts kommt und nichts anderes tut als Metallica zu covern und zum Superstars wird?

Du sprichst wahrscheinlich von Avenged Sevenfold. So darf man nicht denken. Man sollte seine Musikkarriere wie ein Rennpferd sehen, wenn es darum geht sich mit anderen Bands zu vergleichen. Dann sollte man wie die Pferde auf der Rennstrecke Scheuklappen tragen und nicht zu viel rechts und links schauen. Dadurch werden die Pferde nämlich abgelenkt. Stattdessen sollen sie einfach nur so schnell sie können geradeaus rennen. So muss man es auch in einer Band machen. Wenn man sich immer mit anderen vergleicht, wird man zu schnell abgelenkt. Man verliert die Grundidee aus den Augen. Die besteht darin, dich selbst auszudrücken. Das kann man auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Halte dein eigenes Ziel im Fokus. Es wird immer eine Band geben, die größer als Avenged Sevenfold ist. Es wird sicher auch mal eine Band geben, die größer als Metallica ist. Irgendein Popstar ist größer als alle zusammen. Wenn man sich auf diesen Weg begibt, kann man nicht gewinnen. Es wird immer einen besseren Gitarristen geben oder einen Typen, der cooler aussieht. Egal was man macht, die Welt ist einfach zu groß. Das Beste ist sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, wir sehen uns auf eurer Tour mit Machine Head in Europa.

Ja, das wäre toll. Bitte checkt unser neues Album ab und besucht unsere Shows. Wir werden versuchen, so viel wie möglich auch in Europa zu spielen.

Rolf Gehring

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