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Ein bärenstarkes Album, das gegen Ende des Jahres noch den ein oder anderen geistig schon geschriebenen Poll-Zettel durcheinanderwürfeln dürfte, ist den Iren Primordial gelungen. Das Album hat nur noch wenig mit den Black Metal-Wurzeln der Band zu tun und macht es sich zwischen diversen Stühlen wie z.B. Post-Metal und Doom gemütlich. Eine Band mit einer ganz eigenen Handschrift und Einstellung, kein Wunder, dass sich Sänger und Mastermind Alan A. Nemtheanga im Gespräch als erfreulich eigener Charakterkopf erwies, der weiß wovon er spricht und keine Angst hat mit seiner Meinung auch mal anzuecken.

Helldriver: Hi, ich hab gehört, dass die ersten Reaktionen auf Euer neues Album “To The Nameless Dead” sogar noch besser sind, als die auf den Vorgänger. War das für euch absehbar und was erwartet ihr euch vom neuen Album?

AAN: Wir konzentrieren uns eigentlich immer nur auf das was wir im Moment tun und kümmern uns zu keiner Zeit um die Geschehnisse innerhalb der Szene. Wir nehmen Alben auf, geben unser Bestes und danach ist dann das Label dran was daraus zu machen; aber Du hast schon recht, die Reaktionen sind mehr als positiv seither. Erwartungen hab ich eigentlich keine, man wird sehen!

HD: In den Erläuterungen zum Album erwähnst du, dass das Album eine Art durchgehendes Motiv hat und zwar Nationale Identität. Ich hab ja keine Ahnung, wie dieser Begriff in Irland besetzt ist, aber mit der deutschen Vergangenheit, insbesondere in Bezug au den Zweiten Weltkrieg, wäre es für eine deutsche Band sehr schwierig sich so einem Thema zu widmen, denn man würde sofort in die extreme rechte Ecke gestellt und als Faschist verschrieen werden. Ist das in Irland ähnlich, musst du dich da also oft rechtfertigen und deine Ideen erläutern?

AAN: Mal so, mal so. Dieses Konzept der Nationalität geht ja hunderte, wenn nicht gar tausende Jahre zurück. Ich rede da weder über den Ersten und auch nicht über den Zweiten Weltkrieg. Ich rede vom Konzept an sich, dass Leute daran glauben, dass ein Land ihnen gehört, dass sie große Opfer bringen um eine Zukunft zu erreichen, zu der es oft nicht kommt. Mich kümmert es auch wenig, dass Leute da vorschnell Urteile darüber fällen, ohne sich die Zeit zu nehmen überhaupt darüber nachzudenken, ohne die Texte zu lesen oder ohne mit mir darüber zu reden. Ich muss da auch nichts verteidigen oder richtigstellen. Das sind grundlegende Fragen, die sowohl in Peru als auch in Palästina aktuell sind und mir hat da niemand vorzuschreiben wie ich mich einem Thema annähern darf oder eben nicht. Wenn es in unserer Gesellschaft tatsächlich schon so weit ist, dass man jegliche logische Fragen in Bezug auf Kultur, Politik oder Geschichte nur deswegen nicht zu stellen wagt, weil man Angst hat als politisch rechts oder links eingestuft zu werden, dann sind wir wirklich verflucht. Jeder der mich für derartige Sachen anprangert, sollte bevor er den Mund aufmacht einen Blick auf die Irische Geschichte werfen. Sollen sie nur kommen, ich nehm es diesbezüglich mit jedem auf.

HD: Du schreibst dort unter anderem auch “Keine Kompromisse. Früher nicht. Jetzt nicht. Und auch in Zukunft nicht. Niemals.”. Musik ist aber doch irgendwo immer auch ein bisschen Kompromisse machen. Sobald du einen Plattenvertrag unterschreibst hebst du das Ganze auf ein geschäftliches Level und da muss man dann einen Weg finden, der beide Seiten glücklich macht – oder worauf hast du dich da bezogen als du den Teil der Credits verfasst hast?

AAN: Das ist ne ganz einfache Sache. Wir sind mit dieser Band noch für niemanden irgendwelche Kompromisse eingegangen. Wir tun, was wir wollen, wann wir wollen. Wir sind vom ersten Tag an unseren eigenen Weg gegangen. Ich verstehe auch nicht, was Du meinst, dass Musik auch immer irgendwie ein Kompromiss ist? Das mag so sein, wenn man sich selbst gegenüber, seinen Vorstellungen und seinem Glauben nachgibt – was wir eben nicht tun.

HD: In eurer Musik und den Texten kommen ganz stark eure Wurzeln, euer Land, seine Mythen und Traditionen zum Vorschein. Das ist ja ziemlich gegensätzlich zum Verhalten der meisten Leute heutzutage. Es sieht so aus, als ob der größte Teil der sogenannten westlichen, zivilisierten Welt es darauf anlegt austauschbar zu werden, alle wollen sie das gleiche Essen, die gleiche Kleidung, die gleichen schwedischen Möbel und die gleiche Musik. Bist du denn in einer eher traditionsbewussten Familie aufgewachsen?

AAN: Und gegen eben jene 5-Minuten MTV-Kultur wendet sich Primordial im Kern. Diese gesichtlose Monokultur wo die Leute unter dem Deckmäntelchen einer multinationalen, globalisierten Welt mittels Angst und Ignoranz zum Konsum gedrängt werden. Man kann sich nicht in die Zukunft aufmachen, ohne zu wissen, wo man herkommt. Und wenn man mal versucht das zu verstehen und für die Leute um einen herum positive Veränderungen in seinem Land schafft, dann ist man schon mal ein besserer Mensch, als die meisten um einen herum. Überlegt euch genau, was ihr tut bevor ihr in eine große „Mall“ geht und etwas bei einer Kette kauft. Damit zerstört ihr die alten Stadtzentren, die normale Lebensumgebung der Menschen. Vielleicht ist es ja auch schon viel zu spät, aber ich werde jedenfalls nicht leise und ohne mich gewehrt zu haben abtreten!

HD: In den Anmerkungen zum Song “Traitors Gate” stellst du eine Frage, die sich wohl schon viele vor dir gestellt haben: “what is it within a people that they believe a land is theirs ?” Ich hab nie verstanden, wie Leute dazu kommen auf bestimmte Rechte zu pochen und diese anderen zu verwehren, nur weil sie glücklicherweise oder auch einfach zufällig in einem bestimmten Land geboren wurden. Glaubst du, dass dieses Verhalten mit den folgenden Generationen zunehmend verblassen wird, oder wird das nie aufhören?

AAN: Ganz genau darum geht es mir und das ist auch eines der Themen des Albums. Was nicht notwendigerweise auch eine Antwort darauf habe und die Band ist hier auch nicht mein politisches Sprachrohr. Alleine die Tatsache, dass du den Gedanken aufgegriffen hast, bedeutet schon, dass ich nen guten Job gemacht habe. Es geht eigentlich nur darum den Zustand der Menschheit zu erkennen. Sachen verblassen, aber die Menschen haben ein gutes Gedächtnis. Nimm nur die Geschichte meines Landes. Eine moderne Sichtweise auf Patriotismus und Nationalismus ermöglicht beispielsweise Sport. Feuerst du deine Nationalmannschaft beim Fußball an? ...vielleicht kann dieser emotionale Zuspruch helfen ein paar Sachen zu erklären.

HD: Mit dem Text von “Heathen Tribes” werft ihr einen Blick über die eigene Schulter und erinnert euch an all die Orte, an die euch die Band schon gebracht hat und all die Leute, die ihr auf den Touren mit Primordial schon getroffen habt. Genießt ihr es also auf Tour zu sein, oder geht es eher in die Richtung der letzten Zeilen des Songs, ist also die Rückkehr nach Irland auch immer eine sehr schöne Sache?

AAN: Das ist ein recht einfacher Song, der ein paar der faszinierenden Orte an denen wir waren und was wir dort gefühlt haben nennt, und natürlich nicht zu vergessen, die tollen Leute die wir getroffen haben. Natürlich lieben wir es auf Tour zu sein, aufzutreten, zu reisen und Leute zu treffen. Das ist doch der Hauptgrund, warum man überhaupt Metal macht. Wir sind in einer privilegierten Situation und verlieren nie den Hunger.

HD: Bei “Heathen Tribes” spielen Akustikgitarren ja eine große Rolle, nehmt ihr die auch mit auf Tour?

AAN:  Naja, vielleicht eine Art Simulator!? (lacht)

HD: Beim Hören eures Albums wurde ich manchmal sowohl an Doom-Bands als auch an Post-Core-Acts erinnert. Was sind denn so eure musikalischen Favoriten dieser Tage und glaubt ihr, dass sich die auf Primordial auswirken?

AAN: Natürlich hören wir derartige Bands. Ursprünglich war Candlemass einer unserer größten Einflüsse und natürlich Black Sabbath. Ich finde die Doom-Szene an sich sehr pur und inspirierend. Ich bzw. wir hören auch Bands wie Isis, High on Fire, Neurosis, Cult of Luna, Capricorns, Converge, Mars Volta etc. und ich gestehe, dass ich nicht wirklich viel über Post-Core weiß, aber mir gefallen eine Menge solcher Bands. Ich denke sie haben noch etwa mehr Abwechslung in den Metal gebracht und ihm gehörig in den Arsch getreten.

HD: Euer letztes Album hat ja Billy Anderson produziert, der u.a. auch schon mit Neurosis und The Melvins gearbeitet hat. Warum habt ihr euch beim nächsten Album dann für einen Produzentenwechsel entschieden?

AAN: Für „The Gathering Wilderness“ haben wir mit einer Menge Sachen herumexperimentiert. Dieses Mal wollten wir aber raus aus der Stadt und weg von den großen Namen. Mit Unterstützung der Leute von Rise Above Records haben wir mit Foel also nen neuen Ort und mit Chris Fielding einen Mann für die Technik gefunden. Und es ist echt gut gelaufen...

HD: Könnt ihr von der Band leben, oder habt ihr “normale” Jobs?

AAN: Nein, da verdient keiner groß Geld damit, das hat noch nie geklappt und wird auch sobald nicht passieren. Klar bleibt hier und da mal was hängen, aber das ist eher die Ausnahme. Das mag auch ein weiterer Grund sein, warum wir als Band nie irgendwelche Kompromisse eingegangen sind, wir mussten nie ein Album machen, auf Tour gehen oder Festivals spielen um irgendwelche Rechungen zahlen zu können. Wir tun solche Sachen nur, wenn wir das wollen.

HD: Ich hab ja das Cover eures letzten Albums “The Gathering Wilderness” sehr gemocht. Das war einfach, hat aber auch genau den Ton des Albums getroffen und durch die Raben gab es zudem noch eine Verbindung zu vielen irischen Mythen. Das Artwork des neuen Albums hat eine ganz ähnliche Stimmung, und das obwohl es ein ganz anderes Motiv zeigt. Sieht wie eine Detailaufnahme einer Statue aus. Ist das ein bekanntes Kunstwerk, oder wurde das speziell für euch so angefertigt?

AAN: Nein, das ist nichts bekanntes. Nur so eine Idee, die ich und Paul von Scald, der das Cover gemacht hat, gemeinsam hatten. Neofolk und dessen Ästhetik hat mich da ziemlich inspiriert und ich wollte etwas einfaches und symbolisches. Eben keine muskelbepackten Krieger, Drachen oder sowas in der Art (lacht). Ich denke es passt auch ganz gut ins Konzept des Albums.

HD: Vor zehn Jahren habt ihr mit Katatonia eine Split-10” veröffentlicht. Seid ihr immer noch befreundet und was hälst du von dem Weg, den die Band mit ihrem Sound seither eingeschlagen hat?

AAN: Anfang der 90er-Jahre hatte ich mit Anders regen Schriftverkehr und sie waren damals eine meiner absoluten Lieblingsbands. „Brave Murder Day“ ist ein Klassikeralbum. Bis „Last Fair Deal Gone Down“ hab ich ihre Entwicklung noch verfolgt und fand das auch immer noch sehr gut. Die haben eben immer ihr Ding durchgezogen. Ich muss da mal wieder auf den aktuellen Stand kommen, ihre letzten Alben checken und schauen, was sie so treiben – und natürlich sollten wir mal wieder ein Bierchen zusammen trinken! Ihr 92er-Demo ist immer noch eins der besten Demos das je gemacht wurde!

HD: Ich hab ja keine Ahnung, ob du Bücher und Comics liest und viele Filme schaust, aber wenn dem so ist, dann solltest du eigentlich Sachen von Neil Gaiman, Mike Mignola und Tim Burton mögen, weil die ja auch oft und gerne Mythen in ihre Werke mit einfließen lassen – kennst du die?

AAN: Mignola und Gaiman musste ich erst mal googeln um zu wissen, um wen es sich da handelt – so viel also dazu. Wobei mir einige ihrer Sachen durchaus bekannt vorkommen. Ich war wie ich jung war nicht so sehr Comic- oder Fantasy-begeistert, aber ich kann mich an die Sandman-Serie (von Gaiman, Anmerk. d. Verf.) und besonders den Charkter Rorschach erinnern. Ist wie gesagt nicht so ganz mein Ding, aber ich bewundere deren Kreativität. Tim Burton kenne ich natürlich und mag auch viele seiner Filme sehr gerne. Der letzte, der mir richtig gut gefallen hat war „Big Fish“. Ich vermute mal, dass er seither noch andere gemacht hat.

HD: Das neue Album kommt Mitte November in die Läden, wann seid ihr denn dann in Deutschland auf Tour und weiß man vielleicht auch schon etwas über Sommerfestivalauftritte?

AAN: Ich weiß von ein paar Festivals und das ist auch ziemlich in trockenen Tüchern, aber ich kann da zur Zeit noch nicht drüber sprechen. Das wird in den nächsten Monaten dann alles bekannt gegebn!

HD: In einem älteren Interview hab ich gelesen, dass du auch Backdrops für andere Bands anfertigst. Für wen hast du denn da in letzter Zeit gearbeitet?

AAN: Mir fehlt da dieser Tage wegen der Band und dem Studium meist die Zeit, aber ab und an mach ich schon noch was in die Richtung. Hauptsächlich für irische Undergroundbands, obwohl ich früher auch schon für Death Angel, Melechesh etc. gearbeitet habe.

Thomas Jentsch

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Download: Empire Falls, MP3
Review: To The Nameless Dead, 2007 (tj)
Review: Redemption At The Puritan, 2011 (tj)