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Eine Audienz bei einer (für mich persönlich) lebenden Legende bekommt man auch nicht jeden Tag, noch dazu eine derart lange. Richard Patrick und seine Band Filter haben wegweisende Alben veröffentlicht, weltweit riesige Touren gespielt und abseits von Filter war Patrick früher Gitarrist bei den auch nicht ganz unbekannten Nine Inch Nails, sowie Sänger bei der Supergroup Army Of Anyone. Recht überraschend kam das neue Album von Filter beim schwäbischen Label Nuclear Blast raus und in absehbarer Zeit wird sogar mal wieder in Deutschland getourt. Das folgende Interview dokumentiert ein Face To Face-Gespräch von etwas über einer Stunde um die VÖ des Albums herum – zumindest die Teile, die ich wiedergeben darf, denn die Details zu seiner Zeit in der Entziehungsklinik und den anderen Musikpromis, die er da getroffen hat, habe ich zu schweigen.
Richard Patrick ist dieser Tage ein freundlicher Zeitgenosse, fast schon überfreundlich und leicht übertaktet, wenn er nicht so eifrig von seinem Entzug reden würde, könnte man fast meinen, er hätte irgendetwas illegales intus. Manchmal konnte ich die angedachte Frage gar nicht zu Ende bringen bzw. ausformulieren, schon ist mir Meister Patrick eifrig mit seiner Antwort zuvorgekommen und auch gerne mal ganz schnell bei einem anderen Thema gelandet. Und zu manchen Themen hat er eine – vielleicht typisch amerikanische? – Meinung, die ich nicht unbedingt teile, aber: lest selbst!

H: Rich, als ich Filter auf der Shortbus-Tour vor vielen Jahren das erste Mal live sah, sahst Du ganz schon furchteinflößend aus, Dein ganzer Arm war bis zur Schulter hinauf eingegipst...

RP: Weißt Du, was das letzten Endes war? Es war eine Bursitis.

H: Ich weiß nicht was das ist.

RP: Das ist so Schleim um den Ellbogen, also um das Gelenk herum. Das hätte 'ne einfache Spritze mit Steroiden beheben können.

H: Okay, Du hattest Dir also gar nichts gebrochen.

RP: Nein, aber als ich noch getrunken habe, bin ich nie zum Arzt, weil ich immer dachte „Er wird mir sagen, dass ich aufhören muss, zu trinken.“ Also hatte ich alle möglichen Verletzungen, die sich ja wirklich auf mein Leben ausgewirkt haben, aber ich bin mit ihnen umgegangen, mit jeder einzelnen.

H: Mit Selbstmedikation?

RP: Nee, ich bin schon zum Arzt gegangen. Aber damals, weißt du, da war ich so (mit schriller Stimme) „Ach egal, ich nehm’ die Pillen und whoo“, und jetzt ist es mehr so „Nein, du kannst keine Pillen mehr nehmen, weil du sonst wieder auf Entzug musst“, und wir wissen ja, wie das enden kann, also…

H: Ja, es war ein bisschen komisch, dich mit dem Gips zu sehen, aber es war eine einzigartige Show, also, das werde ich nicht vergessen.

RP: Yeah. Also jetzt ist das alles präziser, jeder weiß, was Sache ist, und ich geh raus und singe meine Songs und widme mich ganz der Show, ohne unheimlich und merkwürdig zu sein.

H: Das letzte Mal, als ich Filter gesehen habe, war letztes Jahr bei Rock im Park, am Nachmittag.

RP: Ja! Ja, da hatten wir neue Bandmitglieder.

H: Ach echt?

RP: Ja, weil Mick L., weißt du, der Bassist von Superbad… Naja ich war so „Hey, vielleicht brauchen wir einen neuen Bassisten!“. Weil, weißt du, er ist so ein… Junge, so jungenhaft. Ich meine, er ist ein toller Typ, er ist großartig und er hat so gute Arbeit auf dem Album geleistet, aber ich dachte: „Vielleicht sollten wir einen echt fiesen son of a bitch da rausstellen“, also taten wir das auch. Wir haben jetzt Phil Buckman als Bassisten und Rob Patterson spielt Gitarre, der von Korn.

H: Du hast diese Connection zu Korn also durch den Typen der da Schlag… –

RP: Nun, ich kenne Korn schon seit Jahren: ich habe Ray dem Reggie vorgestellt, weißt du, Fieldy. Und ihr Manager, Jeff… der kannte Ray… na ja, er war halt der Manager. Er war unser Manager, ich meine von jedem. Die Welt ist klein.

H: Ja, wollte ich auch gerade sagen. Es gibt da so eine Theorie, dass jeder jeden andern auf der Welt über nur drei Ecken kennt, kennst du die?

RP: Ja! Die Sieben-Stationen-Theorie.

H: Okay, dann sind's also wohl sieben Ecken und diese Theorie heißt so.

RP: Weißt du, mein Bruder hat Bill Clinton getroffen, ich bin also nur eine Ecke entfernt von Bill Clinton, und ein Freund hat Barack Obama kennen gelernt, also ist das auch nur eine Ecke. Also bin ich im wahrsten Sinne des Wortes... –

H: Du solltest sofort in die Politik gehen, du solltest das Bono-Ding machen.

RP: (Lacht) Äh nein, ich lasse Bono Bono machen. Ich bin da zu vage für sowas.

H: Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, als ich gelesen habe, dass das neue Filter-Album bei Nuclear Blast rauskommen würde.

RP: Ja.

H: Du wohl auch, nehme ich an?

RP: Weil weißt du, Nuclear Blast wagt etwas Neues und ganz ehrlich, es hat sich folgendermaßen abgespielt: Marcus (Chef von Nuclear Blast, Anmerk. d. Verf.) hat das Album gehört und dann hat er mich angerufen und gesagt: „Das ist das beste Album, das ich das ganze letzte Jahr gehört habe.” Und das hat mich umgehauen. Und ich hoffe, dass all die anderen Künstler verstehen, dass er... weißt du, ich sag das jetzt, aber ich war wirklich sehr stolz auf das Album, und er meinte nur, „Weißt du was, lass uns genau das Gegenteil von dem tun, was die Leute erwarten, lass uns etwas wie „Fades Like a Photograph” im Radio veröffentlichen!”. Ja und ganz ehrlich, das letzte Album war so mein Ding mit meinem Hintergrund, und es hatte diese Agenda und „Anthems for the Dead” war so ein krasses Statement, ich protestierte gegen den Krieg, unterstützte allerdings die Truppen, und nachdem ich dieses definitive Statement abgegeben hatte, musste ich einfach zurück zum Wesentlichen, zu so einem Old School-Sound. Und ich glaube, dass die Leute – als sie hörten, dass ich zu diesem Kern zurückgekehrt war – wirklich aufgeregt waren, aber eben auch deshalb, weil die Songs wirklich gut waren. Und Bob Marlette, der Produzent, und ich, wir hatten diese Verbindung, wir vervollständigten einfach die Gedanken des jeweils anderen. Das war so „Wow, vielleicht sollte ich das so machen”, und „Yeah, lass uns das machen”, und wir hatten das die ganze Zeit über, und es hat nie aufgehört und ich glaube, dass das der Grund ist, warum Marcus und alle anderen sagten: „Das ist ein besonderes, erstaunliches Album; lasst uns einen Weg finden, das rauszubringen”. Und Marcus, ja du hast Recht, er ist Nuclear Blast, aber gleichzeitig ist er so „Ich muss… Ich will mit verschiedenen Leuten arbeiten, ich will mit unterschiedlichen Künstlern arbeiten und das ist etwas, das ich nicht ausschlagen werde.” Und es wurde ihm angeboten und er meinte „Yeah, let’s rock!”

H: Kanntest du das Label vorher, kennst du andere Künstler von dem Label, magst du manche von ihnen?

RP: Um ehrlich zu sein, ich kannte das Label nicht. Weißt du, ich bin so ein Typ, ich muss erkennen, dass... Also, mein Freund Adam, von Tool, er hat mich mal in seinen Probenraum eingeladen und ich komm da hin und es ist einfach Tool, und ich schaue zu und ich zähle diese verschiedenen Zählarten mit und ich hab natürlich auch vorher schon Tool gehört, aber da habe ich wirklich angefangen, zuzuhören, und fing dann an zurück in meine Welt zu gehen und mach so „eins, zwei, drei, eins zwei drei”, und dann war ich so „Moment mal” so, ... Also ich hab’ so ein komisches Osmose-Ding am laufen, Dinge fließen ineinander, und dessen muss ich mir bewusst sein und ich... Also ich höre nicht so viel Musik, ich höre zum Beispiel die Deftones, und ich weiß, ich werde nie die Deftones sein, er hat einfach dieses erstaunliche Gefühl für Melodie, ich weiß, dass ich niemals in dieser Welt sein werde. Ich höre viel Deftones, ich höre zum Beispiel auch Pantera. Und jetzt habe ich neulich erst Mudhoney entdeckt, weil Chad ist einfach... Weißt du, wir haben eine Show zusammen gespielt, also bin ich...  Und dann MGMT, und ich bin so „Das ist einfach geil”, weil es so anders ist als das, was, weißt du, was Leute denken, dass ich hören würde, und ... –

H: Weil du jetzt Tool erwähnt hast: sie haben eine Band von Nuclear Blast richtig bekannt gemacht in den USA, eine, die musikalisch auch so vertrackt und kompliziert ist, nämlich Meshuggah.

RP: Ohja, Meshuggah, die sind also auch auf Nuclear Blast?

H: Also kennst du ja doch eine Band.

RP: Ja ich kenne Meshuggah, die treten einem echt in den Arsch. Wo sind die her? Amerika, nicht wahr?

H: Schweden.

RP: Schweden? Wow, das ist toll.

H: Ich habe gelesen, dass es mindestens zwei verschiedene Versionen des Albums „The Trouble with Angels” geben wird. Eine davon wird so eine Deluxe-Version sein oder so.

RP: Eine davon hat 'ne Deluxe CD. Es ist fast sowas wie ein Doppelalbum, es hat einen Remix drauf und vier neue Songs.

H: Vier neue Songs? Ich hatte nur von „Plume” mit diesem kurzen Clip gelesen –

RP: „Plume” ist großartig, es ist wunderschön, wir waren einfach im wahrsten Sinne des Wortes: „OK, machen wir ein Album mit 15 Songs, oder machen wir ein Album mit 10 Songs?”. Wenn du ein Album mit 15 Songs rausbringst, dann schaffen es 90% der Leute überhaupt nicht bis zum elften, zwölften, dreizehnten Song. Also dachten wir so „Weißt du, wieso machen wir das überhaupt?” Wir haben da einfach eine Option daraus gemacht und ganz ehrlich, es ist fast wie ein Doppelalbum, aber dann ist es gleichzeitig so, dass du diese CD auflegst und sie ist so ihr ganz eigenes Ding, sie ist nicht so hart, alles ist irgendwie ätherischer, abenteuerlicher.

H: Ja, es ist sehr anders als das andere Zeug auf dem Album.

RP: Und das ist der Grund, aus dem wir berühmt geworden sind, diese Art von Bilingualität... Das ist so, wie wenn Du „Snuff” von Slipknot hörst und es ist so, es ist immer noch traurig und anders. Wir spüren schon diese Wut, aber da ist diese ganz andere Welt voll schöner, wundervoller, sinnlicher... und „Fades Like a Photograph” ist einer dieser Songs, die .... Also ich würde mich jederzeit für „Fades” statt für „Take a Picture” entscheiden, es ist auf vielen Ebenen fast der bessere Song. Und das ist auch der Punkt, an dem die Band sich befindet, es ist so „Yeah, wir treten euch die Köpfe ein, und wir werden Spaß haben mit harter Musik” und „Drug Boy” ist genau das, das ist für mich der Song, der mir am meisten Spaß macht, ich höre ihn am laufenden Band, aber irgendwann in der Mitte des Albums, denke ich, will ja niemand sechs mal so einen Song hören. Bei mir ist das so, ich fange an mit Pantera, dann schmeiße ich ein Radiohead-Album rein, und dann vielleicht so was wie den Bladerunner-Soundtrack. Meine Nächte beginnen superlaut und verrückt, und dann werden sie eher so „Hey, etwas Sanftes”, und dann am Ende der Nacht ist es vielleicht Ambient, so was wie Aphex Twin.

H: Ja, das hat mir echt Angst gemacht, als ich zum ersten mal das „Come to Daddy” Video gesehen habe!

RP: Also ich glaube, dass es wichtig ist, eklektisch zu sein, und ich glaube, dass meine Fans das auch begreifen können, und ja, die ersten drei Songs sollten Spaß machen und einfach yeah sein, und dann schließlich sollte dass Album weicher und sanfter werden. Wir haben das auf dem letzten Album nicht gemacht und ich könnte mir in den Arm schießen dafür. Niemals wieder werde ich erlauben, dass mich jemand dazu überredet, diese Sequenz aufzugeben, weil „Take” und „In Dreams” und „What’s Next” standen in meiner Sequenz am Anfang, und dann kam „Soldiers Of Misfortune”, „Soldiers” war also der vierte Song auf dem Album, nach meiner Sequenz, und dann... Vielleicht drucke ich meine Sequenz aus und lasse alle Kids ihre i-Tunes nach dieser Reihenfolge programmieren oder so.

H: Gute Idee. Ihr habt also die erwähnten 15 Songs für das Album aufgenommen und die kommen auch alle auf's Deluxe-Album, also behaltet ihr nichts für kommende Soundtracks oder so zurück?
RP: Nee, nicht wirklich. In Deutschland kommt eh eine andere Version raus, da ist ein Song drauf, der heißt „Leaving Without a Note”, und dann gibt's noch 'nen Song der, also ich will jetzt nicht sagen Techno, aber.. kennst du Clayton Worbeck?

H: Nein.

RP: Er ist ein ganz erstaunlicher, toller Elektro-Typ, er hat das ganze Ministry-Album geremixt, also er nahm das Album und machte es industrial. Und der hat eben auch 'nen Remix von „Drug Boy” gemacht. Und der ist superseltsam und schräg, er klingt, als ob du auf Drogen halluzinierst. Diese zwei Songs eben sind für den deutschen Release gedacht.

H: Also, jetzt das deutsche Album oder die Limited Version?

RP: Ich glaube, es ist das normale Album. Man hat da ein ganz anderes Album mit diesen zwei Songs am Schluss. Außerdem, glaube ich, kann man bei i-Tunes die Deluxe-Version downloaden.

H: Ja, ich habs als Import bestellt.

RP: Ja, und die Verpackung ist so wichtig, weil man macht das auf und dann springt da dieser Pop-up Engel heraus – ja, „Trouble With Angels”, und sie (der Engel) ertrinkt entweder, oder schwimmt, oder watet durchs Wasser...

H: Wirklich?

RP: Ja, der Engel poppt raus. Ich zeig’ dir ein Foto. Ich hätte ein Album mitbringen sollen. Sie watet, vielleicht ertrinkt sie in Galileos Aufzeichnungen. Das ist so, „The Trouble With Angels” ist – hab ich das vorhin erklärt?

H: Nein, nicht heute, ich habe im Internet gelesen, was der Titel heißen soll.

RP: Ja, das ist so wie: es gibt manchmal Ärger mit Engeln, es gibt Ärger mit der Religion. Ich hab’ das einfach mal so dahingestellt und lasse es die Leute hören und wenn sie mich dafür hassen wollen, ist das auch okay.

H: Wo du Religion erwähnst... bist du... glaubst du?

RP: Ich bin ein Ungläubiger was das angeht, weißt du... Also, Gott hat einen Sohn, und anstatt ihn an einen der Milliarden Orte in der Galaxie  – nur in der Galaxie – zu bringen, entscheidet er sich, ihn ausgerechnet in die Welt zu setzen und ihn zu töten, nur um seinen Standpunkt klar zu machen, und weißt du, das ist einfach zu unwahrscheinlich. Und mit all der Wissenschaft, die wir so lernen, und mit all den Fakten ist es einfach schwer für mich, zu glauben, die Welt sei nur sechs Tage alt, und die Leute sagen „Oh nein, das ist ja nicht wörtlich gemeint” aber weißt du, warte mal, wenn es nicht wörtlich gemeint ist, dass die Welt sechs Tage alt ist, wie ist dann dieser Typ zurück ins Leben gekommen, ich meine, ist er wieder auferstanden oder nicht? Kommt er zurück von den Toten oder ist er, also welcher Teil ist…? Wenn die Geschichte lauten soll, dass er für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist, und er lief über's Wasser, und er heilte die Kranken, und er tat all diese Dinge – also wenn das nicht die Geschichte ist, was ist dann die verdammte Geschichte? Und, ganz im Ernst, wie konnte dieser Typ rumsitzen und zusehen, wie... –

H: – alles den Bach runter geht –

RP: Weißt du, wie konnte er beim Holocaust zusehen? Wo war er denn während des Holocausts und ehrlich, wenn man die Bibel liest, steht da: „nur durch mich kannst du ins versprochene Land kommen, ins Paradies“ – also Moment mal, das heißt also, dass all diese Juden in die Hölle gekommen sind, weil, als sie getötet wurden, standen sie vor dem Himmelspforten, glaubten aber nicht an Jesus??? Und die Leute sagen „Nein, nein“ aber ich sage „Hey Mann, da sind zu viele Lücken!“

H: Ja, das ist genau mein Punkt.

RP: Und wenn das alles ausgedacht ist und einfach nur Fiktion, was ist dann die Kirche des Vatikan wirklich? Was ist die katholische Kirche wirklich? Was sind die Taliban wirklich? Was ist das. Und schau mal, 75% der Bevölkerung Afghanistans kann nicht lesen und sie haben nur jemanden, der sie den Koran lehrt, und weißt du, wenn du so arm bist, ist der Tod nicht so schlimm. Wenn du so verkorkst und da draußen in der Wüste bist mit 'nem kleinen verdammten Esel und zwei oder drei Schafen, dann ist der Tod kein großes Ding. Der Tod ist dann so was wie: „Ach, damit komm ich klar.“ Also was machen sie, sie pflanzen dir Gottesfurcht ein, indem sie sagen: „Wenn du stirbst, solltest du lieber gut sein, denn sonst kommst du in die Hölle.“ Also, das ist einfach dieses ganze…. Und meine Frau, sie glaubt an Jesus, aber auch nur deshalb, weil sie sich dann besser fühlt.

H: Kenn ich.

RP: Und sie ist so (weinerlich) „Blablabla, aber es tut einfach gut mit jemandem zu sprechen, bevor ich schlafen gehe.“ Und ich denke so „Aber schnallst du denn nicht, dass du Selbstgespräche führst?“ Aber weißt du was, ich sage zum Universum „Oh mein Gott, ich liebe dich, ich liebe dich, Mutter Erde, ich liebe dich, Planet Erde, ich will besser sein für dich, ich will besser sein für's Universum, ich will Dinge für die Menschheit tun, ich will meine Kinder wundervoll machen“, und ich höre mich da also betteln und bitten und beten, also verstehe ich’s irgendwie. Und ich verstehe auch, wenn jemand die Todesstrafe bekommen hat und auf seinen Tod wartet und darauf wartet, getötet zu werden – also das muss man mitbedenken – er ist vielleicht nicht bereit, zu sterben, er könnte sogar unschuldig sein, also, wenn er Jesus braucht oder wenn er die Religion braucht, um sich besser zu fühlen, oder der Krebspatient, also, ich verstehe Schmerz, aber was ich nicht verstehe, ist Politik, und das ist aber genau das, was viele Leute der Religion unterstellen, nämlich dass sie politisch ist. Und Bewusstseinskontrolle.

H: Ja, Kontrolle ist der springende Punkt. Und es ist natürlich 'ne gute Erklärung dafür, warum wir auf der Welt sind. Du hast ja Kinder. Sind die getauft?

RP: Ja, ich habe Kinder, die sind noch nicht wirklich getauft, aber weißt du, wenn meine Frau das unbedingt will, ich meine, wir feiern ja auch Weihnachten, das ist echt nett, ich schenke meinen Kindern Weihnachten, das ist eine magische Zeit und wenn du es mit Kindern zu tun hast, ist so ein bisschen Fantasie eine feine Sache.

H: Ich wurde auch so erzogen, und es war okay für mich, bis ich dann angefangen habe, über gewisse Aspekte der ganzen Geschichte nachzudenken.

RP: Ja, ich meine, das fällt im dritten Akt alles auseinander, also „Was meinst du? Aber was meinst du denn? Was meinst du?“...

H: Ja, ich verstehe!

RP: Wie auch immer, auf dem Album sind noch so viele Themen vertreten, aber ich dachte einfach „The Trouble With Angels“ sei angemessen, weil viele der Songs wirklich dazu gedacht waren… Naja, weißt du, die Lyrics zu dem Song lassen einfach keinen Spielraum.

H: Ich habe die Lyrics noch nicht, deshalb…

RP: Du kriegst sie auf officialfilter.com, klick einfach auf das Album.

H: Gut, dann lese ich sie bei Gelegenheit. Als ich die erste Single gehört habe, „Inevitable Relapse“, war ich ein bisschen schockiert.

RP: Wegen des Auto-Tunes.

H: Ja. Also hat dir das schon mal jemand gesagt, du hörst das jetzt nicht zum ersten Mal.

RP: Nein, aber ich bin froh darum, weil es kontrovers ist und, bei allem Respekt, also, ich singe in Hunderten von Bars ganz ohne Effekte vor 'nem Mikro.

H: Oh nein, ich meine nicht, weil du ein Effekt auf deine Stimme legst, das ist cool, aber dieser ganz spezielle Effekt kommt heutzutage so übermäßig oft in der Pop-Musik vor –

RP: – aber nicht im Rock!

H: Ja richtig, aber das erste Mal, dass ich diesen Effekt bewusst wahrgenommen habe, war bei Cher, als sie dieses „Believe in Love“ gemacht hat.

RP: War es schlimm, hast du es gehasst? Also dir muss aber klar sein, was das für Lyrics sind, es geht um den Rückfall, es geht nicht unbedingt nur um Drogen, sondern irgendwie auch um die Frau, um den Kampf, oder… Und eine Sucht ist, weißt du, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Verwechslung in deinem Kopf, man verwechselt Sucht mit Liebe. (Pause) Ich liebte Kokain, ich liebte es, betrunken zu sein, ich liebte es, Party zu machen. Ich liebte es, Drogen zu ergattern. Ich liebte es, heimlich Drogen bei mir zu haben, ich liebte es, auf die Bühne zu gehen, ohne dass jemand wusste, dass ich gleich total drauf sein werde, weißt du, so war das, ich liebte es. So, wenn man also in einem Club ist und man hasst es, in Clubs zu sein, aber dieser Typ ist da, der Dealer ist da, oder dieses Mädchen ist da und man, also, ich bin einfach nur da, um etwas zu bekommen, und man hört dieses Zeug und es ist so fremd – das war es, was ich versucht habe zu machen, zu zeigen. Ich habe versucht, alle in diese Gedankenwelt von jemandem zu versetzen, der wie ein Fisch auf dem Trockenen ist.

H: OK. Das klingt sinnvoll.

RP: Und gleichzeitig war es so, dass Bob diesen Song laufen ließ und wir lachten alle und es war so „Fuck, yeah, dieser Scheiß!“, ich meine, wir als Band haben Humor, wir nehmen das alles nicht so Ernst. Und ganz ehrlich, das ist so ein bisschen, als ob die Leute mir sagen würden, dass ich konform sein müsste, so als ob sie sagen würden „Du kannst das nicht machen, du kannst das nicht in unserer Musik machen!“ Warte mal, eure puritanische Sicht der Dinge, was ich oder was ich nicht machen kann – das ist falsch, und das ist auch einer der Gründe, warum ich überhaupt mit Musik angefangen habe. Als meine Eltern immer gesagt haben, dass ich die Musik leiser machen soll, habe ich gesagt „Fuck you!“, und hab' sie lauter gemacht und habe lauter Gitarre gespielt und das Feedback entdeckt, und ich dachte ich sei der Einzige, Jimi Hendrix vielleicht noch, aber ich war so whohoooo und hab diesen ganzen Sound gemacht und meine Mutter war total so „Was zum Teufel machst du da?“, und mein Bruder Rob hat ihr dann erklärt: „Er hat das Feedback entdeckt, er ist total in seiner eigenen kreativen Killer-Welt und macht seine eigenen verrückten Sounds auf der Gitarre!“ Das ist auch Kunst! Ich kann also nicht auf den Rest warten, nur weil sie gerade angefangen haben „Drug Boy“ zu hören. Das ist so unser Homerun, das ist unsere nächste Single und war auch wirklich immer schon als Homerun gedacht. „Relapse“ ist so ein bisschen ein Auftakt für „Drug Boy“, weil es eben auf diese bestimmte Art eine Geschichte erzählt, aber ich habe gehört, dass sie es anders machen wollen; sie wollen hier bei euch „Fades Like a Photograph“ machen, weil es hier irgendwie anders ist…

H: Versteh mich nicht falsch, ich mag den Song! Es ist nur der Effekt, das ist einfach so: „Oh! Cher!“

RP: Ja, ja, ja, und weißt du was?

H: Pavlov.

RP: Und trotzdem – ja genau – die Wahrheit ist, es ist der erste von zehn Songs, er wird nie wieder verwendet, und Bob und ich, wir waren schockiert, wir waren so „Wir haben sie verdammt sauer gemacht, Mann, wir versuchen, unsere Fans zurück zu gewinnen und wir haben sie verdammt noch mal verärgert!“ Und das ist eigentlich auch gut so, ich meine… (Promoter meldet sich an der Tür)
H: Ich habe ihm gesagt, er soll mich unterbrechen, bevor wir noch stundenlang quatschen. Ich trage nämlich keine Uhr mehr, seit ich Vater geworden bin. Ich hatte eine Uhr aus Metall und hatte immer Angst, meinen Kleinen damit zu verletzen. Und jetzt ist es auch besser ohne Uhr.

RP: Bei mir war's genau andersherum! Ich habe angefangen, eine Uhr zu tragen, um ein Auge auf die Zeit haben zu können, um alle zur Eile antreiben zu können, wenn nötig. Ach, es ist komisch, du hast aber auch Recht. Da könnte man auch eine Wanduhr haben. Wie alt sind denn deine Kinder?

H: Mein Sohn ist vier, meine Tochter zwei.

RP: Wow. Meine Tochter ist zweieinhalb und mein Sohn elf Monate alt. Wir haben uns vorhin darüber unterhalten, das ist echt verrückt.

H: Und wolltest du Vater werden oder war es ein Unfall?

RP: Nein, das war ein richtiger Plan, anzugreifen, nach dem Motto: „Okay, ich glaube, ich bin so weit. Ich habe aufgehört zu trinken, bin seit sechs Jahren nüchtern, lass uns aufbrechen in die Welt der Vaterschaft.“ Und meine Frau meinte „Gut, lass es uns tun!“, und sie hörte auf, die Pille zu nehmen und wurde schwanger, einfach so. Und so war es auch mit meinem Sohn: „Okay, hör auf, die Pille zu nehmen“, und dir wird klar, dass in einem Monat ein Schwangerschaftstest fällig ist, und in der Tat, einen Monat später meint sie so: „Hey Richard, geht und hol mir verdammt noch mal was von McDonald’s“, und ich war so: „Du solltest lieber einen Schwangerschaftstest machen“, und sie: „Ja, du hast Recht, warum sag ich dir nicht einfach, dass du zum Teufel gehen sollst? Weil, ich hasse dich!“ - „Ja, du hast Recht, komm, mach 'nen Test.“ – „Ich liebe dich, es tut mir leid!“ (Geschrei) Sie hatte nämlich Stimmungsschwankungen.

H: Ich bin so froh, dass meine Freundin keine hatte.

RP: Oh, echt? Oh –

H: Und sie-

RP: Aber meine hatte das nur am Anfang, dann hat’s Spaß gemacht. Sogar ganz zum Schluss der Schwangerschaft war sie so „Ich bin fett, aber es ist mir egal.“ Yeah, weißt du meine Frau ist der Felsen. Sie ist der rock, ich bin das roll.

H: Darf ich nach den Namen deiner Kinder fragen?

RP: Meine Tochter heißt Sloan Louala und mein Sohn Ridley. Ridley wie Ridley Scott.

H: Das ist eine gute Wahl. Ich fand das mit am schwersten, einen Namen zu finden, mit dem keiner von uns etwas Negatives verbindet, zum Beispiel eine Person aus der Vergangenheit, die man blöd fand, oder…

RP: Klar. Wir wollten, ach weißt du, in Amerika ist jeder darauf aus, also, die Kinder heißen alle Hunter und Riley und Rider und Truman, und es gibt so viele coole Namen, River und…

H: Ich versuche mal zu meinem Stapel an Fragen zurück zu kommen: Wir hatten über den Auto-Tune Effekt gesprochen. Ich habe mich gefragt, also, du warst ja seit den letzten fünf Alben das einzige konstante Bandmitglied bei Filter, also bist du Filter. War das von Anfang an so geplant?

RP: (zögerlich) Ich wollte nicht einfach so auftauchen, so dass es aussah wie „Okay, der ist von Nine Inch Nails“. Trent war einfach die Hauptfigur in dieser Band und sieh mal, er ist einfach, wer er ist, und ich habe alles mir Mögliche getan, um anders zu sein als er. Ich habe die Gitarre dazugenommen, ich habe sichergestellt, dass ganz viel Gitarre mit im Spiel ist, ich habe mich anders angezogen, ich habe Nerd-Brillen getragen, ich war nie ganz in Schwarz, ich habe versucht, meine Videos anders zu machen, ich habe für die ersten paar Videos lauter verschiedene Regisseure engagiert, weil ich nicht wollte, dass es ist wie: „Oh, ich verstehe, hier ist Rich, und er war mal bei… und jetzt macht er einfach das da, und es wird sein wie Nine Inch Nails.“ Ich habe ja auch Skinny Puppy gehört, und Ministry, also wusste ich, dass… Und Trent und ich, wir sind immer zu Ministry- und Skinny Puppy-Konzerten gegangen, und dass… Und Trent nahm ein Pop-Format und klaute das Skinny Puppy Sound Design und das war’s, so wurde Nine Inch Nails erschaffen und er macht es gut und ich liebe ihn dafür und ich bin stolz auf ihn, aber das ist nun mal, was er gemacht hat. Er machte Depeche Mode auf wütend, behielt aber die Refrains und ließ das Ganze verständlich und zugänglich, weil weißt du, Al war einfach so übertrieben und Al hat „Twitch“ gemacht und Zeug, zu dem du mitsummen konntest, also ist mir klar geworden, dass ich mich aus demselben Pool an Einflüssen bediene, Ministry und Skinny Puppy, also wusste ich, dass ich arbeiten musste, an… Um jetzt zum Thema Bandmitglieder zurückzukommen – es gibt eine absolute Wahrheit, zu der ich jetzt irgendwie bereit bin, mich zu bekennen: Ich bin der einzige Typ aus der Originalbesetzung, ich bin der Kerl, der immer schon derjenige war, der die Entscheidungen fällt. Nachdem ich das gesagt habe, muss ich aber auch sagen, dass ich Zusammenarbeit schon sehr mag.

H: Klar. Das sieht man.

RP: Ich mag Zusammenarbeit, ich gebe gerne Credits, wo sie zu geben sind. Und ich bin enttäuscht darüber, dass Leute glauben, dass die anderen Mitglieder einfach nur irgendwie so Mitglieder sind. Die Wahrheit ist nämlich, dass die meisten einfach rübergereicht worden sind, sie waren so “Hey, ich bin froh, dass du da bist, hier ist der Song, er ist auf der CD, stell bitte sicher, dass du die sechzehn Noten richtig hinkriegst, und ich seh’ dich dann bei der Probe.” So war das bei vielen. Steve Gillis spielte so richtig Schlagzeug, Frank schrieb in der Tat eine Bassline – „Cancer”, die Strophe –, Geno schrieb cooles Zeug, aber all die großen Songs kamen aus meiner Welt, ich habe „Take a Picture” komplett geschrieben, „I’m Not the Only One”, „Captain Bligh”. Und dann habe ich dieses neue Album gemacht, „Anthems”, und ich brachte diese ganzen neuen Leute mit an Bord und irgendwie habe ich das Gefühl, dass das ein ganz schlechter Deal für die ist, weil einer von ihnen echt aussieht, als ob er Mick von Superbad wäre, einer der Typen war so jungenhaft und so überhaupt nicht das, was meine Fans... Sieh mal, ich will nicht gefangen sein in einem Genre, also mag ich gerne das Abwegige, zum Beispiel Mitchell Marlow, ganz im Ernst, ist einer der kreativsten Leute, die ich je getroffen habe und er ist völlig und ganz ursprünglich er selbst. Mitch, dieser asiatische Typ mit der Brille, wurde tatsächlich in dieses Album reingezogen, weil ich einfach sagte: „Mitch, du bist so interessant, bitte lass uns was schreiben...” Also kam er und schrieb den Refrain zu „Drug Boy”, die meisten Teile von „No Love”, er schrieb „Down with Me”, „Clouds”, schrieb zusammen mit Bob und mir – wobei er eigentlich überhaupt die Ideen hatte – ganz viele unglaublich tolle Songs auf dem Album. Mitch geht nicht so gerne lange auf Tour, also musst du ja das Ganze am Laufen halten. Also dann: „Wer ist der neue Typ?” Nun ja, Robert Patterson, Otep. Und: „Warum ist Frank Cavanagh nicht in der Band?” Der Hauptgrund ist, dass Rob Patterson und Phil Buckman, der neue Bassist,  – warte, ich gebe dir die Chance, zu erraten, warum die beiden in der Band sind und Frank Cavanaugh und Geno nicht.-
Es gibt einen ganz klaren, musikalischen Grund. Und die meisten Leute übersehen ihn, aber er ist zwingend wegen dem, was ich mit meiner Stimme mache: sie singen! Geno L. kann nicht singen. Sie machen die Background Vocals. Frank und Geno mussten auf „Short Bus“ nicht singen, weil es keine Background Vocals gab. Als ich mich aber als Sänger weiterentwickelte und die Produzenten herausgefunden hatten, dass ich ja tatsächlich eine Stimme habe, waren sie so „Hey warte mal, du kannst tatsächlich singen??? – Ich will Harmonien, ich will dass du doppelst, ich will Chöre, ich will dieses ganze andere Zeug.“ Bob Marlette, genau dasselbe: „Ich will Chöre! Ich will `Drug! Boy! Loves!` als Chor! Lass uns all das machen!” Du musst also mit den Bedürfnissen der Band arbeiten, und die Band braucht Backgroundsänger. Frank, es tut mir leid, aber wenn du nicht singen kannst, muss ich jemanden finden, der es kann! Du musst einfach deine Band leiten und sie mit den Bedürfnissen leiten, die sie hat, und mit den Songs und mit der Musik zuallererst. Und es geht nicht um „Ich mag Frank nicht”, es geht nicht um „Frank ist zur Army gegangen” – ich brauche jemanden, der Background Vocals singen kann. Ich kann nicht zehn Leute auf der Bühne haben, ich will nicht einen Haufen Leute, der Background singt, also, ich kann das nicht machen, ich will das nicht, ich will weniger Bühne und mehr, mehr... Also ist der Hauptgrund nicht, dass Patterson badass ist und bei Korn gespielt hat und bei Otep und dieser Wahnsinnsgitarrist ist, sondern, der Motherfucker kann singen! Er kann singen, also...

H: Ich freu mich auf diese Live-Shows, ich hoffe, ihr könnt nach Europa kommen.

RP: Hey, wir müssen nach Europa kommen. Es ist unerlässlich, dass wir nach Europa kommen.

H: Ist schon irgendwas fix oder muss der Zeitplan noch…

RP: Wir müssen das einfach nur austüfteln. Früher hätten wir einfach gesagt „Ach weißt du, wir werden sehen.“ Aber jetzt, die globale Ökonomie, also, die USA ist echt gefickt im Moment. Wir befinden uns in einer Rezession, aber nicht voll wie in einer Rezession. Für die meisten Leute ist es eine Depression. Die meisten Leute in den USA flippen total aus und gehen nicht mehr auf Konzerte, also versuchen wir alle, einen Weg zu finden, um… also Disturbed zum Beispiel spielen gar nicht mehr bis zum Januar, Disturbed gehen für den Rest des Jahres nicht auf Tour. Und das liegt unter anderem daran, dass man warten muss, bis die Wirtschaft wieder erstarkt ist und nicht…

H: Das muss aber hart sein für euch Bands, weil die CD-Verkäufe auch seit einiger Zeit so im Keller sind, und ihr euer Geld ja fast nur durch Shows einnehmt.

RP: Nun ja, wenn die Fans nicht für Musik bezahlen und nicht mehr auf Konzerte gehen wollen, dann kriegst du tatsächlich nichts raus. Denn am Ende des Tages ist es tatsächlich Business, weißt du, und das ist traurig, weil die Fans es nicht begreifen. Ich habe Freunde, Techniker, die ihre Häuser verkaufen, ich kenne Leute, die ihre Karriere im Musikbusiness liebten, und sie werden jetzt Immobilienmakler, sie ziehen weiter, sie gehen, weil man einfach Essen auf den Tisch bringen muss, man muss Milch für Babies haben, man muss das Dach über dem Kopf behalten. Also gibt es einfach wirtschaftliche Gründe, aber auch nicht notwendigerweise, also für uns ist es so, wir wollen einfach sicher sein, ob wir da das Richtige tun.

H: Es muss komisch sein, wenn man sich daran erinnert, wie viel Budget man damals für nur ein einziges Video hatte, und jetzt wäre man froh wenn…

RP: Ich hab' mal ein Video gemacht, das meine Tochter gerne anschaut und „Daddy schwimmt mit Meerjungfrauen“ nennt. Das ist das, wo sie drauf und dran waren, mein komplettes Set mit 'nem 80-Tonnen-Kran zu versenken: Dieses Video hat 900.000 Dollar gekostet und das nur zu sagen ist schon so geisteskrank, aber das war okay! Damals war das einfach… und denk nur daran, wie viele Leute das beschäftigt hat! Und jetzt, unser letztes Video, also du würdest dich bepissen vor Lachen wenn du wüsstest was dieses großartige Video, das wir gemacht haben, also, ich darf gar nicht sagen, wie billig das war, weil der Regisseur…

H: Es sieht super aus!

RP: Es sieht großartig aus! Da ist Blut, und es macht Spaß und sie prügelt die Scheiße aus mir raus, und alles ist ordentlich aufgebaut, die Performance, und es wurde mit 'ner Cannon gedreht, einer stinknormalen 35mm-Kamera, die einfach einen großen Flashdrive hat, das ist HD, weißt du… Diese Technologie hat es wirklich einfach gemacht, und anstatt einen Riesenturm zu kaufen und alles da reinzupacken, kann man jetzt einfach an seinen Laptop, das Zeug hochladen und schneiden.

H: Du hast mir vorhin das Artwork auf deinem Handy gezeigt. Gibt es eigentlich ein Konzept hinter dem Filter-Artwork über die letzten Jahre? Ich dachte mir nämlich immer schon, dass das ganz anders aussieht als bei anderen Bands, es erinnerte mich immer an so Pappverpackungen.

RP: Deborah und ich, wir hatten gleich zu Beginn ein Gespräch. Und das verlief so ungefähr folgendermaßen: „Da ist die Musik, und da ist das Artwork. Und weißt Du, A plus B ergibt C.“ Also wenn du das Artwork betrachtest, und die Musik hörst, sind die beiden nicht unbedingt… Also nicht „Gut, lass uns schwarz zu dem Monster machen“ –

H: Ja, ja, ich weiß genau, was du meinst.

RP: Weißt du, also „Ooooh, das Monster kommt“ – das wurde schon gemacht und es ist auch so aufdringlich, und wir wollten mehr… Also dachte ich, zusammen mit ihr, dass wir zurück zu den graphischen Elementen gehen sollten, aber sie sollen zu dem passen, was wir machen und gleichzeitig irgendwie auf einer höheren Ebene funktionieren, also hat sie ganz früh schon die Lippen designt, und da ist der Engel in diesen Lippen, und das war dann das neue Symbol für dieses Album, aber ich sagte auch „Bring auch das Zeichen mit ein, weil die Leute auch dieses Tattoo haben.“ Und es ist wirklich so eine Art „Ich gebe dir, was du erwartest“-Album, ich habe da nicht viel Zeug verändert, ich bin zurück zu dem, was ich auch vorher gemacht habe. Und ich meine, hör’ dir die ersten drei Alben an, die sind so anders, dass ich geneigt bin zu glauben… Also die Leute wissen einfach, hier ist ein neues Album, es ist immer noch Filter, aber es ist ganz, ein Ganzes, also, auf demselben Level die ganze Zeit.

H: Das Artwork auf dem vorherigen Album, „Anthems“, war anders.

RP: „Anthems“ war anders. Es war eben so offensichtlich, weil es einfach einem Freund von mir gewidmet ist, der im Alter von 21 getötet worden ist, weißt du, 21, und er ist tot. Und seine Familie ist am Boden, sie ist zerstört. Er war derjenige, der die Familie zusammen gehalten hat, und weißt du, eine Mutter hat ein Kind und…

H: Oh, ja. Ich will so etwas nicht miterleben müssen.

RP: Siehst du, das ist so schrecklich, dass du und ich nicht einmal darüber sprechen können.

H: Du hattest von deinem Freund gesprochen, der im Alter von 21 im Irak gestorben ist, und von dem Artwork zu „Anthems“.

RP: Ja, also habe ich ein Album gemacht, das… Man hatte mir gesagt „Das wird sich nicht verkaufen, weil es einfach nur um den Irak-Krieg geht, und es lässt keinen Spielraum für die Fantasie mit diesem Album-Cover“, und ich entgegnete „Hör mal, ich will, dass die Leute außerhalb der USA und außerhalb dieser Generation wissen, dass es einen Typen in der Musikwelt gab, der…“. Und weißt du, Queens, das ist genau dasselbe, sie hatten ihr Album zur selben Zeit veröffentlicht, ich wusste das nicht, bis es dann draußen war, aber ich will einfach, dass meine Kinder wissen, dass ich gegen den Irak-Krieg war und ich etwas tun wollte, um was zu verändern, aber ich wollte gleichzeitig die Truppen unterstützen, weil es einfach fast mehr Mut verlangt, in einem Krieg zu kämpfen, der für den Arsch ist, aber du dich, dein Land, mitten drin gesehen hast. Vielleicht steht es mir nicht zu, so etwas zu sagen, aber es ist echt hart für diese Jungs, sie kämpfen nicht in einem Krieg, an den sie glauben, sie…

H: Sie haben keine andere Wahl.

RP: Genau, und dieser Krieg ist auch so unbeliebt, und es ist so schlimm, dass man das fast nicht mal mehr in der Musik artikulieren kann, man kann nicht mal in der Musik so weit gehen. Sogar Dave von Disturbed war so „Verdammt, das ist wirklich, wirklich, du machst da dieses Militär-Ding…“, und ich so, „Ja“, und er „Wow, das ist ziemlich mutig!“ Weil es ja schon einfach ist, diesem Film-Horror zu folgen… -

H: Ja, ich weiß was du meinst.

RP: Es ist einfach, immer dieselbe Karte zu spielen und sich immer daran festzuhalten, und wirklich, keine Kritik hier, die sind eine echt tolle Band und ich liebe sie sehr, sie sind meine Freunde, aber trotzdem musste ich sagen, was ich sagen musste. Ich musste irgendwie dieser Typ sein, der es sagte.

H: Ganz anderes Thema. Wir hatten Army Of Anyone vorhin erwähnt, und wir haben über Ray gesprochen, und ich habe ein Zitat von ihm gelesen. Er sagte, dass er nach dieser ganzen Tour mit all den Bands, Korn, Stone Temple Pilots und Filter, dass ihr euch wieder treffen und ein weiteres Album machen würdet. Stimmt das?

RP: Ja.Filter ist völlig und absolut meine Priorität, und es ist meine Priorität, etwas wieder aufzubauen, was mir sehr am Herzen liegt. Offensichtlich ist es etwas ganz anderes, einfach zu singen oder der wichtigste Typ zu sein, und ich denke, ich werde niemals nie sagen, aber dann trotzdem, also, ich habe so viele Interviews gegeben, bei denen man mir gesagt hat „Hey, mach einfach Filter die nächsten paar Jahre lang und bring noch ein paar Alben raus, bitte, du musst das wirklich machen.“ Und ich stimme dem total zu, und wenn ich wieder die Gelegenheit dazu kriege, mach’ ich es sofort. Und das ist eben der Punkt, an dem ich mich befinde, ich hab’ da ernsthaft Arbeit vor mir, alles dahin zurückzubringen, wo es hingehört.

H: Ich bin mehr als glücklich, zu wissen, dass es Filter die nächsten paar Jahre noch geben wird.

RP: Ja, ich meine, wir müssen das wieder aufbauen, und die einzige Möglichkeit, das zu tun, besteht darin, tolle Musik zu haben und auch ganz viel davon, und verfügbar zu sein. Das ist die Sache in meinem Leben, die zu tun mir so absolut viel Freude bereitet, und ich habe in Bob Marlette einen Typen gefunden, der die Messlatte absolut höher legt, und wir können die ganze Zeit an einem neuen Album arbeiten, ich kann kommen und einen Song schreiben, dann wieder auf Tour gehen, wieder zurück kommen und ein paar neue Songs mit ihm schreiben und er wird hoffentlich wieder ein ganzes Arsenal an Musik in petto haben. Und was ich auch auf jeden Fall wieder machen werde, ist, mit Mitch Marlow zu arbeiten, auf einem Level das mehr... weil Mitch ist mehr so... er ist so ein häuslicher Typ. Er ist gerne zu Hause, er wagt sich nicht so gerne hinaus. Er und seine Frau wollen außerdem eine Familie gründen, also muss er da sein, aber er ist trotzdem ein Typ, der... Du kannst ihn für drei Wochen kriegen, ihn zusammen mit Bob ins Studio stecken und bumm! – da sind auf einmal zehn Songs. Es ist also wirklich toll, so viele verschiedene Leute zu haben. Ich kann jetzt in einer Band mit vielen verschiedenen Leuten sein und die können auch austauschbare Jobs haben, wenn sie wollen. Weil sogar Robert Patterson, also er hat wirklich großartiges Zeug für Otep geschrieben und das ist so wichtig, all diese kreativen Köpfe helfen mir, schneller auf den Punkt zu kommen und so lange ich das Ganze absegne, bleibt es Filter.

H: Na, dann bin ich mal gespannt, wie es weitergeht. Danke für das Gespräch, Rich!

RP: Ich danke!

Thomas Jentsch

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