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Listening-Session des neuen End Of Green-Albums „The Sick’s Sense“
30.4.08, München, Weltraum Studios

Vielleicht ist die Erde doch nur eine Scheibe auf dem Rücken von vier Elefanten, die wiederum auf einer großen Schildkröte stehen, denn der Weltraum ist schließlich neuerdings auch an der Landsberger Straße in München - im ersten Stock wohlgemerkt! Genau dort haben End Of Green im April ihr sechstes Album aufgenommen und kurz vor dem Ende dieser Aufnahmen wurde ein Sack voll (also ca. 25) Pressevertreter in die Studios geladen um sich mittels eines Durchlaufs einen ersten Eindruck der Qualitäten des Albums zu verschaffen.

Bevor es aber an das Dutzend Songs ging, wurden erst mal Getränke und Knabbereien gereicht, es bestand ausführlich Gelegenheit zum Smalltalk und man durfte sogar die fast leere, sagenumwobene polnische Wodkaflasche aus dem Blog von Gittarrero Setzer bestaunen, die tatsächlich 95% Volumenprozent auf dem Etikett auswies. Etwa ein Fingerbreit des fiesen Zeugs war noch am Start, gerochen hat es gar nicht so derb...

Neben der kompletten Band, Produzent Corni Bartels, der Promoterin Doro Peters und ihrem Kollegen Sebastian Seifert, war auch Plattenfirmenchef Achim Ostertag sowie ein paar Mädels vom Fanclub anwesend. Als dann auch der etwas verspätete Kollege vom Zillo angekommen war, gings ab in einen der Studioräume. Der war zwar kaum groß genug für die Horde aus begierigen Journalisten, der Band und dem Produzenten, das schuf dann aber auch gleich einen sehr direkten Kontakt zwischen den Anwesenden. Der Produzent klickte sich durch sein Programm um den ersten Track zu servieren, während Gitarrist Setzer alle noch mal willkommen hieß und vor dem Ritt durch die ersten sechs Songs ein paar Hinweise voranstellte. Sämtliche genannten Songtitel sind immer noch Arbeitstitel, die Reihenfolge ist keinesfalls die finale und auch der präsentierte Mix ist noch nicht ganz der Endmix. Während sich das Wetter draußen zu einem saftigen Gewitter samt Wolkenbruch steigerte, gings drinnen endlich los mit:

Killhoney:
Falls der Songs seine Position behaupten sollte und auch auf dem Album den Opener gibt, ist er sicherlich ein prima Einstieg. Was direkt auffällt ist der „neue“ Sound. Man liest ja oft von Bands, dass sie stets auf der Jagd sind und versuchen den Sound, den sie live erzeugen, auch zu konservieren und auf CD zu bannen. Wenn End Of Green auf der Jagd gewesen sein sollten, dann sind sie ihrem Wunsch einen riesigen Satz näher gekommen, denn im Gegensatz zu der doch etwas aufgebläht wirkenden Produktion des letzten Albums „Dead End Dreaming“, brettert hier alles viel direkter aus den Boxen. Auch das Schlagzeug wirkt sehr echt, klingt nach Holz und der Bass steht richtig fett im Raum. „Killhoney“ versprüht etwas Type O Negative-Vibe und nach etwa drei Viertel des Songs setzt ein schmissiger „Ooooh-Ooooh“-Part ein. Klasse Opener.

Dead City Lights:
Es folgt einer der ersten Songs, die die Band für das Album geschrieben hat. Hier gehts etwas rockiger zu, der Gesang ist sehr weit vorne und der Song ist sehr kraftvoll. Die Band hat viele Stops eingebaut und streckenweise wurde der Gesang etwas angezerrt. Feine Backupvocals im Hintergrund und erneut ein unglaublich präsentes Schlagzeug. Gegen Schluss dann ein hoher, flirrender Gitarrenpart und eine mächtige Steigerung.

My Crying Veins
Auch der Song zählt wohl schon zu den älteren. Ein anfangs eher ruhiger, gefühlvoller Track, der mit tollen zweistimmigen Arrangements punktet. „Send me a little Smile my crying Vein“. Später treten sie dann etwas mehr aufs Gas und bringen wieder coole „Ooooh-Ooooh“-Parts im Hintergrund sowie ein smartes Break.

Hurter
Der erste Eindruck des Songs ist mit dem einleitenden fast schon Southern-artigen Gitarrenmotiv eher gemächlich, durch die abgestoppten Gitarren kommt er aber sehr intensiv. „I will hurt you in the Morning, I will love you in the Night“, rein textlich also ein typischer End Of Green-Track. Im letzten Viertel dann ein Break und eine gesprochene Passage und ein dramatisch gesteigertes „Hurt you, hurt you, love you, love you“ – garantiert ein vehement geforderter Dauergast bei den Konzerten der nächsten Monate (Jahre?).

Die Lover Die:
Der Titel weckt latente Assoziationen in Richtung der Misfits, frühere Arbeitstitel waren hier wohl „Dead“ oder auch „Mon Amour“ (sic!). Ein treibender Track mit kehligen „Ooooh-Ooooh“-Parts, die klingen, als wäre ein Gastsänger am Werk gewesen.

Pain Hates Me:
Zur Erläuterung verrät Setzer, dass das der Song war, zu dem man versucht hat, an Danko Jones wegen eines Gastauftritts heranzutreten. Der war wohl während der Aufnahmesessions im benachbarten Backstage zu Gast, war aber leider nicht zu erreichen, jedenfalls scheiterten die Anfragen der Band an der Hürde seines Managers. Schade, aber auch keine Tragödie. Gepasst hätte es auf jeden Fall sehr gut, denn der Song bzw. das Anfangsriff transportiert auf jeden Fall einen gewissen erdigen Rock-Charakter  und ist sehr groovig. Später gibts dann Type O Negative-artige Männerchöre und gegen Schluss wird noch mal viel Druck aufgebaut, was bestimmt auch mit der straight durchgespielten Snare zu tun hat.

Nach dem ersten „Sixpack“ wurde eine Pause eingelegt um die Gläser wieder zu füllen, die ein oder andere Blase zu leeren und auch um die ein oder andere Lunge weiter zu teeren. Danach gabs dann den zweiten Teil mit weiteren sechs Songs.

Let Sleeping Gods Lie:
Der Titel klingt nach einer Referenz an ihre ehemaligen Münchner Labelkollegen. Ein sehr hymnischer Beginn und der Gesang lässt sich ordentlich Zeit bis er in den Song eingreift. Als Hubers charakteristische Stimme dann loslegt bleibt der schwelgerisch-sphärige Charakter trotzdem bestehen, Textpassagen wie „As the Moon and Stars collide“ passen da sehr gut ins Bild. In der Mitte übernimmt dann der Groove das Ruder und es darf auch mal ordentlich das Feedback zelebriert werden bevor erneut herrliche zweistimmige Gesangsparts folgen.

Ghostdance:
Es wird direkt zu Anfang klar gemacht, dass hier der Rock regiert. Die erste Strophe hibbelt schon richtig ungeduldig auf den Zehnspitzen rum, bevor der Song mit dem Refrain dann endlich richtig lospreschen darf. Die Snare klopft den Refrain komplett durch, in der Bridge kommen dann viele Gesänge übereinander (teilweise angezerrt) zum Einsatz – wobei, ne Bridge war das an sich nicht, das war nämlich der Schluss! „Ghostdance“ ist einer von zwei Songs, der beim Bezug des Studios nur als Fragment vorhanden war und bei den Aufnahmen ausgearbeitet wurde.

The Sickness Crown:
„Anschnallen bitte, es geht geradewegs ins Verderben!“ warnte die Band vor diesem Track. Und, unglaublich aber wahr, der bretterte sogar noch fetter als die bisher gehörten aus den Boxen! Ein sehr treibendes Teil mit fast schon aggressiven Schreien und erneutem „Ooooh-Ooooh“-Einsatz – der bisher untypischste der gehörten Songs.

Sunday Mourning:
Cooler Titel und tatsächlich transportiert der etwas ruhigere Song eine morgendliche Atmosphäre. Mit einer Art Rasseln und WahWah-Einsatz auch prima gelungen. In der Mitte dann ein sehr feiner Harmoniewechsel, schön!

Anthem For A New Wave:
Der zweite Songs, der vor den Aufnahmen nur als Fragment stand. Straight, treibend und im Vergleich mit den anderen Songs irgendwie überraschend kurz.

The End:
Es ist zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, dass die Schwaben ihre Alben mit düsteren „Suicide-Hymnen“ beenden und „The End“ bricht keinesfalls mit dieser Tradition. Nachdem das erste Viertel des Songs klar vom Gesang dominiert wird und sich die andere Jungs zurückhalten, krachen sie dann mit Wucht dazu und der Song gerät sehr intensiv. Zur Hälfte dann ein Fade und ein Gewitter (das kam nicht von draußen, nein!) und der Auftritt für die Akustikgitarren. Nach kurzer Zeit fadet der Produzent den Song dann obwohl auf seinem Monitor noch einiges an Material zu sehen war. Laut Drummer Matze wird „The End“ ab sofort jede End Of Green-Show beenden!

Stichwort Akustikgitarren: am Tag nach der Listening-Session hat die Band in einem großen Raum im Gebäude fünf Songs im Unplugged-Gewand aufgenommen, und zwar live. Diese fünf Songs (Everywhere, Melanchoholic, Demons, Hurter, Tragedy Insane) werden dann der limitierten Version des Albums als Bonus-CD beiliegen – sehr coole Idee!

Sehr interessant war es auch während der laufenden Songs nicht nur die anwesenden Kollegen zu betrachten, sondern vor allem die Band. Setzer und Drummer Matze grinsten wissend vor sich hin, Gitarrist Merkle verzog wie auch Sänger Huber kaum eine Miene wohingegen Bassist Hampez jeden Song extrovertiert mitging. Im persönlichen Gespräch war später deutlich zu merken, wie glücklich die Jungs mit dem Resultat und den Aufnahmen sind.

Meine persönlichen Highlights nach dem ersten Hören: „Hurter“, „Let Sleeping Gods Lie“, „The Sickness Crown“ und „The End“. Generell klingt das ganze Material enorm organisch und direkt ohne aber zu versäumen auch ordentlich Brett aufzufahren. Keyboards sind entweder sehr gut versteckt oder tatsächlich nicht vorhanden und auch auf dem Gesang gibts keinen generellen Hall. Trotzdem man sich vorher nicht gekannt hat, scheint es zwischen Band und Produzent zu einem klassischen „Gesucht und Gefunden“-Erlebnis gekommen zu sein. Es herrschte jedenfalls eine sehr gelöste und herzliche Atmosphäre und die Band wird wohl auch in Zukunft wieder in die unendlichen Weiten des Weltraums vorstoßen um neues Material aufzunehmen.
Zu bemängeln gibt es eigentlich nichts, es herrscht hier ganz eindeutig die Begeisterung vor, das einzige, das ich ändern würde, wären die Songtitel von „My Crying Veins“ und „Hurter“, die finde ich irgendwie etwas zu plump für die Band, aber da drückt wahrscheinlich auch wieder der Erbsenzähler durch... Wenn der oben erwähnte 95%ige Schnappes tatsächlich etwas mit der Qualität des Albums zu tun haben sollte, dann wird das Zeug unter Musikern demnächst reißenden Absatz finden, denn „The Sick’s Sense“ wirft nach dem ersten Hören derart große Schatten voraus, dass man selbst als Fan der ersten Stunde von einem Volltreffer ausgehen kann. Natürlich bedarf es mehrerer intensiver Durchläufe um ein detaillierteres Urteil abzugeben, aber mehr als gelungen ist das Album jetzt schon, ab 22. August kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen!

Thomas Jentsch

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