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Am 22.10.01 ging für mich in der Böblinger Sporthalle ein kleiner Traum in Erfüllung. Ich konnte ein Interview mit Slayer führen. Ich hatte 20 Minuten zur Verfügung, in denen ich Kerry King und Paul Bostaph im gemütlichen Backstageraum mit meinen Fragen löchern durfte. Die beiden entpuppten sich als nette und professionelle Gesprächspartner, denen man den langen Interviewmarathon aber doch anmerkte. Speziell Kerry King beschränkte sich bei den Antworten auf das wesentliche.

Ihr habt gerade euer neues Album "God Hates us All" veröffentlicht. Was könnt ihr dazu sagen?

K: It fucking kicks ass!!! Es ist ein Slayer Album.

Denkst du es ist ein typisches Slayer Album?

K: Es ist typisch gut.
P: Ich glaube es gibt kein typisches Slayer Album. Natürlich gibt es den typischen Slayer Sound, aber ich finde nicht, dass sich alle Slayer-Alben gleich anhören. Ich glaube ich habe da ein besseres Bild wie sich der Sound entwickelt hat, da ich nicht immer in der Band war und selber mal ein Fan von Slayer war. Das neue Album ist eher eine Rückkehr zu der primitiven Seite von Slayer. Das letzte Album war sehr modern. Auf dem neuen Album sind wieder mehr Oldschool-Slayer Stücke enthalten. Speziell von der Art her wie wir die Songs geschrieben haben, mit mehr Energie. Tom schreit wieder viel mehr. Beispielsweise "Payback" könnte auch von "Reign in Blood" sein. Es ist ein Song wie er nur von Slayer kommen kann. Aber dann sind auch Songs wie "Seven Faces" drauf die wieder mehr Newschool sind. Ich meine Newschool im Sinne von Slayer, nicht im Sinne von New-Metal. Wir haben uns nicht wiederholt, aber bewusst einige ältere Stilelemente eingebaut die, die Fans hören wollen.

Ihr habt auf diesem Album mit Matt Hyde als Produzent gearbeitet und nicht mehr wie sonst mit Rick Rubin. Warum denn das?

P: Kerry wollte nicht mehr mit ihm arbeiten, denn Rick hat von Metal die Schnauze voll. Wir waren uns alle einig, dass wir mit jemandem Arbeiten wollten der auch auf Metal und heftige Musik steht. Wir haben vor dem Album schon mit Matt an dem Song "Bloodline" für den Dracula 2000 Soundtrack gearbeitet, und wir hatten auch "Warzone" mit ihm gemacht. Als wir ihn zum ersten Mal trafen, hat er sich als sehr netter Kerl herausgestellt mit dem wir sehr gut auskamen. Matt hat, genau wie wir, sehr viel Energie. Als wir dann die Mixe von Bloodline und Warzone gehört haben, war es keine Frage mehr. Er hatte den Job.

Es gab das Gerücht, dass ihr mit Ross Robinson arbeiten wolltet?

P: Wir haben Ross getroffen, aber hatten einfach verschiedene Vorstellungen von dem Album. Darum hat es nicht geklappt. Ross ist aber ein sehr netter Kerl und vielleicht werden wir in Zukunft mit ihm arbeiten.

Wie viel Einfluss hat ein Produzent bei der Entstehung eines Slayer Albums?

K: Ein Produzent ist einfach ein weiteres Paar Ohren. Er sagt uns wie er etwas hört und macht Vorschläge. Wir hören uns alle Vorschläge an, ob wir sie dann umsetzten bleibt unsere Entscheidung. Wenn ich mich von jemandem beeinflussen lasse wird es wahrscheinlich kein Produzent sein. Ich lasse mich nicht von jemandem Beeinflussen den ich einen Monat vor den Aufnahmen zum ersten Mal getroffen habe. Aber wie gesagt, wir hören uns seine Meinung an. Ich kenne Matt jetzt und ich gebe seiner Meinung jetzt auch mehr Gewicht aber die Entscheidung bleibt bei uns.

P: Außerdem gibt es heute wenige Bands die unsere Art von Musik machen. Wer sollte also besser wissen wie die Band zu spielen hat als die Leute die in der Band spielen? Wir wissen ziemlich genau was wir wollen.

Kerry, du hast den größten Teil der Texte geschrieben. Was hast du dieses Mal anders gemacht?

K: Wenn ich normalerweise Texte schreibe sind das mehr Fantasy-Texte, dieses Mal habe ich versucht realistischer zu Schreiben. Natürlich immer noch sehr düster, dass es noch zu Slayer passt, aber eben auch so, dass sich die Fans besser damit identifizieren können. Wenn sie einen Song hören sollen sie sagen: "Hey, da erkenne ich mich wieder, ich weiß genau wovon er da spricht".

Gibt es etwas spezielles was du ausdrücken willst?

K: Nicht wirklich, wir sind keine Priester. Wir wollen niemandem vorschreiben wie er zu denken hat. Ich mag solche Bands nicht, die den Leuten sagen was sie zu tun und zu denken haben. Es geht mehr darum Ideen aufzuzeigen und sagen: "Hey, ist dir das mal aufgefallen?" Mehr auf diese Art. Aber ich werde nie sagen: "Ich denke so und du solltest auch so denken."

Was habt ihr sonst so in den letzten drei Jahren seit dem letzten Album gemacht?

P: Wir waren viel auf Tour und haben das Album geschrieben. Wir haben die Songs in den Tourpausen geschrieben. So waren die Arbeiten immer wieder unterbrochen. Das macht den Entstehungsprozess auch so interessant. Wir hatten praktisch immer dieses Live Feeling beim Schreiben. Das hört man auch auf dem Album. Speziell bei den Drums habe ich versucht das zu integrieren.

K: Wir schreiben nicht gerne auf Tour. Beim letzten mal hab ich zwar ein bisschen auf Tour geschrieben, aber generell machen wir das nicht.

Zur Zeit sind Gastauftritte von Künstlern bei den Alben anderer sehr angesagt, du hast ja selbst einen gemacht (bei Pantera), auf eurem eigenen Alben sind aber nie welche zu finden. Warum?

K: Weil wir Slayer sind und das nicht machen! Ich habe diese Gastauftritte sehr gern gemacht. Als Dimebag (Pantera) mich gefragt hat ob ich es machen will hab ich sofort zugesagt, weil er ein sehr guter Freund von mir ist. Auch Rob Zombie hat mich gefragt und wir sind beim Ozzfest Freunde geworden, also habe ich auch das gemacht. Aber Gastauftritte für ein Slayer Album? Wen sollten wir denn fragen?? Es ist kein Problem, dass ich mal irgendwo anders auftrete, aber Slayer sind eine solch feste Einheit. Wer würde da reinpassen? Ich könnte natürlich Dimebag fragen und das wäre bestimmt cool aber das wäre dann nicht mehr Slayer. Es wäre dann Slayer mit Dimebag. Klar, als ich auf ihrem Album gespielt habe war klang das auch wie Pantera mit mir. Aber das hat Sinn gemacht, weil sie uns Props in dem Song gegeben haben. Aber Slayer mit einem Gastmusiker? Warum? Ich und Jeff haben verschiedene Gitarrenstile und keiner kommt an Paul an den Drums ran. Was soll man da hinzufügen?

Hmm....vielleicht einen Sänger.....um für Abwechslung zu sorgen.....ach Quatsch eigentlich hast du recht.

(Gelächter)

Eine andere Sache die zur Zeit von vielen anderen Bands gemacht wird sind Neben-Projekte. Warum gibt es von niemandem in Slayer ein Nebenprojekt? Oder gibt es doch eins?

K: Nein, es gibt keins. Slayer beansprucht all meine Energie. Die Zeit ist aber das Hauptproblem. Es gäbe schon ein paar Leute mit denen ich gern spielen würde, aber die müssen gleichzeitig wie ich Zeit haben. Das ist schwierig. Außerdem weiß ich nicht wie viel Zeit ich einer solchen Sache opfern will.

Was war der großartigste Moment in eurer Karriere?

K: Wahrscheinlich das erste Mal als wir auf dem Donington Monsters of Rock gespielt haben. Wir hatten davon gehört und in Zeitschriften gelesen, aber man bekommt keinen wirklichen Eindruck davon. Es ist unglaublich groß. Als wir das erste Mal dort waren haben sich all meine Hoffnungen erfüllt. Wir hatten eine tolle Show und alles war sehr cool.

P: Da stimme ich Kerry zu. Als ich zum ersten Mal in Donington mit Slayer gespielt habe war das erst die achte Show die ich überhaupt mit Slayer gespielt habe. Auch ich wusste was Donington ist und ich habe mir immer gewünscht dort zu spielen. Dann spiele ich dort auch noch mit Slayer, was für mich damals schon großartig genug war. Der Auftritt war für Slayer sehr wichtig und ich war noch "der neue". Ich konnte die Show fast nicht genießen, weil ich so darauf konzentriert war mich nicht zu verspielen. Ich habe mir immer wieder gesagt: "Don´t fuck up, don´t fuck up". Ich hatte Angst, dass ich einen von Daves (Lombardo, Pauls Vorgänger) Parts vergessen könnte. Wenn man seit zehn Jahren in einer Band spielt so wie die anderen ist das normalerweise kein Problem aber es war erst mein achter Auftritt mit Slayer. Ich wollte auf keinen Fall derjenige sein der den Monsters of Rock Auftritt versaut.

Wie war das generell für dich als du gefragt wurdest ob du bei Slayer spielen willst?

P: Das war ganz komisch. Ich kannte die Jungs nicht und habe zuerst einen Anruf von ihrem Manager bekommen. Natürlich war ich aus dem Häuschen, es war ja nicht so, dass sie mich nur wollten um eine Tour zu spielen, sie wollten mich richtig in der Band haben. Sie hatten so viel Vertrauen in mich, auch im Hinblick auf die ganzen großen Shows. Das war alles total cool.

Was war das witzigste was euch je auf Tour passiert ist?

K: Hmmm...da fällt mir jetzt gar nichts ein. Wenn wir auf Tour sind und zusammen rumhängen reden wir normalerweise immer viel über die ganzen dummen Dinge die uns passiert sind. Aber so auf dem Stehgreif fällt mir nie etwas ein.
Ich bin mal bei einer Show von Jeffs Seit auf meine zurück gerannt, als die Lichter ausgingen bin ich hingefallen, und gerade als sie wieder angingen bin ich auf dem Rücken über die Bühne gerutscht. Das war sehr witzig. Wir haben aber tonnenweise bessere Geschichten, nur leider fällt mir keine ein.

P: Eine blöde Sache die mir mal passiert ist war als ich mir den Arm auf Tour gebrochen habe. Das war mit meiner alten Band "Forbidden". Es war am Tag nach dem Dynamo Festival. Zum Glück am Tag danach. Aber ich habe die Tour im Gips zu Ende gespielt. Das war crazy.

Ihr habt in den Staaten dieses Gerichtsverfahren am Hals. (Die Band wurde verklagt weil ein Slayer Fan einen Mord begangen hat.). Läuft es noch?? Könnt ihr darüber reden?

K: Der Fall ist eigentlich abgeschlossen, aber das amerikanische Rechtssystem erlaubt dir in Berufung zu gehen bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Das werden die tun. Wir haben Hunderttausende von Dollars ausgegeben um uns zu Verteidigen. Jetzt haben wir zwar gewonnen, bleiben aber auf den Kosten sitzen. Wir sind pleite. Wir können zwar noch unsere Rechnungen bezahlen, aber das war es schon.

P: Ich finde wenn dich jemand verklagt und verliert, dann sollte er auch die Kosten die er dir verursacht hat tragen. In den Staaten werden so viele Klagen wegen blöden Dingen geführt. Ich glaube das wäre dann nicht so.

So funktioniert das hier in Deutschland.

K: Vielleicht sollte ich hierher ziehen.

Allein die Tatsache, dass ihr für eine Tat verklagt wurdet mit der ihr eigentlich nichts zu tun habt ist doch lächerlich.

P: Wir sind eine Band. Wir machen Musik.

K: Man kann alles was jemand sagt aus dem Kontext nehmen und missbrauchen. So wurde es mit uns gemacht. So funktioniert das amerikanische Rechtssystem. It´s just a fucking moneypit.

P: In Amerika ist die Tür für dämliche Klagen wie diese von Leuten die nicht die Verantwortung für ihre Taten übernehmen wollen und auch noch Geld erklagen wollen, weit geöffnet.

Ihr habt ja den Titel als "heaviest Band in the World" inne. Aber es sieht so aus als ob Slipknot diesen Titel jetzt für sich beanspruchen.

P: Slipknot sind klasse. Sie sind eine großartige Band. Sie haben viel Energie, einen tollen Sänger und großartigen Drummer. Lets face it. Zwischen uns gibt es keine Konkurrenz. Slipknot sind gut in dem was sie machen und wir sind gut in dem was wir machen. Ich finde aber das sind zwei verschiedene Sachen. Man kann uns nicht wirklich vergleichen. Ich würde jederzeit mit ihnen auf Tour gehen. They are heavy as fuck.

Könnt ihr zum Abschluss noch ein Statement zu der Tragödie in New York geben?

K: Das ist total surreal. Ein Freund von mir hatte diese Nacht bei mir verbracht. Er wachte morgens vor mir auf und hat den Fernseher eingeschaltet. Er weckte mich und erzählte mir was passiert war. Ich dachte er will mich verarschen und habe ihm gesagt er soll wieder ins Bett gehen und nicht so einen Scheiß erzählen. Aber dann habe ich es selbst gesehen und konnte es nicht glauben. Es ist als ob man diesen Film "Armageddon" anschaut. Leute die auf den Straßen davonlaufen, einstürzende Hochhäuser, das zweite Flugzeug aus den verschiedenen Perspektiven und all das. Ich konnte es zuerst gar nicht begreifen, es war wie im Film. Dann denkst du drüber nach und erst dann wird es dir bewusst. Diese Leute hatten wirklich sehr viel Hingabe, das muss man ihnen zu Gute halten. Aber ich denke auch, dass ihre Vorstellungen und Gründe falsch waren.

Was hältst du von den Konsequenzen die Präsident Bush angekündigt hat?

K: Ich glaube nicht, dass es einen richtigen Krieg geben wird, es wird vielmehr ein langwieriger Prozess im Kampf gegen den Terror sein. Das ist auch wichtig. Niemand auf der Welt will Terror, außer den Terroristen. Wenn man diese beseitigt gibt es keinen Terrorismus mehr. Zumindest nicht bis jemand anders beschließt ein Mörder zu werden.

P: Ich finde die Entscheidung von Bush das ganze als einen Krieg zu bezeichnen ist richtig, denn was passiert ist war eine Kriegerische Tat. Das ist wie wenn ich deine Schwester vor deinen Augen umbringe und dir sage, dass ich wieder jemanden töten werde. Was würdest du tun?? Mich einfach gehen lassen? Sicher nicht.
Wie Kerry gesagt hat, es wird nicht ein richtiger Krieg zwischen zwei Nationen geben. Das ist nicht wie Pearl Harbor, als japanische Kampfflugzeuge ein militärisches Ziel angegriffen haben. Dies ist anders. Es war ein ziviles Flugzeug mit unschuldigen Passagieren das in ein ziviles Gebäude geflogen wurde. Trotzdem handelt es sich um eine Kriegshandlung. Die Täter müssen bestraft werden.

K: Ich will Bühnendekoration aus den Knochen des Arschloches machen der dafür verantwortlich ist.

Habt ihr sonst noch irgendwelche letzten Worte??

K: Nein, ich will sehen wer auf der Bühne ist. Danke für das Interview. (Es waren Biohazard)

P: Viel Spaß noch bei der Show.

Das Interview wurde von Rolf Gehring geführt.

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