
Cult Of Luna - Vertikal
Die schwedische Ausnahmeband Cult Of Luna hat ihr neues Werk ausgiebig reifen lassen. Der Vorgänger „Eternal Kingdom“ liegt bereits mehr als vier Jahre zurück. In der Zwischenzeit ist die Band etwas getourt und hat ein Hörbuch veröffentlicht. 2011 beschloss man dann mit den Arbeiten an einem neues Album zu beginnen, welches nun vorliegt. Cult Of Luna schaffen es einerseits sich treu zu bleiben und die Fans bei „Eternal Kingdom“ abzuholen aber gehen andererseits auch deutliche Schritte weiter und machen klar, warum sie zu der Speerspitze des Genres gehören. Nach dem düsteren Intro „The One“ ebnet der gut zehnminütige Opener „I: The Weapon“ eindrucksvoll das Feld. Geboten werden wie gewohnt ruppige Gitarrenwände, hypnotische Beats und atmosphärische Samples und Elektronika. Neu ist der eingestreute Klargesang, sowie die deutlich stärkere Neigung zu Melodien, die immer wieder den Song bereichern. Das folgende „Vicarious Redemption“ macht dann klar, dass auch das neue Album keinesfalls Fahrstuhlmusik beinhaltet. Denn leicht zu verdauen ist das 20-Minuten Epos keineswegs. Es entwickelt sich sehr langsam und bedrohlich mit minimalistischer Instrumentierung zu einem epischen Monster mit dichter Atmosphäre. Spätestens hier wird klar, dass die elektronischen Elemente sehr viel wichtiger geworden sind. „Vertikal“ wirkt insgesamt vielseitiger und abgedrehter als alles, was die Band bisher gemacht hat. Gleichzeitig bewahrt diese sich aber ihre größte Stärke: das Erschaffen von dichter und packender Atmosphäre. Doch es gibt auch Kritikpunkte. Im späteren Verlauf der Platte schafft es die Band zwar, das hohe Niveau aufrecht zu erhalten, die Songs setzen aber keine Akzente mehr und ähneln sich zu sehr. Einzelne Aspekte werden in die Länge gezogen und wiederverwendet. „Vertikal“ ist trotzdem das starke Album geworden, auf das viele Fans gewartet haben. Aus genannten Gründen schaffen es die Schweden aber nicht zur Höchstnote. (rg)