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Das Debüt „Transmetropolian“ von War From A Harlots Mouth aus Berlin schlug ein wie eine Bombe. Durch unermüdliches Touren untermauerte die Band ihren guten Ruf. Jetzt ist das zweite Album „In Shoals“ erschienen, auf dem sich die Truppe deutlich gereifter zeigt. Gitarrist Simon beantwortete mir einige Fragen per Email.

Was möchtest du vorab zum neuen Album loswerden?

Das ist eine ungewöhnliche Frage... am ehesten würde ich sie damit beantworten, dass wir alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis sind und uns freuen, die Songs in unser Live-Set zu integrieren.

In meinen Ohren klingt das neue Album aufgeräumter und fokussierter als das alte. Siehst du das auch so? Warum?

Es ist auf jeden Fall fokussierter und auch durchdachter. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass wir mittlerweile als Band einfach richtig zusammenwachsen konnten. Als wir die "Transmetropolitan" geschrieben haben, waren wir grad erst ganz frisch zusammen und nach einem halben Jahr haben wir sie schon aufgenommen. Von daher blieb nicht wirklich viel Zeit eine richtige Einheit zu werden, vor allem im musikalischen Sinne, was sich in der Zwischenzeit aber natürlich geändert hat.

Wie ist die Platte entstanden? Was war anders als bei „Transmetropolitan“?

Nun ja... wir waren uns mittlerweile einfach unserer Einflüsse bewusster und wollten diese in die neue Platte mit einbringen. Von daher konnten wir das Songwriting zu "In Shoals" anders angehen. Es war nicht so spontan wie zu Zeiten unseres Debüts, wo wir einfach drauflos geschrieben haben. Wir haben uns viel mehr Gedanken darüber gemacht, wie man trotz des ganzen Chaos ein bisschen mehr Homogenität in das Album bringt und haben auch versucht, richtige Songs zu schreiben und nicht nur Parts zusammen zu puzzeln.
Ansonsten läuft es meistens so, dass sich jeder so zu Hause seine Gedanken macht und Riffs schreibt und diese werden dann im Proberaum verwertet, wenn es passt. Ich glaube einen ganzen Song hat von uns keiner im Alleingang geschrieben, das passiert alles in Zusammenarbeit.

Hattet ihr im Vorfeld ein Bild von dem Album?

Wir wollten, dass es auf jeden Fall etwas düsterer ist und diesen Spirit offensichtlich transportiert. Wir wussten auch, wo es mit den Lyrics hingehen sollte und diese ganzen Vorstellungen, die ja deutlich konkreter waren als beim Debüt, haben uns im Endeffekt einen gewissen Leitfaden gegeben als wir die Songs geschrieben haben.

Wovon habt ihr euch im Entstehungsprozess beeinflussen lassen?

Durch nichts Bestimmtes, würde ich sagen. Jeder hat so seine Einflüsse bei uns und die sind auch ziemlich vielfältig, wir haben aber das Glück, dass wir uns beim Musik schreiben absolut einig sind was wir wollen.

Wofür steht der Titel „In Shoals“?

Er steht für einen Schwarm von Unbekannten. In erster Linie von Leuten in Machtpositionen, die quasi die Fäden ziehen und von denen wir nicht mal wissen, wer sie sind. Außerdem dreht es sich auf dem Album ja auch viel ums Thema Überwachungsstaat und so betitelt das ebenfalls die große Menge an Leuten, die am anderen Ende der Überwachungsgeräte sitzen und 'uns' beobachten. Wir wissen nie, was sie alles über uns wissen, aber wir wissen ganz bestimmt nichts über sie. Natürlich ist das ziemlich konspirativ, aber ganz ohne geht es nicht. ;)

Auffällig ist der Song „Scully“, der wohl das Gegenstück zum „Mulder“ darstellt. Gibt es eine thematische Verbindung der Songs?

Jein. Der Song "Mulder" war etwas persönlicherer Natur und hatte nur einen indirekten Bezug zu diesem Charakter, während bei "Scully" der Bezug zu beiden Charakteren viel deutlicher ist. Allerdings passte das auch besser ins Konzept der Platte, hat sich also einfach so angeboten. Generell kann man auf jeder unserer Platten einen Song nach einem Akte X-Charakter erwarten und es wird sicherlich immer einen Bezug zu diesem geben, aber der Kontext wird immer ein anderer sein.

Wovon handeln die Texte auf dem neuen Album?

Wie oben schon angesprochen geht es viel um das Thema Überwachung, außerdem haben wir uns in den letzten Monaten viele Independent-Dokus über Themen wie Wirtschaft, Politik, Religion, den Krieg gegen den Terror sowie 9/11 und so weiter angesehen. Da ergeben sich ganz andere Blickwinkel, Fragen und natürlich auch Antworten, wobei man natürlich nicht alles glauben sollte. Dennoch gibt es da viele Ansätze, die weit weg von der Berichterstattung der Massenmedien sind und teilweise sind diese Sachen so wahrscheinlich und möglich, dass einem ganz anders wird. Jedenfalls war das ziemlich inspirierend für uns und deswegen haben wir darüber geschrieben.

Die Produktion der neuen Platte unterscheidet sich stark von der des Vorgängers. Wolltet ihr bewusst anders klingen?

Wir wollten einfach keine aalglatte Produktion, sondern etwas sehr lebendiges und dynamisches, das in erster Linie dem Livesound etwas näher kommt. Es wäre einfach langweilig geworden, wieder alles zuzutriggern und damit genauso zu klingen, wie alle anderen Bands momentan. Teilweise ist es auch so, dass manche Bands auf Platte total bombastisch klingen und das live überhaupt nicht reproduzieren können, und das wollten wir einfach nicht. Man sollte einfach wissen, woran man ist.

Euer alter Sänger hat euch verlassen. Warum?

Er musste sich um sein Studium kümmern und hatte deswegen nicht mehr die Zeit für die Band.

War es schwierig Ersatz zu finden?

Witzigerweise nicht. Ich hatte Nico schon vor einigen Jahren kennen gelernt, der Kontakt war allerdings wieder etwas eingerissen. Jedenfalls haben wir ihn kurz vor Steffens Ausstieg mal auf ´ner Show getroffen und so sind wir wieder ins Gespräch gekommen und der Kontakt war damit auch wieder aufrecht. Als Steffen dann also ausgestiegen ist, hab ich direkt Nico angeschrieben und er war sofort dabei.

Welchen Anspruch stellt ihr an euch selbst als Band? Gibt es so was wie ein Bandmotto?

Ich würde sagen, dass es keine Grenzen für unsere Musik gibt. Wir lassen uns nicht vom Geschmack der Leute diktieren, was wir machen, wir wollen uns einfach nur musikalisch ausleben. Diese Band ist mit diesem Anspruch als Nebenprojekt ins Leben gerufen worden und davon abgesehen, dass es kein Nebenprojekt mehr ist, haben wir diesen Anspruch nicht verloren. Es geht einfach nur um die Verwirklichung unserer musikalischen Vorlieben und wir hatten einfach nur das Glück, dass das Leuten gefallen hat.

Ihr seid eine Band die von Anfang an extrem viel Live spielt. Wie empfindet ihr das Leben auf Tour?

Es ist zwar sehr anstrengend, hat aber immer was von Klassenfahrt, haha! Es ist auf jeden Fall cool, wie viele verschiedene Orte man auf der Welt zu sehen bekommt und wie viele Leute und Bands man kennenlernt. Dadurch findet man auch immer mal wieder Freunde. Also... wenn es uns keinen Spaß machen würde, würden wir es wohl nicht machen. ;)

Was waren eure bisherigen Tour Highlights?

Die grade beendete Thrash and Burn Tour war so ein Highlight. Alle Bands und Leute auf der Tour waren sehr cool und locker, wir hatten eine Menge Spaß und haben zusammen auch viel gemacht, wie Go-Kart fahren oder am Strand abhängen. Unsere Tour mit Burning Skies im Frühjahr 2008 war ein weiteres Highlight, da wir sehr schnell dicke Freunde geworden sind. Und unsere US Tour letztes Jahr natürlich auch, weil es mal eine ganz andere Erfahrung war.

Ihr seid derzeit auf der Thrash & Burn Tour. Wie läufts bzw. wie wars?

Wir sind nun seit ein paar Tagen zu Hause und wie gesagt waren die Leute auf der Tour alle extrem cool. Und auch die Shows haben viel Spaß gemacht und es gab ein paar Highlights zu verbuchen, die wir so auf anderen Touren noch nicht hatten. Von daher sind wir auf jeden Fall zufrieden mit der Tour und sind froh, dabei gewesen zu sein.

Letzte Worte?

Ja... vielen Dank für das Interview und checkt unsere neue Platte aus! Mein Appell an die Leute ist, sich wieder ein bisschen mehr Zeit für Musik zu nehmen, auch wenn’s schwer fällt, wenn man 10 Platten am Tag downloaded. Ganz davon abgesehen, dass die Industrie darunter leidet, leidet denke ich in allererster Linie die Musik selbst darunter, weil sie einfach nicht mehr genügend Aufmerksamkeit bekommt bei dem leicht zu beschaffenden Überangebot. Also wie gesagt, nehmt euch ein bisschen Zeit... Musik braucht das und sie ist es wert.

Rolf Gehring

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