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Tja, Metaller haben es nicht leicht, ist man als Black-Metaller noch true, wenn man Altenpfleger lernt? Wie mache ich aus meiner quietschroten Rostlaube ein glaubhaftes Evil-Mobil wenn auch das riesige schwarze Pentagramm nichts hilft? Diesen und anderen Fragen des Metaller-Daseins und der Szene im allgemeinen widmet sich der Braunschweiger Autor Till Burgwächter von der satirischen Seite. Bereits sein erstes Buch traf auf großen Anklang in der Szene, das zweite Werk "Schmerztöter" erschien Ende 2003 und die dazugehörige Lesereise (!) führte ihn auch auf die Alb, ins Rock It nach Aalen.

T: Du warst gestern in der Ludwigsburger RoFa, der Metal-Hochburg der Region, wie wars denn?
TB: Metal-Hochburg, das auf jeden Fall! Und es war mal wieder richtig Klasse.
T: Ach Du warst schon mal da?
TB: Ja...
T: Ich war das letzte mal beim No Mercy-Festival mit Death Angel und Testament in der RoFa, die haben doch jetzt irgendwie umgebaut und im ersten Stocken nen separaten kleineren Club, hast Du da gelesen?
TB: Genau, beim ersten Mal war der obere Club noch nicht fertig, da hab ich unten gelesen. Der kleine ist für derartige Veranstaltungen ideal, die machen da ja auch kleinere Konzerte.

T: Wie muss man sich so eine Lesung von Dir vorstellen, liest Du einfach Passagen aus dem Werk vor, oder hast Du auch neue bzw. aktuelle Texte die Du einbaust?
TB: Wenn neue Sachen dazukommen, dann nehm ich die auch immer ins Programm. Das ist jetzt auf der Lesereise auch so, ich schreib was Neues und etwas Altes fliegt dafür raus. Teilweise verändere ich die Texte auch ein bisschen, weil Du Sachen oft nicht so vorlesen kannst, wie sie geschrieben sind und ansonsten erzähl ich nebenbei halt ein paar Anekdötchen, wie sich?s eben so ergibt.

T: Wie ist Dein Background? Ich hab gelesen, dass Du selbst auch Musikjournalist bist?
TB: Genau, ich schreib ab und an für den Hammer, bin freier Mitarbeiter. Ich schreibe aber auch noch für ganz normale Tageszeitungen im Kulturbereich.
T: Da dann aber nicht metal-spezifisch...
TB: Nönö, alles Mögliche, von Lesungen über Theaterstücke, Bücherrezensionen... aber bei einer Zeitung schreibe ich auch für den Lokalteil, also schon auch mal über das Kaninchenzüchtertreffen, Chorprobe etc.

T: Du scheinst mir über weite Strecken etwas hin und her gerissen zwischen distanzierter Ironie und eigener Verwurzelung in der Szene - bist Du echt Manowar-Fan?
TB: Wenn man ne gute Satire machen will, dann muss man schon Fan vom ?Opfer? sein oder irgendwie hinter der Sache stehen, das ist schon Grundvoraussetzung. Das ist also schon gewollt, dieses hin- und her-gerissen zwischen Fan und sich drüber lustig machen. Also, auch wenn?s peinlich ist: ich bin Manowar-Fan!
T: Nun ist die Szenen ja nicht gerade für ihren Humor bekannt... Man sieht ja auch oft Bilder in Mags, wo ich mich z.B. vor Lachen wegschmeiße, die Künstler (?) meinen das aber tatsächlich ernst! Ich denke da auch immer gerne an Bands wie z.B. Metalium, deren Bandfoto lange bei uns im Proberaum hing und immer mal wieder für nen Lacher gut war: die sind da alle mit silbriger Bodypaintingfarbe verschönert und kucken bierernst ? und meinen das auch so!

T: Da kriegen ja auch viele ihr Fett weg, u.a. auch Götz vom Rock Hard, gabs auch Leute, die offensichtlich keinen Spaß verstehen und sich beklagt haben?
TB: Ich hätte mit viel mehr bösen Briefen oder E-Mails gerechnet. Es gab vielleicht eine handvoll E-Mails und zu dem neuen Buch gabs eine Morddrohung! Die war von nem Black-Metal-Fan; das Thema wird ja in ?Schmerztöter? auch abgehandelt. Aber kurz später kam dann eine zweite E-Mail in der er dann aufklärte, dass diese erste Morddrohung ein kleiner Spaß war...
T: Ach so, toll ? was haben wir gelacht!
TB: Genau...
T: Du hast Dich also wochenlang nicht mehr aus dem Haus getraut, Polizeischutz angefordert usw.
TB: Nicht ganz so, ich bin ja nicht der Herr Tolkien!

T: Unter anderem schreibst Du auch über Amon Amarth, die Band fand ich zwar immer OK, hab mich aber nie intensiv mit ihnen beschäftigt: die haben scheinbar Hakenkreuze verwendet, ihr Bandname stammt von nem christlichen Autor? War mir gar nicht bewusst, sollte man da was wissen?
TB: Die hatten auf ihrem ersten Albumcover ein sogenanntes Sonnenrad, was glaub ich ursprünglich aus dem indischen Raum stammt, woraus später dann das Hakenkreuz entwickelt wurde. Das war natürlich nicht besonders clever und hing ihnen eine ganze Zeit nach. Mittlerweile taucht es in Interviews aber auch gar nicht mehr auf. Und Amon Amarth kennt man ja aus dem Herrn der Ringe und Tolkien war halt nachweislich ?Hardcore-Christ?.

T: Ein Kapitel Deines Buches widmet sich Reunions, die ja in vielen Fällen echt nicht sein müssen, ich sag nur Crematory. Life of Agony und Candlemass tauchen in Deiner Liste z.B. aber nicht auf, kann man da auf persönliche Vorlieben rückschließen?
TB: Ich hab mich hingesetzt und den Text geschrieben und einfach festgehalten was mir so auf Anhieb in den Sinn gekommen ist. Die Bands hab ich aufgeschrieben und dann alphabetisch geordnet und abgehandelt. War also eher so aus der Hüfte geschossen, wie viele Bands fallen mir jetzt in einer Minute ein, zack-zack! Life of Agony haben sich glaub ich wieder aufgerafft nachdem dieser Text geschrieben wurde...

T: Laut Biografie hast Du nicht nur 3 Schulklassen übersprungen sondern bist auch Fußball-Fan. Welcher Verein? Schalke, BVB, FCB und Frankfurt scheiden nach Lektüre des Buches eher aus...
TB: Definitiv! Absoluter Fan bin ich vom FC St. Pauli, im Moment leider Regional-Liga. Ich bin aber absolut Fußball-süchtig, d.h. ich geh auch ins Stadion, wenn?s sich eben anbietet und meinetwegen grade HSV gegen Bayern spielt. Auch wenn ich beide nicht mag. Ich schau mir alles an, was ich so kann...
T: Ja aber nicht so Ersatzdrogen wie Frauenfußball, Hallenturniere etc.
TB: Es gibt Grenzen! Auch Elefanten-Polo und ähnliches muss dann nicht mehr wirklich sein...

T: Zum Schluss gibts in Deinem Buch dann noch "Bonustracks", wie kommts denn dazu? Normalerweise ist man sowas eher bei CDs zum Kaufanreiz im Gegensatz zum Brennen gewohnt...
TB: Es sollte einerseits natürlich ein kleiner Gag in die Richtung der CDs sein, keine Frage. Andererseits hab ich ?Bedienung? (einer der Bonustracks im Buch) bei vielen Lesungen schon immer dabei gehabt und der kam auch bei den Metal-Fans sehr gut an und so kam der eben dazu. Der ?Copy kills Musicians? ist ja auch ne Sache, die den Metal-Bereich streift und so kam der eben auch noch mit ins Buch.

T: Ich hoffe ich berühr da jetzt keinen wunden Punkt oder ein sensibles Thema, aber ich find das Geschriebene im Buch sehr fein. Die Illustrationen fallen aber im Gegensatz zum Text doch deutlich ab... Wer ist dieser ?Ray?, ein Freund, dem man nicht wirklich die Wahrheit zumuten kann?
TB: Die Illustrationen in beiden Büchern sind von verschiedenen Leuten und sind jeweils auf Initiative des Verlages integriert worden, ich hab damit also überhaupt nichts zu tun und kenn die Leute auch nicht!

T: Hast Du das Seepferdchen-Abzeichen? Und wo fährst Du denn in Urlaub hin? (Fragen zu Themen aus dem Buch!)
TB: Ich selber habe sogar nen Freischwimmer! Und in Urlaub fahr ich gar nicht, weil ich?s mir natürlich nicht leisten kann! Außerdem wohne ich im wunderschönen Niedersachsen und da braucht man ja dann auch nicht in Urlaub wegfahren...
T: Wie, Du kannst Dir das nicht leisten, Du arbeitest doch, da hat man doch automatisch mal Urlaub?
TB: Naja, in letzter Zeit waren ich eigentlich nur noch in Deutschland unterwegs... Nordsee, Bayern etc.

T: Wie finanzierst Du Miete, Mettwurst und Metaxa? In die Einkommensregionen eines John Grisham werden Dich die Bücher ja nicht katapultiert haben? (Fragen zu Themen aus dem Buch!)
TB: Miete brauche ich glücklicherweise gar nicht finanzieren, Mettwurst zahlt meine Freundin und Metaxa mag ich gar nicht!

T: Wie bist Du denn dazu gekommen ein Buch zu schreiben? Bei vielen Autoren geht das ja eher unfreiwillig (siehe Stephen King etc.)...
TB: Nee, das war schon aus freien Stücken. Das ist in gewissem Rahmen ein ?Nacheifern?, ich hab da ein großes Vorbild, Widmar Wischmaier (Chef des Frühstüxradios), der bei uns oben relativ bekannt ist. An dem hab ich mich schon ein bisschen orientiert und wollte schon mit 16 Jahren Bücher schreiben. Das ist einfach so wie manche Leute sagen ?Ich werd Musiker?. Ich hab mir dann einfach die Metal-Szene rausgegriffen, weil?s das a: noch nicht gab, b: ich mich da auskenne und mir c: relativ viel dazu einfällt! So ist das dann gekommen...
T: Ok, das ist aber bei beiden bisherigen Büchern immer noch so ein journalistischer Ansatz, hast Du jemals darüber nachgedacht, die nächste Stufe, also vielleicht so ne Roman-Handlung, anzugehen?
TB: In die Richtung gibt es schon auch Überlegungen und ich werde mich irgendwann wohl ranwagen, bzw. es ist schon was geschrieben, da bin ich aber nicht mit zufrieden. Wird also irgendwann auch kommen, im Bereich der fantastischen Literatur wird das wohl angesiedelt sein...

T: Und wie arbeitest Du? Eher so diszipliniert, dass Du Dich jeden Tag zu ner festen Zeit hinsetzt und zwei Stunden schreibst...
TB: Mindestens... Ich hab mein Studium geschmissen und hab gesagt ich bin jetzt freier Journalist und Autor und allein um diesen Schritt zu rechtfertigen, braucht man eine gewisse Disziplin. Ich hab mir vorgenommen: Wenn Dus machst, dann machst Dus richtig! Ich arbeite wirklich jeden Tag. Ich steh spätestens um neun Uhr auf und arbeite oft bis 20 Uhr, oft auch länger. Klar mit Pausen, denn durch den Tageszeitungsjob muss ich schon ab und an mal irgendwo hin.
T: Wo und wie schreibst Du?
TB: Unterwegs gar nicht, nur daheim an meinem Rechner.

T: Liest Du selbst auch ne Menge Bücher?
TB: Oh, ich bin ein literarischer Allesfresser, musikalisch total engstirnig hör ich wirklich nur Metal, aber literarisch wirklich alles. Von Satire über Krimis, Horror, allgemeine Themen; Biografien ? alles! Meine absoluten Lieblingsbücher aus dem deutschen Bereich sind die Krimis von Bernhard Schlink (?Selbs Mord?, Selbs Justiz?, ?Selbs Betrug?).

Nach dem angenehmen Gespräch dann kurze Zeit später die Ernüchterung: es sind gerade mal 11 Zahlende anwesend und der Autor entschließt sich in Absprache mit dem Veranstalter nicht zu lesen ? schade! Metalpublikum, Satire und Bücherlesen geht wohl doch nicht so gut zusammen ? jedenfalls nicht auf der Ostalb!!

Das Interview wurde von Thomas Jentsch geführt.

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