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Interview mit Michael Todd (Bassist Coheed and Cambria ), 13.12. Backstage in der Stuttgarter Röhre

So solls doch sein, rechtzeitig am Club, Parkplatz vor der Tür bekommen, der Tourmanager ist sehr freundlich und erwartet einen dann auch tatsächlich und mit der Gästeliste später bei der Show klappt dann auch alles. Ich werde also hinter die Bühne geführt, wo ich mich mit einem sehr freundlichen und ruhigen Michael in eine ruhige Ecke verziehe und das folgende Interview führe. Der Bassist, der abseits der Bühne eine Brille trägt, erweist sich als angenehmer Gesprächspartner, hört gut zu, überlegt sich seine Antworten und hat auch noch Humor, wie gesagt ? so solls doch sein!

Hi Michael, wenn ich schon mal nen Bassisten vor dem Mikro habe, dann fangen wir doch auch mit ner Bass-Frage an: Wann hast Du denn angefangen Dein Instrument zu spielen?

Ich hab vor etwa 10 Jahren mit dem Bassspielen angefangen und zwar weil die Band, in der ich damals mit Claudio (Sanchez, Sänger von C&C, Anmerk. D. Verf.) gespielt habe, einen Bassisten brauchte. Eigentlich hab ich ursprünglich Gitarre gespielt, aber da nun mal ein Bassist benötigt wurde, hab ich mich dran gemacht und spiele seither Bass!

Hattest Du Unterricht oder hast Du Dir alles selbst beigebracht?

Ich hab in der Schule allerlei Instrumente gespielt, Schlagzeug, Klavier und eben seit ich 10 war Gitarre und mit 15 bin ich dann auf den Bass umgestiegen.

Als ich Dich dieses Jahr in München zum ersten Mal auf der Bühne gesehen habe, ist mir gleich Dein besonderer Stil aufgefallen, sowohl technisch, als auch mimisch hab ich so was vorher noch nicht gesehen... Es sieht aus, als ob Du unendlich viel Spaß beim Spielen und eine wirkliche Beziehung zu Deinem Instrument hast.

Naja, ich komm schon gut mit meinen Bässen aus, ich liebe sie. Grade die Spector-Bässe vermitteln ein ganz besonderes Gefühl. Und ich spiele schon etwas anders, unorthodox. Mittlerweile bin ich trotz Gitarristen-Vergangenheit auch durch und durch Bassist.

Hast Du spielerisch irgendwelche Vorbilder?

Oh, da fallen mir zuerst mal ne Menge alte Funk-Sachen, wie z.B. Sly Stone und so Sachen ein. Komischerweise hab ich aber viel eher Einflüsse von Schlagzeugern, John Bonham, Stewart Copeland; von denen hab ich wohl am allermeisten gelernt.

Obwohl Ihr ja schon meist eine eingängige Melodie in den Songs habt, passiert da auch sehr viel Interessantes auf der instrumentalen Seite. Wie schreibt Ihr denn Eure Songs? Jammt Ihr, oder kommen die Gitarristen mit fertigen Passagen...

Wir jammen schon ne Menge und ab und an kommt dieses Hauptthema dann erst später dazu, wenn man sich dann zusammensetzt. Ich mach auch viel zusammen mit Josh, unserem Drummer.

Wenn Ihr dann im Studio seid, ist dann alles schon zu 100% ausgearbeitet und wird genau so aufgenommen, oder passiert da noch viel?

Ich würd sagen, dass so ca. 80% stehen, wenn wir uns an die Aufnahmen machen. Gerade beim letzten Album. Früher sind wir auch mal mit nur 10% fertigem Material ins Studio gegangen. Oft ist es aber auch so, dass man denkt, dass ein Song oder eine Idee ausgereift ist und wenn man es dann tatsächlich aufnimmt, ändert man dann doch noch etwas.

Da die Leute ja immer ein Schild brauchen, das sie auf die Schublade kleben, in die sie einen stecken: Wie würdest Du Eure Musik nennen? Wenn man fünf verschiedenen Fans von Euch diese Frage stellen würde, ständen die Chancen nicht schlecht, dass man auch fünf verschiedenen Antworten bekommt. Emo, Rock, Metal, Prog Rock, Art Rock... hab ich alles schon über Euch gelesen bzw. gehört...

Am ehesten dann schon Rock. Wir spielen schon viele verschiedenen Rock-Spielarten, also Progressive Rock, wir haben ein paar lange Songs und wir haben sehr viele Facetten. Wir haben so von allem ein bisschen...

Bevor Ihr 2001 mit Coheed and Cambria angefangen habt, habt Ihr zwei EPs unter dem Namen Shabutie aufgenommen. Wieso habt Ihr denn dann Euren Namen geändert, die Besetzung war doch die gleiche, oder?

Die Besetzung war ein klein wenig anders. Shabutie war jahrelang Claudio, ich und ein Drummer namens Nate Kelly. Dann kam Travis im letzten Jahr von Shabutie dazu. Als Josh dann dazu kam, haben wir uns überlegt unter dem Namen weiterzumachen, aber er hatte sich irgendwie erledigt. Es war was anderes und brauchte somit einen anderen Namen.

Ich dachte es hätte etwas mit der Konzept-Story hinter Euren bisherigen Alben zu tun...

Das hatte auf jeden Fall damit zu tun. Claudio hatte die Idee, die er ursprünglich alleine verwirklichen wollte und die wir dann für die Band übernommen haben. Das Konzept an sich hat auch nichts mit dem Songwriting zu tun und so dachten wir uns, dass das doch mal ne coole Sache wär, eine ganze Band, die auf einer Konzept-Idee beruht.

Stichwort Konzept: ich habe gelesen, dass geplant ist, die Story neben der Comic-Umsetzung, die es ja gibt, auch für einen Film zu verwenden, wie weit seid Ihr da?

Noch nicht wirklich weit. Das sind Ideen und Gedanken aber noch nicht viel mehr, nichts Definitives, nichts Greifbares.

Die erste Auflage des ersten Comics, geht bei ebay mittlerweile für über 100 $ weg. Werdet Ihr gut vom Label bezahlt, oder verkauft Ihr ab und an ein paar Comics um über die Runden zu kommen?

(lacht) Nee, die Comics haben auch gar nichts mit dem Label zu tun, das ist ganz alleine Claudios Sache. Er zahlt die selber, bezahlt den Künstler mit dem er zusammenarbeitet usw. und sie werden dann halt über die Homepage und bei Shows verkauft.

Was sich wohl viele schon gefragt habe: was passiert denn dann, wenn Ihr die Story dann in ein paar Jahren erzählt habt?

Na, da haben wir ja noch ein paar Jahre Zeit und wir lassen das auch gerne etwas im Dunkeln. Vielleicht kommen wir mit ner anderen Konzept-Story um die Ecke, vielleicht auch völlig ohne, vielleicht packen wir auch zusammen und gehen heim? Vielleicht gründen wir zusammen eine ganz andere Band? Wir wissen es selbst noch nicht und lassen das also vorerst offen!

Mit dem zunehmenden Erfolg ist es wohl auch so, dass Ihr immer weniger daheim bei Freunden und Familien seid. Seit dem Release des neuen Albums seid Ihr mehr oder weniger ununterbrochen auf Tour... hast Du Familie?

Nee. Ich telefonier ab und an mit meinen Eltern... Aber hey, wir waren vor der Tour einen Tag daheim, den hab ich dann fast komplett verschlafen. Dann hab ich meine Sachen gepackt und ab gings zum Flieger. Ist schon richtig, ist nicht mehr weit her mit Freunden und Familie, das reduziert sich hauptsächlich auf die Jungs, mit denen ich hier unterwegs bin.

Na, das ist ja dann immerhin etwas, man hat ja schon von Bands gehört, die sich untereinander überhaupt nicht verstanden haben...

Oh, wir kommen sehr gut miteinander aus, wir sind fast schon eine Art Familie.

Naja, sobald dann aber andere Prioritäten ins Spiel kommen, angenommen eine Ehefrau oder gar Kinder...

Naja, ich hab vor sieben Monaten geheiratet und lass mich jetzt wieder scheiden, der Scheiß hat einfach nicht funktioniert...

Wegen der Band?

Teilweise... Manchmal ist das Getrennt-Sein ja gut für ne Beziehung, aber es hat eben einfach nicht gepasst, ich war eh nie daheim, was sollte es also?

Im Internet hab ich gelesen, dass Ihr in den Staaten mit einer riesigen, funktionsfähigen Guillotine auf Tour geht ? die habt Ihr heute nicht dabei, oder?

Nee, die mussten wir daheim lassen, denn das ist schon ein ziemlich großes, ja riesiges Teil. Wir sind jetzt ja auch nur für fünf Konzerte hier und die meisten Bühnen wären eh zu klein für das Ding gewesen, wäre zu teuer gewesen sie mitzubringen. Vielleicht wenn wir dann das nächste Mal bei Euch touren...

Wie weit in die Zukuft plant Ihr denn, wie gehts nach der Europatour im Februar dann weiter?

Wir versuchen gerade als Opener auf eine große Tour in den Staaten zu kommen. Ich glaub zwar nicht, dass es wahr wird, aber wir hoffen, dass es klappt, dass wir mit den Foo Fighters auf Tour gehen. Danach werden wir wohl eine weitere Co-Headliner-Tour in den Staaten machen und vielleicht klappts danach ja mit Australien, Neuseeland und Japan, das wär schon fein.

Wart Ihr da schon mal?

In Japan schon, aber in Australien und Neuseeland noch nicht. Ich hab zur Zeit ein paar Probleme mit der Einreise nach Japan...

Und weswegen???

Naja, die haben noch so ein paar Verstöße in ihren Computern von vor ein paar Jahren. Wir waren halt einmal da und seitdem haben die da ne Akte über mich und ich hab ein paar Probleme mit der japanischen Botschaft...

Kommt Ihr im Sommer dann wieder nach Europa um ein paar Festivals zu spielen?

Auf jeden Fall, da ist einiges geplant...

Habt Ihr denn schon neues Material?

Oh, nur sehr wenig. Wir sind gerade erst richtig gut warm mit den Songs vom neuen Album. Klar jammen wir hier und da beim Soundcheck, und so sind ein paar Parts entstanden, aber noch nichts Konkretes ? wobei ich mir sicher bin, dass Claudio schon so einiges im Kopf hat.

Ihr habt also kein Aufnahmegerät im Bus um Demos aufzunehmen?

Hatten wir auch schon, aber bei der Tour hier nicht. Claudio spielt schon ab und zu auf der Akustikgitarre und nimmt die ein oder andere Idee auf, wir anderen konzentrieren uns aber darauf die Tour zu überleben (lacht)...

Das führt mich gleich zur nächsten Frage. Womit verbingst Du auf Tour Deine Zeit?

Ab und zu gebe ich mal Interviews! (lacht) Ich für meinen Teil lese sehr viel, quasi ständig. Besonders in Europa, da lese ich geschätzte 50% mehr als sonst. (ist das jetzt ne Beleidigung? Heisst das, er findet Europa Scheiße? Anmerk. D. Verf.). Dabei bleibe ich wach und halte mein Hirn fit ? besser als die ganze Zeit nur fern zu schauen ? obwohl, heute habe ich die komplette neue ?Family Guy?-Staffel auf DVD gesehen, das ging glaub ich schlappe vier Stunden!

Und was liest Du dann so?

Oh, Queerbeet, aber schon meistens Romane. Jetzt habe ich grade ?Bee Season? von Myla Goldberg gelesen. Eine New Yorker Autorin glaub ich. Ich bin großer Fan von Milan Kundera, Henry Miller usw., ich lese alles was ich in die Finger kriege. Für ne vierwöchige Tour nehm ich meist so ein Dutzend Bücher mit.

Bevor klar war, dass Du Deinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen würdest, was wolltest Du da werden? Hattest Du Pläne?

Oh ja, ziemlich schlechte... Ich wollte Koch werden. Ausserdem wollte ich schon immer selbst Schriftsteller sein. Ich schreib sehr viel, Tagebücher und so Sachen, hab aber noch nie etwas zusammengefasst. Ich würd also wahrscheinlich immer noch als Koch arbeiten...

Wenn man so viel durch die Welt reist, erlebt man doch bestimmt immer wieder seltsame Sachen. Ich sag Dir jetzt jeweils ein Land, und Du sagst mir dann bitte ein paar Sachen, die Ihr da erlebt habt:

England

Schlechtes Essen!

Oh echt, dann sind die Witze, die man sich hier erzählt wohl Realität! Ich dachte, das wär nur so ein deutsches Vorurteil...

Neenee, das ist eher so ein weltweites Ding! Wobei besonders London mittlerweile fast ein zweites zu Hause ist, wir haben da jetzt schon oft gespielt und man kennt sich langsam. Sind aber schon nette Leute die Engländer ? und trinken können die! Kein wunder, die gehen da morgens um neun in den Pub und trinken erst mal ein Pint zum Frühstück, müssen sich ja auch ranhalten, macht ja alles um 11 zu!

Nicht mehr! Die Sperrstunde ist vor ein paar Wochen abgeschafft worden, ich hab gehört, dass die da tagelang gesoffen haben um das zu feiern!

Cool, das hat auch immer so was von genervt. Ich komme ja aus New York und da haben die meisten Kneipen bis um vier Uhr in der Früh offen.

Frankreich

Da sind wir morgen! Ich hab da bisher nur sehr wenig Erfahrungen gemacht, wir haben erst einmal in Paris gespielt und da bin ich nicht viel raus gekommen. Müsstest Du mich übermorgen fragen, denn wir haben einen Day-off in Paris. Ich versuch auch die Sprache zu lernen, das ist auch noch so ne Sache, die ich auf Tour mache, ich nehm immer so CDs zum Sprachenlernen mit.

Deutschland

Ich liebe Deutschland!

Hey, Du brauchst nicht schleimen, kannst mir schon die Wahrheit sagen!

Nee lass mal, da wär ich jetzt auch viel zu müde um das nett zu verpacken... Die Orte, die ich bisher gesehen habe, zählen wirklich zu den schönsten, an denen ich je gewesen bin. Die Leute sind immer nett und hey, das Bier ist klasse! Die Reaktionen der Leute bei den Shows sind wundervoll für uns.

Auch immer ein wichtiges Land für Deine Landsleute in Europa: Holland

Hmm, ich kann mich nicht mehr an viel erinnern (lacht). Ich war ziemlich platt...

Amster-damned!

Genau, das war ich! Hab da Leute getroffen, mit denen ich die ganze Nacht rumgezogen bin und getrunken habe. Amsterdam ist immer spaßig, manchmal sogar etwas zu sehr...

Italien

Naja, da haben wir auf einem Festival gespielt, waren also recht abgeschottet. Waren auch in keiner Stadt, ich hab Italien also nur Backstage und onstage bei nem großen Festival erlebt... Wir haben recht früh gespielt und es waren u.a. Velvet Revolver am Start.

Schweiz

Kann ich auch nicht wirklich viel drüber sagen, wir haben da letztes Jahr ein Festival gespielt, war glaub ich die Vans Warped-Tour.

Österreich, lass mich raten: Ihr habt ein Festival da gespielt...

Das auch, aber da waren auch ein paar Clubshows, aber ich glaub ich bring da was durcheinander. Ähnlich wie Deutschland in Bezug auf Shows, Leute und Bier.

So Michael, das waren meine Fragen, danke fürs Interview und weiterhin viel Erfolg!

Ich danke Dir, viel Spaß bei der Shows später und machs gut!

Das Interview wurde von Thomas Jentsch geführt.

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