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Im Rahmen ihrer Europa Tour traf ich Sänger Rick am 21. Juni in Will. Wir hatten ein cooles Gespräch über Straight Edge, die Reunion und die neue Platte.

Das letzte Interview, das ich mit Andrew geführt habe, war noch vor der Veröffentlichung von "Angermeans". Was kannst jetzt, da das Album veröffentlicht wurde, dazu sagen?

Wir sind sehr glücklich mit dem Album. Die Musik darauf ist die beste die wir je geschrieben haben. Ich persönlich bin mit der Produktion nicht zufrieden. Wenn die Produktion besser wäre, dann wäre das ganze Album viel besser. Aber die gegebenen Umstände unter denen das Album entstand waren auch nicht die Besten. Wir hatten nur wenig Zeit und Geld. Es war sehr hart. Außerdem mussten wir alle nebenher arbeiten. Es lief so ab, dass wir eine Nacht im Studio verbracht haben und dann oft erst eine Woche später weitermachen konnten. Wir konnten uns auch während dem mixen und mastern nicht voll darauf konzentrieren. Das nächste Album wird aber besser werden.

Ja, der Sound eurer alten Platten war viel besser.

Du hast recht. Der Sound ist OK, aber eben nicht so gut wie er sein sollte. Es könnte viel besser sein. Ich hätte Lust, das Album neu zu mixen und zu mastern und dann neu zu veröffentlichen. Aber Victory werden sich darauf auf keinen Fall einlassen.

Wie war der Songwriting Prozess?

Es war eigentlich sehr einfach die Songs zu schreiben. Wir haben einen neuen Drummer. Sein Name ist Erin, er hat mit Shelter auf ihrer letzten Europatour gespielt. Eines unser Hauptprobleme in der Vergangenheit war, dass unser Drummer nicht auf Tour gehen wollte und nicht viel Proben wollte. Wir waren einfach nicht tight genug. Wir haben nicht hart genug gearbeitet. Erin widmet sich aber zu 100% der Band. Er hat uns mit seiner Begeisterung angesteckt. Wir proben jetzt mindestens dreimal pro Woche, manchmal mehr. Wir haben auch schon sechs Songs für das nächste Album geschrieben. Alles läuft sehr gut. Wir sind jetzt mehr bei der Sache und es ist wieder aufregend neue Songs zu schreiben und Live zu spielen. Jetzt da wir wieder zusammen sind fühlen wir alle die neugewonnene Freiheit mehr interessante Musik zu schreiben und auch mehr die Musik zu schreiben die wir wollen.

Ihr habt also die Kraft zurückgewonnen die ihr vor dem Split verloren hattet?

Ja. Wir haben uns damals aufgelöst weil wir sehr frustriert waren aufgrund von was mit unserer Band geschah und was in der Hardcore Szene passierte. Wir waren eine lange Zeit zusammen und wir glaubten damals, dass es einfach an der Zeit war aufzuhören. Als wir uns wieder formierten, war es wie ein neues Leben.

Was war denn so frustrierend in der Hardcore Szene?

Als wir noch eine Straight Edge Band waren, war es unsere Hauptmessage verschiedene Hardcore Kids zusammenzubringen. Sogar in der Szene gibt es eine Teilung. Du weißt ja, es gibt hier die Straight Edger, dort die Veganer und dort wieder andere. Für uns sah es so aus, als ob die Straight Edger immer faschistischer wurden. Als ich noch ein Kid war und auf Shows ging, mussten wir uns Sorgen über Nazis machen die auftauchen könnten. Ende der 90er musste man sich sorgen machen, dass Straight Edge Kids auftauchen und Schlägereien anzetteln könnten. Das fand ich einfach lächerlich. Das hat mich total enttäuscht und verärgert. Ich wollte kein Teil mehr davon sein und auch nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden. Als ein Sänger und Texter in einer Band hat man die Aufgabe möglichst viele Leute mit deiner Message zu erreichen. In unserem Falle war das "Unity". "Unity" unter allen Menschen, nicht nur in der Szene. Es gibt in der Welt sehr viel mehr Probleme als rauchen oder nicht-rauchen. Wir versuchen heute eher diese größeren Probleme zu thematisieren. Wenn wir aber nicht in einem einzigen Gebäude zusammen sein können, wie sollen wir das in der Welt sein? In der Welt da draußen liegen die Probleme. Wir sollten uns mehr darauf konzentrieren als auf uns selbst als Individuen. Gewalt und Teilung gehören nicht in die Punk und Hardcore Szene. Wovon reden wir eigentlich gerade?

Wir reden von "Dingen die dich in der Szene frustrieren".

Ja, stimmt. Sorry, ich schweife immer etwas ab. Unser Hauptziel ist es jedenfalls die Leute zusammenzubringen und sie durch die Musik und das was die Hardcore und Punk Kultur zu bieten hat, zu bilden. Denn ich denke es gibt viel zu lernen und viele positive Erfahrungen die auf Hardcore Shows und in der Szene gemacht werden können. Aber wenn die Leute anfangen zu große Egos zu bekommen und Elitär werden, sind sie nicht besser als der Nazi vor dem ich mit 16 Angst hatte. Alles was du damit tust ist die Leute zu verärgern. Wenn du Vegan Straight Edge lebst, ist das schön für dich. Go for it. Ich befürworte immer noch den Straight Edge Lebensstil. Ich bin jetzt 30 Jahre alt und ich brauch es nicht mehr in meinem Leben. Ich stehe auf meinen eigenen Füßen und brauch keine Regeln von anderen. Aber wenn man noch Straight Edge ist, egal ob alt oder jung, finde ich das gut. Ich werde nie schlecht über Straight Edge als Philosophie reden. Aber es gibt dir nicht das Recht ein Arschloch zu sein.

Du hast vorhin gesagt du widmest dich textlich jetzt den größeren Themen. Welche Themen sind das?

Auf "Angermeans" habe ich mich dem Thema der Gewalt angenommen, aber auch aktuelle Themen wie dem mittleren Osten und was am 11ten September geschah. Die heutige Welt ist auf dem direkten Weg zum Teufel. Das ist offensichtlich für mich, ich glaube das ist offensichtlich für jeden der nicht in der Politik ist oder Macht hat. Die Leute die keine Macht haben kennen die Antworten auf die Probleme. Wir müssen uns irgendwie Gehör verschaffen. Die Mächtigen werden die Welt zerstören. Es ist für mich auch nicht die Frage ob es passieren wird, es ist nur die Frage wann es passieren wird. Es wird passieren. Um ehrlich zu sein sind meine Aussichten für die Existenz der menschlichen Rasse auf diesem Planeten sehr düster. Ich denke es steht kurz bevor. Ich schreibe also mehr darüber. Die Texte sind sehr düster und pessimistischer. Ich gebe aber nicht auf, ich lebe mein Leben immer noch so gut ich kann. Ich versuche die Menschen gut zu behandeln. Aber ich denke trotzdem das es fast zu spät ist.

Kennst du irgendwelche Lösungen für die Probleme der Welt?

Die Ausrottung der Menschheit. Das denke ich.

Und dann die Evolution wieder von neuem beginnen lassen?

Ja, genau. Da wir es gerade von Extremisten hatten. Gehen wir von Straight Edge zu religiösen Extremisten. Ich glaube wirklich das religiöse Extremisten die Welt in die Luft jagen werden. Indien und Pakistan stehen unmittelbar vor einem Atomkrieg und jemand hat kürzlich versucht eine schmutzige Bombe in die Staaten zu schmuggeln die in einem Meilenweiten Radius alles vernichtet. Es geht nicht mehr darum ein Gebäude oder ein Auto in die Luft zu jagen, es geht heute darum ein Land oder eine Stadt zu vernichten. Ich glaube, wenn man sich einmal auf diesem Level befindet gibt es kein zurück mehr. Ich hoffe und bete wirklich, dass die politischen und religiösen Führer dieser Welt zu Sinnen kommen. Hauptsächlich die religiösen Führer. Ich glaube, dass das Thema Religion auf unserem nächsten Album eine große Rolle spielen wird. Ich glaube an Gott, an eine höhere Macht, aber ich glaube nicht an Religion. Ich verstehe einfach nicht den Grund warum man seine Brüder und Schwestern töten muss weil ein Gott es befiehlt. Das ist so primitiv. Es entbehrt jedem Verständnis für das menschliche Leben. Ich werde viel darüber schreiben, da es etwas ist, was mich zur Zeit jeden Tag beschäftigt.

Im letzten Interview hat Andrew Gastauftritte anderer Musiker für das Album angekündigt. Davon ist aber nicht viel übrig geblieben.

Ja, wir haben mit einigen Leuten geredet die etwas machen könnten. Wir haben uns dann aber entschieden, das Album alleine zu machen. Ich persönlich hätte mich schlecht gefühlt andere Leute von anderen Bands auf das Album zu holen um uns bei unserer Musik zu helfen. Das wäre billig gewesen. Ich glaube das brauchen wir nicht mehr zu tun. Grundsätzlich mag ich es mit anderen Leuten zu arbeiten. Es gibt viele Musiker die ich sehr respektiere und mit denen ich gern arbeiten würde. Wir haben das auf unserem letzten Album gemacht.
Trotzdem ist auf dem Album Eric Bobo, der Percussionist von Cypress Hill, auf dem Song "From these Graves" zu hören. Als wir die Vocals in einem kleinen Studio aufgenommen haben, haben wir dort ein Mädchen, Elly, aus England getroffen die dort Geige geübt hat. Wir haben ihr zugehört und sie schließlich gefragt ob sie auf unserem Album spielen will. Sie hat sofort zugesagt und die Geige am Ende von "Angel´s Wings" eingespielt. Das war cool. Außerdem hat meine Frau einen Klavierpart eingespielt. Das war alles nicht geplant, sondern hat sich so ergeben.
Aber ja, ursprünglich war es geplant andere Musiker einzuladen, aber wir haben beschlossen, dass es besser ist erst mal wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

Um zu beweisen, dass ihr wieder Stark seid?

Weißt du, ich finde wir haben schon einige Erfahrung als Musiker und wir hören so viel verschiedene Musik die uns beeinflusst. Wir sollten eigentlich wirklich keine Probleme haben die Songs zu schreiben die wir wirklich wollen. Wir können uns immer verbessern. Das ist sehr wichtig. Mann sollte immer danach streben sich zu verbessern. Wenn eine Band damit aufhört klappt es nicht mehr. Das war auch vor unserem Split ein Problem. Wir waren an einem Punkt an dem wir nicht mehr einfach loslassen konnten, sondern uns überlegen mussten was die Kids hören wollen und was zu Strife passt. Wir standen vor der Entscheidung entweder ein zweites "In this defiance" oder ein Album das wir selbst wollten aufzunehmen. Wir konnten uns nicht entscheiden. Keine unserer Songideen passten zu uns. Wenn man einen Song schreibt und sein ganzes Herz reinlegt und die anderen sagen, dass es ihnen nicht gefällt, ist das sehr frustrierend. Wir haben uns jetzt entschlossen die alte Haut abzustreifen und einfach zu machen was wir wollen.

Ihr hattet damals schon diesen Song "Untiteled" der sehr progressiv war für Strife.

Ja, ich mag den Song sehr. Er hebt sich total von dem ab was wir sonst machen. Auf dem neuen Album sind ein paar Songs die etwas in diese Richtung gehen. Wir machen einfach das wonach uns der Sinn steht. Wir haben aber auf dem neuen Album auch viele Songs die sehr Metal sind. Wir werden zur Zeit sehr von Bands wie Slayer oder Sepultura beeinflusst. Das hören wir uns gern an. Es gibt zur Zeit viele gute Hardcore Bands die sehr technischen Metal spielen. Wir spielen mehr das straighte Zeug. Ich mag Songs die einfach rocken. Nicht so sehr das technische Zeug, nach dem Motto: "Schaut wie toll ich Gitarre spielen kann." Damit kann ich nichts anfangen. Das hat mehr was mit Gitarrenunterricht zu tun als mit Gefühl. Deshalb lassen wir es rocken. Viele Songs sind wirklich sehr heavy. Dann sind da aber auch welche die etwas...hmmm ich will jetzt nicht sagen "soft", denn das sind sie definitiv nicht, aber sie Krachen eben nicht ganz so. Der Titeltrack beispielsweise.

Warum habt ihr beschlossen das Album "Angermeans" zu nennen? Das war ja ebenso der Name der Band die ihr nach dem Split gegründet habt.

Es hat einfach gepasst. Ich fand schon immer, dass es ein guter Name für ein Album ist und nicht für eine Band. Ich mochte ihn nicht als Bandname. Ich fand ihn immer zu....hmmm....wütend. Wir versuchen mit dem Album die Auswirkungen von Wut und Gewalt zu zeigen. Deshalb haben wir auch dieses militärische Layout. Es ist übrigens witzig, dass Franklin von Shelter, der jetzt bei uns spielt, auch bei Angermeans gespielt hat.

Ist er eigentlich ein festes Mitglied in Strife?

Für uns ist er das. Ich hoffe, dass er bleibt wenn wir zu Hause sind.

Einer der Gründe für den Split war es auch, dass die Band zu viel Arbeit wurde und ihr den Spaß daran verloren hattet.

Ja. Wir hatten damals die Gelegenheit mit Sepultura in Europa zu Touren. Das war eine unglaublich große Sache für uns. Sepultura jeden Abend zu sehen und sie als Menschen zu kennen, war sehr inspirierend und eine gute Erfahrung. Es kam dann die Frage auf warum wir selbst nicht voran kommen und nicht das selbe tun können wie sie. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir so gut sind wie Sepultura, aber es gibt da draußen einen Haufen schlechter Musik. Wir haben nie Geld von unserem Label bekommen und es war immer ein Kampf auf Tour gehen zu können. Ich musste meine Frau mit 500 Dollar minus auf meinem Konto zurück lassen. Wir müssen alle Miete bezahlen. Von dieser Tour komme ich jetzt mit ca. 1000 Dollar nach Hause. Vielleicht etwas mehr, da wir ganz gut Merchandising verkaufen. Ich brauche nicht viel Geld, ich will kein Rockstar sein. Aber ich will das machen können was ich liebe, meine Rechnungen bezahlen können und ab und zu meine Frau mit auf Tour nehmen. Ich lebe ein sehr einfaches und bescheidenes Leben. Ich möchte nicht immer zu meiner Frau, der liebe meines Lebens, sagen müssen, dass ich wieder für einen Monat weggehe und sie mit den ganzen Probleme allein lassen muss. Das ist nicht fair ihr gegenüber. Daraus resultiert, dass ich auf Tour immer gestresst bin. Die einzige Zeit auf Tour in der ich wirklich Spaß habe sind die 40 Minuten auf der Bühne. Es ist natürlich cool zu touren, man trifft nette Menschen und sieht schöne Orte. Aber im Hinterkopf habe ich immer die Probleme die Zuhause auf mich warten. Das war damals einer der Hauptgründe warum ich damals aus der Band wollte.

Hat sich das jetzt verändert?

Nein, eigentlich nicht. Aber ich hoffe, dass es sich ändern wird. Ich bin heute zuversichtlich, dass es mit der Band nach vorne gehen wird und wir etwas produktives für unser Leben tun. Wie gesagt, ich will kein tolles Auto fahren oder ein großes Haus haben. Wenn das passiert, passiert es, aber das ist nicht der Grund warum ich heute hier bin. Ich bin nicht hier um Geld von den Kids abzuzocken und mir einen Mercedes zu kaufen.

Glaubst du es war eine gute Entscheidung sie zu reformieren?

Tatsächlich war es eine schreckliche Entscheidung. Der ursprüngliche Grund warum wir wieder angefangen haben zu spielen war, der Tot eines Freundes. Er war unser Roadie und ist mit uns auf alle Touren gekommen. Er wurde eines Nachts in L.A. von einem betrunkenen Überfahren. Wir spielten Benefiz Shows für seine Familie und zu seinem Gedenken. Er hätte es geliebt uns wieder spielen zu sehen, er hat es damals sehr bedauert als wir uns auflösten. Nachdem wir diese drei Benefiz Shows gespielt haben, sind wir zusammen gesessen und haben gemerkt, dass die Band eine gute Sache ist, wir wieder Spaß haben und wir sie am Leben erhalten sollten. Warum eine gute Sache wegwerfen.

Ich habe auch ein Gerücht gehört, dass es Probleme mit eurem Label Victory gab.

Nun ja, Victory war nie das Label für uns das sie hätten sein sollen. Wir haben nie Geld von ihnen bekommen. Sie haben für unsere neue Platte so gut wie keine Anzeigen geschaltet. Sie betreuen uns nur halbherzig, da sie Bands wie Thursday oder Hatebreed haben, die ihnen Geld bringen. Bands wie Snapcase, Earth Crisis, Integrety und Strife haben Victory zu dem gemacht, was sie heute sind. Wir haben aber außer einem Dankeschön nie etwas dafür bekommen.

Werdet ihr noch weitere Alben bei ihnen Veröffentlichen?

Nein, das war unser letztes Album für Victory. Technisch gesehen wären wir auch bei "Angermeans" nicht mehr an den alten Vertrag gebunden gewesen. Sie hatten eine Option darauf und wir hatten noch mit niemandem gesprochen. Wir wollten einfach ein Album draußen haben, also haben wir dieses noch mal bei ihnen rausgebracht. Wir wissen auch jetzt nicht zu welchem Label gehen wollen. Jeder glaubt wir wollen zu einem Major gehen. Aber das wissen wir noch nicht. Wir wollen zu einem Label das uns unterstützt und an uns glaubt. Wenn das ein Major ist, ist uns das recht, aber ein Indie wäre genauso OK. Denn weißt du was, im Endeffekt ist beides das gleiche. Meine Erfahrung ist folgende, sobald ein Indie eine bestimmte Größe erreicht hat, verhalten sie sich wie ein Major. Ein Kid, das die Platten seiner Freunde von seinem Haus aus verkauft und in die örtlichen Plattenläden bringt, ist etwas anderes. So haben wir auch angefangen. Als wir 18 waren und unsere Platte im örtlichen Laden fanden war das sehr cool für uns. Aber sobald man mehr Platten verkauft und sich auf Tour den Arsch aufreißt, sollte man auch dafür entlohnt werden. Oder zumindest das bekommen was man verdient. Victory haben uns das meiner Meinung nach nie gegeben.

Das ist interessant, denn auch andere Musiker, wie beispielsweise Jamie von Hatebreed, lassen kein gutes Haar an Victory.

Ja, er hat auch jedes Recht dazu. Ich finde, dass jede Band, die so viel Platten wie wir oder Hatebreed verkauft haben, sauer auf Victory sein darf. Im Grunde bestiehlt Victory diese Bands.
Wenn wir zu einem neuen Label gehen, muss sichergestellt sein, dass sie uns unterstützen. Dass es Anzeigen für das Album gibt, Tourposter, Promo-CDs und generell eine gute Promotion gibt. Victory würde das nicht für uns tun weil sie glauben wir seien keine Band vermarktet werden kann. Wir werden nie auf MTV sein und das ist OK für mich. Ich muss da nicht hin.

Um noch mal auf diese ganze Straight Edge Sache zurück zu kommen. Würdest du heute sagen, dass es eine eher kindische Angelegenheit war?

Nein. Auf keinen Fall. Es hat mir sehr dabei geholfen aufzuwachsen. Es hat mir geholfen einen klaren Verstand zu waren und herauszufinden wer ich sein will. Das Problem das ich damit hatte war, dass ich am Anfang so sehr darin steckte und so sehr davon eingenommen wurde, dass ich viele gute Dinge verpasst habe. Es gab viele Leute, die früher gute Freunde von mir waren und als ich Straight wurde haben sich diese Freundschaften aufgelöst. Es war nicht so, dass ich gewalttätig oder unfreundlich war, ich wollte aber nur noch mit Straight Edge Leuten abhängen, zu Straight Edge Shows gehen und Straight Edge Musik hören. Dadurch habe ich viele Bands verpasst die ich heute sehr liebe. Das bereue ich sehr. Heute versuche ich offener zu sein. Ich habe heute morgen erst eine Band gehört die mir sehr gefallen haben. Die "Young Gods" eine Band aus der Schweiz. Sie klingen wie Neurosis meets Dead Can Dance. Sehr heavy und episch. Vor fünf bis sechs Jahren hätte ich mir das nicht angehört, weil sie nicht wie Youth of Today klingen. Wie dämlich.
Aber ich würde nie sagen, dass Straight Edge kindisch ist. Nichts ist kindisch, es ist immer das was du damit tust. Autofahren kann kindisch sein wenn du unverantwortlich fährst. Ich fühle mich aber heute viel besser in meiner Haut, da ich tun kann was ich will. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt Heroin spritze, aber ich habe selbst die Wahl.
Auf eine Art ist das liberaler. Das ist jetzt eine persönliche Sache, ein paar Leute werden total ausflippen wenn sie das hören. Meiner Meinung nach kann ich auch ohne Straight Edge zu sein und ohne an etwas festzuhalten, eine Krücke wenn du es so nennen willst, Stark sein. Ich kann immer noch Dinge ablehnen oder aber auch nehmen. Wenn ich ein Bier trinke ist das nichts schlimmes.
Die meisten meiner besten Freunde sind nicht Straight Edge und sind trotzdem wunderbare Leute. Die meisten meiner früheren Straight Edge Freunde waren Arschköcher.
Es gibt aber auch wundervolle Straight Edge Leute, ich habe erst gestern einen kennen gelernt. Er war sehr cool.
Das ist in Europa aber generell anders. Die Leute hier sind viel cooler. Ich will jetzt nicht die amerikanische Szene in den Dreck ziehen. Aber ich denke dass die Amerikaner fett, verzogen und faul sind. In Europa gibt es diese ganze Kultur und es ist vielfältiger. Schau dir die Kids hier an (Anm.d.Verf.: Rick zeigt auf eine Gruppe Konzertbesucher die nicht weit weg stehen) ich habe keine Ahnung auf welche Bands die einzelnen Kids stehen. Ich denke mir mal, dass sie alle hier sind um uns zu sehen, was cool ist, aber deshalb tragen sie nicht alle Kapuzenpullis und Armyhosen. Es ist sehr cool hier.

Ich finde es irgendwie interessant, dass viel Leute die früher sehr starke Straight Edge Aussagen machten wie Ray Cappo oder du selbst, heute nicht mehr straight sind.

Ja, das stimmt schon. Viele geben es auf wenn sie 21 oder 22 sind, wenn sie auf das College gehen. Ich habe erst mit 26 damit aufgehört. Es gibt aber immer noch Leute die mit 30 noch straight sind. Wir haben kürzlich in New Jersey gespielt, und ein paar Kids haben während unserer Show Scheiße geredet weil wir nicht mehr straight sind und uns immer noch Strife nennen. Dieser eine Typ wollte mir erklären was meine Texte bedeuten. Ich habe dann zu ihm gesagt, dass ich das komisch fände, denn ich habe die Texte geschrieben und weiß wovon sie handeln. Offensichtlich war er es, der es nicht wusste. Es ging dabei nie darum jemandem vorzuschreiben was richtig und was falsch ist. Sie waren sogar genau dagegen. Der Typ war 28 und immer noch staight. Schön für ihn, aber er ist ein Arschloch. Jeder im Raum hielt den Typ für einen Depp der mit seiner Aktion nichts gutes bewirkt. Er hat die Show unterbrochen, die Kids vom Tanzen abgehalten. Warum? Damit er wütend nach Hause gehen kann und gegen eine Wand treten kann? Er sollte sein Leben nicht so führen. Komm nicht auf eine Show einer Band die du hasst um Scheiße zu labern. Danke für deine 10 Dollar, fick dich und good bye.

Ihr werdet von jüngeren Bands oft als großen Einfluss genannt. Wie stehst du dazu?

Ich höre das ab und zu. Ich habe aber bisher nur wenige Bands gehört von denen ich sagen würde wir haben sie beeinflusst. Einfach weil die Songs fast die selben sind. Aber das was wir tun ist nichts besonders Originelles. Wir werden selbst auch ständig von anderen Bands beeinflusst. Als wir damals angefangen haben zu spielen war die Szene in einer sehr kritischen Phase. Viele der alten Bands wie Judge, Youth of Today oder Gorilla Bisquits haben sich aufgelöst. Es gab zwar neue Bands wie Mouthpiece, Resuresction, Earth Crisis, Sanpcase oder Outspoken, aber ich glaube wir waren die einzigen die eher den traditionellen Stil aufgegriffen haben. Wir haben uns mit jedem Album entwickelt.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Wir werden noch für drei Wochen in Europa sein. Danach gehen wir zurück in die Staaten und werden versuchen dort eine Tour auf die Beine zu stellen. Hoffentlich können wir dort mit einer größeren Band auf Tour gehen. Um das Album zu promoten. Dann werden wir vielleicht wieder nach Australien und Japan gehen. Hoffentlich können wir im Winter wieder in Europa sein.
Außerdem nehmen wir gerade ein neues Demo auf.
Ohh man, meine Stimme ist ganz schön scheiße. Immer wenn wir auf Tour sind wird meine Stimme nach ungefähr einer Woche ganz schön Scheiß und wird dann aber wieder viel besser. Im Moment bin ich in dieser schlechten Phase.

Hast du sonst noch irgendwelche abschließenden Worte?

Macht in Europa einfach weiter so. Denn von was wir mitbekommen ist es eine sehr gute Sache. Ich fühle mich hier viel willkommener als irgendwo anders. Europa fühlt sich für mich inzwischen ein stückweit wie Zuhause an. Es gibt ihr ein sehr gutes Vibe. Vielen Dank für die Unterstützung. Stay positive!!
Und hört auf euch gegenseitig zu bekämpfen. Obwohl, ich glaube das ist hier sowieso kein Problem. Also fangt nicht damit an.

Das Interview wurde von Rolf Gehring geführt.

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Interview: Kurzes E-Mail Interview mit Gitarrist Andrew (2001)