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Trip At The Brain

Münster, Dortmund, Berlin – ähnlich schwer greifbar wie ihr Wohnort ist auch die Schublade, in die man die Band zu stecken hat. Sie gehören auf jeden Fall in den Schrank mit den Bands, die weitestgehend auf Gesang verzichten, so viel ist mal klar. Und sie haben mit ihrem aktuellen, selbstbetitelten Album, das es tatsächlich in die deutschen Albumcharts geschafft hat (!), auf jeden Fall einen Höhepunkt in ihrem bisherigen Schaffen erreicht. Grund genug also für ein ausführliches Interview mit Jan Hoffmann, seines Zeichens Bassist der Band.

H: Beim dritten Album spricht man ja gerne von einem „besonderen“ Album, Euer neues Werk ist dann auch noch selbstbetitelt – ist es also auch für Euch ein besonderes Album?

JH: Ja, das ist es auf jeden Fall. Das mit dem Titel hat aber noch eine andere Bewandtnis. „Long Distance Calling“ passt perfekt zu dem Raum-Zeit-Konzept der Platte, aber in erster Linie ist es schon als Statement gemeint: „Hier, das sind wir, das ist unsere dritte Platte“. Irgendwie stimmt dieses ungeschriebene Gesetzt schon, das ist wohl wirklich ein sehr wichtiges Album und man spürt den Druck ein bisschen, aber es ist uns glaube ich gut gelungen damit umzugehen. Wir wollten einfach in allen Belangen noch einen Schritt weiter gehen.

H: Chartentry auf Nummer 36 – Ihr habt das wohl ganz schlau eingefädelt mit dem Verkauf bei der Releaseparty, aber hattet Ihr wirklich damit gerechnet?

JH: Natürlich waren die Verkäufe der Release Shows ein Puzzleteil, aber um auf Platz 36 zu charten reicht das natürlich nicht J. Wir sind selbst überrascht, wie viele Leute sich das Album in der ersten Woche direkt gekauft haben und wissen das sehr zu schätzen. Vielen Dank dafür!

H: Der Special Edition des Albums liegt ein Mitschnitt Eurer Show beim Roadburn Festival 2010 bei, das war sicherlich ein Highlight für Euch, gibt’s andere Shows, die Euch als herausragend in Erinnerung geblieben sind?

JH: Also mittlerweile sind das so einige. Die Show bei Rock am Ring 2008 gehört sicher dazu, aber für mich persönlich auch die Shows mit Dredg und Opeth, die ich beide sehr schätze. Neu dazu gekommen sind die Shows im Februar in Münster und Köln, unsere größten Headlinershows bisher, das war der Wahnsinn!

H: Das Artwork kommt von Eurem „Hausdesigner“ Sebastian Jerke. Wie wichtig ist Euch denn diese Seite Eurer Arbeit? Wenn man sich so manches Album oder auch Shirt vieler Bands anschaut, könnte man ja meinen, dass das an sich eher zweitrangig ist…

JH: Sebastian hat zum ersten Mal mit uns gearbeitet, „Hausdesigner“ stimmt also nicht so ganz. Aber wir sind sehr zufrieden mit dem Artwork, es war eine Heidenarbeit für ihn und er hat sehr viel Zeit und Herzblut reingesteckt. Für uns ist das enorm wichtig, wir sind „Qualitätsnazis“, wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst und die Leute, die mit uns arbeiten. Unser Motto ist „Entweder richtig oder gar nicht“.

H: Aber auf Sebastian Jerkes Homepage sieht man zumindest eine andere Arbeit für Euch, das jugendstilartige, bunte Shirt - deswegen hab ich mich zum Hausdesigner verstiegen... Und wenn Ihr Euch abseits von monetären Aspekten jemand für‘s Artwork aussuchen könnten, wer wär ganz oben auf der Wunschliste?

JH: Ja okay, Sebastian hat mal ein Shirtdesign für uns gemacht, aber das macht ihn ja nicht zum Hausdesigner  :).  Die Artworks bisher stammten immer von Tim Kockentiedt, der auch diesmal involviert war. Was die Wunschliste betrifft: wir haben alle einen komplett unterschiedlichen Geschmack, diese Frage kann ich leider nicht beantworten, aber für mich persönlich wäre Storm Thorgerson (Pink Floyd etc.) ein Wunschpartner, aber da wird uns vermutlich unser Budget einen Strich durch die Rechnung machen  :).

H: Rein äußerlich war das letzte Album bunter, wieso wieder ein Artwork in schwarz-weiß? War das überhaupt eine bewusste Entscheidung?

JH: Naja, ich denke, das hat damit zu tun, dass wir es auf das mindeste reduzieren wollten. Deshalb kein Albumtitel und nicht mehr der Bandname auf dem Cover. Wir wollten, dass so wenig wie möglich von der Musik an sich ablenkt aber gleichzeitig wollten wir natürlich auch ein gutes Cover, haha.

H: Ihr habt als Band ohne Sänger eine Art Running-Gag laufen, Ihr habt nämlich seither auf jedem Album einen Gastsänger am Start. Diesmal ist es John Bush (Armored Saint und ehemals Anthrax), wie kam es zu der Zusammenarbeit?

JH: Wir hatten John auf unserer Liste, allerdings in der Spalte mit den eher unwahrscheinlichen Namen. Er war auch der erste den wir gefragt haben und er hat direkt zugesagt, wir waren echt geflashed. Er war sehr, sehr nett und unkompliziert, ein extrem cooler Dude quasi. Ich finde den Song so gut, dass es mich total ärgert, dass wir den nicht live spielen können. Vielleicht irgendwann mal, wenn wir und John mal zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind.

H: Habt Ihr jemals auch live einen der Songs mit einem Gastsänger präsentiert?

JH: Nope!

H: Ihr spielt doch diesen Sommer auch viele Festivals, kreuzen sich da nicht mal die Wege mit The Haunted oder Katatonia, so dass es mal (wieder) klappen könnte?

JH: Bisher passt da leider nichts, wenn es aber so sein sollte, werden wir sicher versuchen das in die Wege zu leiten, da gehört ja immer auch eine Portion Glück dazu. Aber wir haben einfach keine Lust das mit „irgendwem“ zu machen, es muss schon das Original sein. Schau´n mer mal J

H: Stichwort Festivals, Eure Mucke kann ich mir bei knallender Sonne nun auch eher weniger vorstellen… seid Ihr Festivalfans?

JH: Schon, ein Festival ist immer eine coole Sache, weil man so viele Leute trifft, ich mag das. Aber wir sind jetzt nicht wirklich eine Festivalband, aber auf dem Summer Breeze haben wir nachts im Zelt gespielt letztes Jahr, das war sehr cool. In praller Sonne ist das schon was Spezielles, auch für uns. Aber wir denken über sowas nicht wirklich nach, einfach machen.

H: Wenn Du selbst ein Festival organisieren würdest und Dich zudem nicht mit wirtschaftlichen Aspekten herumschlagen müsstest, wen würdest Du buchen?

JH: Ohje, also ich kann natürlich nur für mich sprechen: Tool, Dredg, Crowbar, Trail Of Dead, A Perfect Circle, Entombed, Deftones und Black Country Communion. Du merkst, ich buche keine Festivals und das ist wohl gut so, haha.

H: Texte schreiben fällt bei Euch ja weg, wirkt sich das auf die Songtitel aus, investiert Ihr da dann mehr Zeit?

JH: Das kommt immer darauf an, manchmal sind die Titel auf einmal einfach da, manchmal ist es wirklich schwierig einen coolen Titel zu finden, da will sich ja auch jeder immer ein bisschen selbst verwirklichen, haha. Wir versuchen einfach Worte zu finden, die dem Hörer einen Startpunkt in den Song hinein bieten, letztendlich soll aber jeder entscheiden, wohin die Reise beim Hören geht.

H: Das Artwork kommt etwas spacig daher, manche Passagen ja durchaus auch… dazu noch ein Songtitel wie „Arecibo“ – glaubst Du an außerirdisches Leben?

JH: Ich persönlich denke, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir alleine sind, das wäre arrogant und vermessen. Auf der anderen Seite werden wir aber wohl nie auf andere Lebewesen treffen weil es einfach ein zu großer Zufall wäre. Wir sind ein winziges Staubkorn im großen Ganzen, nicht mehr und nicht weniger. Sehr spannend wenn man da mal in sich geht, haha.

H: War das mit dem rein instrumentalen Ansatz bei Euch eigentlich von Anfang an geplant und wenn ja, hattet/habt Ihr Vorbilder?

JH:  Nein, absolut nicht. Es klingt immer komisch aber wir haben einfach keinen Sänger gefunden, der unseren Ansprüchen genügt hat. Wir haben dann auch recht schnell gemerkt, dass unsere Musik auch ohne Sänger funktioniert und haben dann daran festgehalten. Geplant war das also nicht.

H: Nachdem die Aufmerksamkeit durch den fehlenden Gesang bei Euch viel mehr auf die Musik und den Sound gelenkt wird: wie wichtig war für Euch die Auswahl des Produzenten und des Studios für‘s neue Album?

JH: Sehr wichtig. Wir waren im Nachhinein nicht mehr wirklich zufrieden mit dem Sound von „Avoid The Light“. Der war alles andere als schlecht, liegt aber schon ein wenig von dem entfernt, wie wir als Band wirklich klingen. Wir wollten mit dem neuen Album so nah wie möglich an uns selbst kommen, was den Sound betrifft. Die neue Platte klingt genauso, wie wir klingen, wenn wir live zusammen spielen, das haben das Studio und unser Engineer und Producer Benjamin Schäfer sehr, sehr gut eingefangen. Ich liebe den Sound!!

H: Wenn man Euch live sieht, wirkt Ihr sehr leidenschaftlich, allerdings auch jeder auf seine Art. Ich nehme mal an, dass Ihr recht verschieden seid, wie habt Ihr Euch gefunden?

JH: Wir sind so unterschiedlich, wie man es nur sein kann. Ich denke, das ist eine der Stärken der Band. Manchmal ist das natürlich auch echt anstrengend aber diese kreative Reibung tut der Musik gut. Unser Drummer Janosch und unser Elektromann Reimut haben damals unabhängig von einander ein Praktikum bei meinem alten Arbeitgeber gemacht, so haben wir uns kennengelernt. Dave und Flo waren Bekannte von beiden und so kam eins zum anderen.

H: Worauf könnt Ihr Euch denn auf der Fahrt zu Shows im Bus musiktechnisch einigen?

JH: Auf sehr, sehr wenig, einer hat immer was zu meckern, haha. Das ist wirklich so, jeder muss da mal leiden aber generell ist die musikalische Bandbreite in dieser Band wahnsinnig groß, da läuft alles mal im Bus. Von Cannibal Corpse über Depeche Mode bis HipHop, da darf jeder mal...

H: Jan, Du bist nicht nur aktiver Musiker, Du hast auch schon für ein großes Metallabel gearbeitet und bist auch im Management- und Promobereich tätig, was ist das wichtigste für eine Band, die es zu etwas bringen will?

JH: Ich denke, es ist die Mischung aus zwei Dingen. Du musst bereit sein sehr hart zu arbeiten und genug Zeit und Muße finden, dich deiner Kunst zu widmen und so wenig Kompromisse einzugehen, wie es geht, um deine Vision umzusetzen.
Auf der anderen Seite sollte man realistisch sein und wissen, was man kann und vor allem auch, was man nicht kann. Und man sollte auf sich schauen und sein Ding durchziehen, statt ständig auf andere Bands zu schauen. Neid unter Bands ist das schlimmste was es gibt.

H: Und was sagt Dein Sohnemann zu Eurem Sound? War er schon mal bei einer Show oder einer Probe dabei?

JH: Haha, noch hab ich ihn verschont aber es wird irgendwann soweit sein. Generell steht er aber total auf Musik, das merkt man jetzt schon. Ich hoffe, ich bin ihm nicht irgendwann peinlich so nach dem Motto „Boah, Papa... eure Musik ist ja total uncool“, haha.

H: Danke fürs Interview, take care!

JH: Ich danke Dir! J

Thomas Jentsch

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