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Strike Anywhere haben mit ihrem dritten Album wieder ein rundum starkes Punk/Hardcore Album vorgelegt. Ich hatte die Gelegenheit mit Sänger Thomas ein informatives Email Interview zu führen.

Euer neues Album heißt ?Dead FM? Wofür steht der Titel?

Wie bei all unseren Plattentitel ist es jedem auch dieses Mal erlaubt sich seine eigenen Gedanken zum Titel zu machen und eine eigene Bedeutung zu finden. Ich glaube ursprünglich stammt die Idee dazu aus einem Statement das mit der Militarisierung von Pop-Kultur zu tun hatte. Es ging um den widerliche Art und Weise wie die Medien, Videospiele, Kunst und Musik dazu benutzt werden um uninformierte und verzweifelte Jungendliche ins Militär und schließlich in den Krieg zu locken.
Der Titel bezieht sich auch auf das weitere Konzept der negativen Auswirkungen von Gewalt und der lauten Leere des amerikanischen Konsums - Beziehungen mit Zufällen zu verbergen, das rauben von Gemeinschaft, uns zu Tode zu langweilen und uns dazu zu bringen, uns gegenseitig zu bekämpfen und für Privilegien zu bezahlen.
In einer weiteren Bedeutung geht es aber um Punk als Gegenbewegung, in all ihren zersplitterten und entfremdeten Formen des Widerstandes. Wie wir unsere Mittel des Ausdrucks zurückerobern und mit Genuss sehen wie der Trend der unsere Bewegung vergiftet hat sich selbst überlebt hat, die geldgierigen Manager nach anderen Betätigungsfeldern suchen und unsere ?tote Musik? nicht länger ausnutzen.

Ihr habt es wieder geschafft die wütenden und die melodischen Aspekte von Punk und Hardcore näher zueinander zu bringen. Das neue Album scheint sowohl mehr aggressive Parts als auch melodische zu beinhalten. Siehst du das auch so?

Ja, ich bin froh dass du das so siehst. Genauso denken wir über das Album.

Wie hat sich eure Herangehensweise an das Songwriting geändert?

Das Album hat mehr ?bounce?. Außerdem ist es insgesamt schneller und hat ein höheres Maß an Sing-Alongs, älteren Punk Sounds und Texte die Geschichten erzählen. Die Songs sind nicht mehr so episch und die Arrangements sind irgendwie sauberer und kommen viel besser auf den Punkt. Ich bin mir nicht ganz sicher inwiefern sich das von unseren alten Platten unterscheidet. Die Songs sind einfach eine Dokumentation der letzten drei Jahre und eine Weiterentwicklung unserer Rhythmen, Akkorden, Basslinien und Punk Protestgedichten, welche stärker autobiographisch sind. Ich finde die Songs haben viel mehr Charakter und die Platte fühlt sich mehr wie eine Party an als alles was wir früher gemacht haben. Eine fröhlich wütende Punk Party natürlich. Keine Discoparty, obwohl das natürlich verrückt wäre und einige Leute überraschen würde. Vielleicht auf dem nächsten Album.
Wir haben die Platte während den letzten drei Jahren geschrieben und einzelne Parts hin und hergeschickt, da wir alle in unterschiedlichen Städten wohnen. Diese Arbeitsweise, interessanterweise nur möglich durch Computer und Digitalisierung von Musik, hat uns zu einem Album geführt das wie wir finden organischer und menschlicher klingt als unserer früheren Platten. Ich glaube auch unser Produzent Brain McTernan hat damit viel zu tun. Außerdem natürlich unser radikal demokratisches Songwriting sowie ein geduldiger und gesunder Probeplan.

Gab es für das Album irgendwelche besonderen Inspirationsquellen?

Die Zeiten in denen wir leben sind entscheidend und voller Täuschung durch die Medien, die politischen Führern und die Kultur. Wir hielten es für am besten uns tief in unser eigenes Unterbewusstsein zu begeben und nach den Gründen zu suchen warum wir an dieses Puck-Rock Leben glauben und es so lieben. Unser ursprünglicher Ansatz war also unser bisher persönlichstes Album zu schreiben. Daraus ist dann aber unser bisher politischstes geworden. Vielleicht weil der Prozess des offen legens und teilen dieser Verwundbarkeiten an sich schon revolutionär ist und die Stereotypen kommerzieller Musik überwindet. Wir fühlten das Bedürfnis uns selbst rechtzufertigen und sowohl die fabrizierte Stagnation in der Gegenbewegung also auch das eindimensionale Lemming-Rennen welches das Leben einer amerikanischen Punk-Band werden kann zu durchbrechen. Ich hoffe wir haben das mit dieser Platte erreicht. Zumindest für uns ist das Album ein erneuter Aufruf zu den Waffen und Wendepunkt.

Wie hat euer neues Label Fat Wreck das Album beeinflusst?

Sie waren stark in die Entstehung der Platte miteinbezogen und steckten voller Enthusiasmus, guter Ideen und kreativen Ressourcen. Ihr Interesse und Zuneigung ist ein Segen für uns. Die Leute vom Label sind sehr engagiert und farbenfroh und arbeiten alle hart an Projekten die mehr als nur Musik sind. Wir sind beeindruckt und auch überrascht von der Tiefgründigkeit dieser Plattenfirma. Wir hatten 2001 schon einmal mit Fat Wreck an einer seven-inch-of-the-month-club Single. Danach veröffentlichten wir drei Alben auf Jade Tree auf die wir sehr stolz sind. Wir sind noch immer gut mit den Leuten von diesem Label befreundet. Jetzt veröffentlichen wir ein Album auf Fat Wreck und wir werden auf unseren Touren immer bei ihnen vorbei schauen wenn wir in San Francisco sind. Die Leute bei Fat Wreck sind enthusiastisch, charmant und lassen uns weiterhin unser Ding, in derselben Gemeinschaft in der wir immer operierten, durchziehen. Es scheint eine tolle Partnerschaft zu sein und wir halten fest an unserer Linie und glauben nicht an den ?anderes Label ? andere Szene? Anachronismus von dem sich die Leute noch immer täuschen lassen.

Was möchtest du, dass die Hörer aus dem Album ziehen?

Hoffentlich bleiben ihnen einige Melodien im Kopf. Ein paar neue Songs die man in aller Öffentlichkeit, beispielsweise in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder nachts auf dem Nachhauseweg mit Freunden, mitsingen kann. Außerdem die Verbundenheit, Inspiration und Wiederbelebung dieses Punk-Rock Dings. Natürlich auch das tolle Artwork unseres Freundes Richard. Eins dieser Dinge wäre schön. Ich kann das natürlich nicht von allen Hörern erwarten. Wir haben im Booklet zum ersten Mal ausgiebige Linernotes in denen die Texte mit Beispielen und Erklärungen versehen werden. Das ist übrigens ein weiterer Grund warum wir so glücklich über die Zusammenarbeit mit Fat Wreck und deren Begeisterungsfähigkeit für die Ideen und Persönlichkeiten jeder ihrer Band sind.

Wovon handeln die Texte?

Es gibt eine Art ?Lage der Nation? Manifest mit einer alten Arbeiterklasse Folksong Melodie im Refrain. Ein oder zwei Songs handeln davon wie Religion die Menschheit und die Erde auseinander bringt, mehrere Songs beinhalten Referenzen zu Kriegskultur, gegen Rekrutierungen, der Heuchelei der Regierung, Konzern-Faschismus und falschen Entscheidungen. Es gibt einen Song für meinen Großvater und all den Leuten die unmittelbar oder mittelbar durch den Einsatz von Nuklearwaffen und deren heimlichen Produktion ums Leben gekommen sind. Wir haben einen Song über Rechte der Homosexuellen sowie einen Song über die latente Ironie die darin liegt eingängige Protestsongs zu spielen die aus ihrer Subkulturellen Blase heraus kommen muss um wirklich die Leute zu erreichen und ihnen zu helfen. Wir haben auch einen Song der von Grenzen, Nationen und der Einkerkerung ohne Erklärung oder Verhandlung aus der Perspektive einer Punkband die ohne Arbeitspapiere versucht hat in Japan aufzutreten. Wir haben hart daran gearbeitet unsere eingefahrenen Angewohnheiten beim Schreiben zu überwinden und die Songs in neue Dimensionen zu heben. Wir haben uns außerdem öfter als in der Vergangenheit dazu entschlossen pro Song nur noch ein Thema zu behandeln. Dieses dafür tiefgreifender.

Ihr seid ja als eine politisch aktive und sozial engagierte Band bekannt. Ich würde gern deine Sicht der Dinge auf den aktuellen Konflikt zwischen Israel und Hezbollah erfahren.

Das ist ein immer wiederkehrender Alptraum, der sowohl geschichtlich bedingt ist als auch von Schattenimperien, die sich aus den Schlagzeilen heraus halten, geschürt wird. Natürlich ist dies auch ein weiterer Teil der asymmetrischen Kriegsführung wie man es aus dem Irak kennt. Die Heftigkeit des Opportunismus auf beiden Seiten ist verabscheuenswürdig und sehr verblüffend für mich. Ich bin kein Experte aber ich denke dass sich hier wieder die vollständige Auflösung jeglicher Vernunft im Namen der Religion zeigt. Es herrscht in den Köpfen auf beiden Seiten eine gefährliche Mischung aus ethnischem Nationalismus und apokalyptischem Glauben vor. Wann können historische Fehler (also die Balfour-Deklaration ) berichtigt werden und welche Macht kann dies ohne eigene Ziele zu verfolgen tun? Beide Seiten werden von entfernten esoterischen Führern gelenkt, die oft aus anderen Ländern die Fäden ziehen und auf zynische Weise die Verzweiflung der Menschen in diesem Brennpunkt (insbesondere im Fall der Palästinenser) ausnutzt. Die Menschen die auf jeder Seite kämpfen und sterben glauben an die Mythos des Überlebens. Manipulation und Propaganda haben Beteiligung, Mitleid und Selbstbestimmung der Palästinenser und Israelis seit Jahrzehnten zermürbt. Es ist schwer sich am anderen Ende der Welt nicht hilflos zu fühlen und zu wissen, dass deine eigene Regierung einige Eisen in diesem Feuer hat und das Blut fließen lässt. Es ist auch schwer den Medien Glauben zu schenken, insbesondere im Bezug auf die Eskalation und den Beginn dieses konkreten Konfliktes. Die Grenze zwischen Selbstverteidigung und illegaler Brutalität verschwimmt zusehens und ich weiß nicht ob ich gut genug bescheid weiß um einen Friedensplan zu erstellen. Das sollte jedoch keinen von uns davon abhalten sich gegen diese Gewalt auszusprechen.

Ihr habt euch in der Rock Against Bush Kampagne engagiert. Wie habt ihr euch gefühlt als Bush doch wieder gewonnen hat? Wie hat sich die Situation in den Staaten seitdem verändert?

Amerika kann mit folgendem Satz der mich seit Jahren nicht mehr loslässt, charakterisiert werden: ?Die Kunst des Vergessens?. Meine geschätzten Mitbürger sind abgelenkt, überarbeitet und überwältigt. Viele von den arbeitenden Armen wurden in unseren Schulen so lückenhaft gebildet, dass das Ausmaß der politischen Schandtaten gar nicht erfassen können und nicht verstehen wie sehr wir alle betrogen wurden. Das sind die Leute deren Kinder im Irak sterben. Die Linken haben endlich etwas Mut gefasst, aber es gibt noch sehr viel Arbeit in den meisten Städten dieses viel zu großen Landes zu verrichten. Unglaubliche Rechtsverletzungen und Kriminalisierung von Protesten waren Teil von Bushs Krieg gegen die Kommunikation, Intelligenz und Fortschritt hier in den Staaten. Ich glaube es gibt noch immer Hoffnung und ein Licht am Ende des Tunnels. Man sagt es ist kurz vor Sonnenaufgang am dunkelsten.

Ihr ward auf der ganzen Welt auf Tour. Welches ist euer Lieblingsort und warum?

Wie lieben sehr viele Orte. Wir haben großartige Freunde in jedem Land in dem wir waren die für uns wie Familie sind. Man kann Japan nicht mit Australien oder Deutschland mit Italien vergleichen ebenso wenig wie man es mit Schottland und Mexico tun kann. Wir haben großartige Erinnerungen an tolle Shows in all diesen und anderen Ländern. Im Moment haben wir aber einen besonderen Platz in unseren Herzen für New Zealand, London, Hamburg, Berlin, Rome, Glasgow, Portland, Burlington, Sydney, Montreal und natürlich Richmond, Virginia !

Werdet ihr bald in Deutschalnd auf Tour gehen?

Ja, wir sehen und im November.

Letzte Worte?

Pecae/ Equality/ Solidarity,

Das Interview wurde von Rolf Gehring geführt.

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Download: Chorus Of One, MP3
Download: Prisoner Echoes, MP3
Interview: Interview mit Sänger Thomas und Gitarrist Matthew (2004)
Interview: Sehr ausführliches und lustiges Interview mit der ganzen Band. (2002)
Interview: Ausführliches Interview mit Thomas zum neuen Album "Iron Front" (2009)
Review: Exit English, 2003 (rg)
Review: Dead FM, 2006 (rg)
Review: Iron Front, 2009 (rg)
Review: In Defiance Of Empty Times, 2012 (rg)
Live-Review: 04.02.2009, München - Postpalast
Live-Review: 12.02.2009, Wiesbaden - Schlachthof