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Offen für den Wahnsinn
Oder
Mit Amy Winehouse zwischen den Welten gefangen

End Of Green aus Göppingen sind definitiv eine der Bands aus dem süddeutschen Raum, die es „geschafft“ haben. Ende August erscheint tatsächlich schon ihr sechstes Album, das dann auch passenderweise gleich auf den Namen „The Sick’s Sense“ getauft wurde. Einen sechsten Sinn haben sie auf jeden Fall. Für Songs die oft melancholisch-schwarz sind und trotzdem sowohl ins Herz als auch in die Knie gehen. Das letzte Album schaffte es schon in die Charts - und auch wenn sich Gitarrist Michael Setzer aka. Sad Sir im Interview keine Prognose zutraut, Platz 66 ist auf jeden Fall sicher!

HD: Das letzte Album kam am 22. August 2005 in die Läden, „Sick’s Sense“ schafft es nur ganz knapp vor der Drei-jahresmarke in die Regale – wie kam es zu dieser langen Zeit zwischen den Alben?

SAD SIR: Knapp drei Jahre sind gerade noch im Rahmen. Die Zeitspanne kam mir selbst gar nicht so lange vor, da wir nach der Veröffentlichung von Dead End Dreaming sehr viel unterwegs waren. Prinzipiell finde ich aber, dass man eh nur ein Album veröffentlichen sollte, wenn man auch wirklich etwas „zu erzählen“ hat – auch wenn’s mal länger dauert.

HD: Zur Veröffentlichung des neuen Albums ist man, wenn über das aktuelle Album gesprochen wird, allgemein im Business immer top zufrieden mit dem aktuellen Werk. Wie seht ihr mit dem Abstand von beinahe drei Jahren „Dead End Dreaming“?

SS: Ich kann immer noch voll und ganz zu Dead End Dreaming stehen. Natürlich gibts Dinge, die wir heute so nicht mehr machen würde. Aber das ist ja das Schöne an einer guten Platte: Sie spiegelt einen Moment wider. Wenn ich die Lieder höre, dann fühle ich mich sofort wieder wie damals. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.

HD: Mit mittlerweile sechs Alben und einem entsprechend großen Songfundus wird es trotz oft überlangen Shows langsam schwierig, alle Fans zufrieden zu stellen. Auf dem neuen Album sind zwölf Songs, ist da jetzt schon absehbar, dass ihr manche von diesen eher nicht live spielen werdet?

SS: Es wird von Platte zu Platte schwieriger. Manchmal ist es nicht mal eine Frage, welche Lieder wir nicht spielen wollen – sondern können. Jedes Mal dreieinhalb Stunden zu spielen, das geht nicht. Was die neuen Lieder angeht, denke ich mal, dass alle irgendwann zum Zuge kommen. Würden wir das nicht denken, dann wären sie nicht auf der Platte gelandet.

HD: Das letzte Album hat es tatsächlich in die Mediacontrol Albumcharts geschafft, traust du dir eine Prognose zu, wo das neue Album landen wird?

SS: Ehrlich gesagt: Nein. Der Charteinstieg damals hat mich schon sehr verwirrt und irgendwie bin ich natürlich auch ein bisschen stolz darauf. Aber ansonsten ist und bleibt das ein Umfeld, das ich suspekt finde. Die Charts sehe ich eher als Auszeichnung von den Leuten, die unsere Musik zu schätzen wissen – als Qualitätsmerkmal funktioniert das eher nicht.

HD: Trotz dem ihr euch ja wohl ganz gut verstanden habt, habt ihr euch gegen einen erneuten Besuch bei Alex Krull entschieden und euch einen anderen Produzenten gesucht . Warum?

SS: Wir haben das eigentlich nicht so gesehen, als wäre es eine Entscheidung „gegen Alex“, denn die Arbeit mit ihm war fantastisch. Wir wollten einfach etwas für uns Neues ausprobieren. Das hält die Sache frisch.

HD: Und wie seid ihr dann auf die Weltraumstudios und Corni Bartels gekommen – ich nehme mal an, dass das weniger mit seiner Arbeit mit den Killerpilzen zu tun hatte?

SS: Der Technikstandard ist mittlerweile in den meisten Studios sehr hoch. Was wir bei Produzenten wichtig finden, ist, dass es menschlich funktioniert. Wir haben uns verschiedene Studios angeschaut und bei Corni Bartels war schnell klar: da menschelt es im positivsten Sinne. Bei Corni hat uns zudem imponiert, dass er noch nie Musik in unserer Richtung produziert hat und dass er schon bei unserem ersten Gespräch den Eindruck vermittelte, dass er musikverrückt ist. Die Killerpilze haben wir langsam auch richtig lieb gewonnen (lacht).

HD: Was gleich beim ersten Hören auffällt, ist der veränderte Sound. Das klingt alles eher nach einer Liveband, bzw. nach der Liveband, die ich kenne. Schlagzeug und Bass sind deutlich weiter vorne und es klingt alles weniger aufgeblasen – war das Absicht?

SS: Uns war danach, etwas „direkter“ zu klingen – ich hasse es, weil ich das ständig Bands sagen höre: „Wir wollten auf dieser Platte so klingen, wie wir das live tun.“ Aber irgendwie ist da was dran: Wir sind eine intensive Liveband und „The Sick’s Sense“ klingt für mich intensiv. Manchmal fast als würden wir jemandem direkt ins Ohr brüllen.

HD: Hattet ihr überhaupt Pläne in welche Richtung der Weg führen sollte, als ihr mit dem Material ins Studio gegangen seid?

SS: Überhaupt nicht. Klar hatten wir gewisse Vorstellungen von einzelnen Liedern, aber im Studio haben wir uns schon immer von der Stimmung, dem Moment leiten lassen. Das war dieses Mal fast noch mehr als bei unseren vorherigen Platten.

HD: Erneut gab´s auch leichte Korrekturen bei den Pseudonymen, Cardinal Mazinger wurde zu Lusiffer – wie kam es überhaupt zu der Idee mit den Pseudonymen?

SS: Nachdem er aus der Kirche ausgetreten ist, war klar: Da muss ein neuer Namen her. „Lusiffer“ bot sich da an. Was die Pseudonyme angeht, sind wir alle mit recht unspektakulären bürgerlichen Namen gesegnet – wir haben sie einfach remixed. Und immer wenn uns danach ist, gibts eine neue Version.... ich war schließlich auch schon „666er“.

HD: Stichwort Songwriting: wie läuft das bei euch ab? Auf den CDs gibt es keine getrennten Credits. Also wird nicht detailliert gelistet, wer bei welchem Song die Musik komponiert und die Texte geschrieben hat, wie das bei vielen anderen Bands üblich ist…

SS: Wir sind da ganz klassisch: Irgendjemand hat eine Idee und der Rest der Bande hämmert seine Ideen dazu. Jeder bringt was mit zur großen Party (lacht).

HD: Soweit ich weiß, hast du aber doch beim letzten Album „Drink Myself To Sleep“ geschrieben?

SS: Wenn du die allererste Idee hörst und dann das Endergebnis, dann bin ich gottfroh, dass wir fünf Leute sind – erst am Ende ist es ein Lied – „unser Lied“. Wir sind da alle zu gleichen Teilen Songwriter und Arrangeur.

HD: Gibt es gewisse Bereiche, wo ein einzelner allein verantwortlich ist? Wer bestimmt denn z.B. die Songtitel?

SS: Songtitel sind ein heikles Thema. Bei „The Sick’s Sense“ haben wir so viele Arbeitstitel verschlungen, dass uns in naher Zukunft wahrscheinlich keine mehr einfallen werden: „Zitteraal“, „Punker“, „Your Amour“, „Mon Amour“ .... Wie die Stücke dann letztendlich heißen, entwickelt sich langsam ... oder vier Leute zeigen dem einen den Vogel und meinen „Your Amour?! Bist du besoffen?“

HD: Man könnte fast den Verdacht haben, dass ihr ein Maschinchen habt, das auf Knopfdruck aus dem gängigen End Of Green-Vokabular ein paar Songtitelvorschläge ausspuckt. Titel wie „My Crying Veins“ oder auch „Pain Hates Me“ klingen schon richtig vertraut...

SS: (lacht) Das nennt man dann eigenen Stil oder wahlweise „Schrulle“. Wobei „Pain Hates Me“ meiner Ansicht nach sehr zynisch klingt.

HD: Das Artwork kommt aber wohl seit Jahren von Gitarrist Kirk Kerker, wie kam es dazu?

SS: Was gibt es Besseres als einen Künstler, der unsere Musik in ihrer ursprünglichsten Form fühlen kann? Kirker kann das - und er hat die technischen Fähigkeiten dazu, dies auch umzusetzen. Und wie bei den Liedern, trägt jeder durch konstruktives Motzen zum Endergebnis bei.

HD: Wo hat er die Fähigkeiten dafür her und arbeitet er auch für andere Bands?

SS: Naturtalent zuzüglich Studium. Er hat auch von Hampez’ Zweitband Dyin’ Julia das Cover Artwork gemacht – bleibt in der Familie, sozusagen. Ansonsten sag ich mal, sollten viel mehr Bands mit ihm zusammenarbeiten.

HD: Was ich bei End Of Green im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Bands schon immer erfrischend fand, ist, dass ihr zwar schwarze Mucke macht und euch für Fotos auch schon mal schwarz anmalt, abseits der Bühne aber durchaus sonnige Gesellen seid. Wie wichtig ist Humor bei euch in der Band?

SS: Sehr wichtig, beziehungsweise ein Teil von uns. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Humor und diese dunkle Ader untrennbar sind. Ich will uns – Gott bewahre – nicht mit Woody Allen oder Charlie Chaplin vergleichen – aber beide sind beziehungsweise waren auch deshalb so witzig, weil ihr Humor direkt aus tiefen Abgründen kommt.

HD: Über die letzten Jahren und Alben ging es für euch kontinuierlich bergauf, alles wurde professioneller, es wurden mehr Shows und Touren gespielt, die Clubs wurden zu Hallen, es wurden Videos gedreht usw. – wo viel Licht ist, ist notwendigerweise auch Schatten. Wo siehst du die guten Seiten und was sind eventuell Nachteile?

SS: Wir dürfen uns wirklich nicht beschweren. Erzähl mal einer Band, die im Probekeller verschimmelt, dass es dich nervt, wenn du beim Klopapiereinkaufen im Supermarkt angelabert wirst. Ich glaube, wir können eventuelle Nachteile dadurch kompensieren, dass wir durch jahrelange Untergrunderfahrung bestens geerdet sind. Sei’s durch Freunde oder einfach durch den eigenen Verstand. Was sich aber definitiv verändert hat, ist der Aufwand, das „Restleben“ vernünftig organisieren zu können. Da ist es eine erfrischende Abwechslung, wenn mich jemand direkt vor meiner Haustüre anbrüllt: „Booohh, geil, Sad Sir von Green Day. Was machst du denn hier?!“

HD: Über die Jahre hat sich doch bestimmt so einiges an bizarren Begebenheiten ereignet, ob nun bei Shows oder abseits der Bühne, kram doch mal ein bisschen in der Geschichtenkiste!

SS: Jedes Mal wenn mehr als zwei Personen dieser Band zusammen sind, passieren seltsame Dinge. Ob Typen, die brüllen „Geil, ich hab alle eure CDs gebrannt, bekomme ich ein Autogramm?“ oder ein Schlagzeuger, der einen Vodka-Lemon ausgegeben bekommt und ihn sich sofort über den Kopf kippt, weil’s ihm heiß ist. Sänger, die im Eifer des Gefechts Rosenthal-Teller signieren... wir sind offen für den Wahnsinn. Stolz sind wir auf unser erstes demoliertes Hotelzimmer gewesen: Zwei Rotweinflecken und ein kleines Brandloch in der Bettwäsche. Die Leute vom Hotel haben allerdings getan als hätten wir die Badewanne an den Portier genagelt und Fernsehgeräte und Zimmermädchen im Minutentakt zerdeppert...

HD: Wie gehts weiter in den nächsten Monaten nach der Veröffentlichung. Zuerst geht´s ja mal mit Subway To Sally auf Tour...

SS: Jep. Und danach hängen wir noch ein paar Headlinershows dran, damit wir auch mal wieder länger etwas spielen können.

HD: War das ein Wunschpartner – die werden ja schon mit Mittelaltersound assoziiert, damit habt ihr ja null am Hut. Wenn man es positiv ausdrücken will, gibt es da viel neues Publikum für euch zu erobern...

SS: Für uns ist es immer eine Herausforderung, mit Bands zu spielen, von denen wir uns stilistisch unterscheiden – und ebenso spannend für das Publikum. Und es ist freilich eine sehr gute Möglichkeit vor Leuten zu spielen, die uns sonst vielleicht nie sehen würden.

HD: Stichwort Wunschpartner für ne Tour, wer wär das denn?

SS: Undertow, Placebo, Social Distortion oder die Afghan Whigs.

HD: Die Frage würden wohl auch alle in der Band etwas anders beantworten, wen würden sich wohl deine Kollegen für ne Tour wünschen?

SS: Lusiffer würde Slayer oder Rush sagen – und garantiert auch Ozzy Osbourne. Bei Hampez sehe ich die Schwierigkeiten eher darin, dass Falco und Johnny Cash seit geraumer Zeit nicht mehr touren. Bei Michelle tippe ich auf Bay Laurel und Mötley Crüe. Kirker höre ich Led Zeppelin, AC/DC, Bob Dylan oder ...And You Will Know Us By The Trail of Dead sagen.

HD: Habt ihr schon wieder neues Material oder Pläne für nächste Veröffentlichungen?

SS: Mehr Pläne als Material (lacht).

HD: Du kennst ja die Fragen „Stell dir deine Lieblingsband zusammen, lebende und tote Personen etc.“, wir machen das heute aber mal anders, und zwar wie beim Schach, du marschierst also mit mehreren Bauern durch und kannst Figuren wiederbeleben. Fünf Leute kannst du zurückholen, dafür gehen aber auch fünf lebende...

SS: Geil, das ist ja mindestens so ekelhaft wie Gott spielen. Herr über Tod und Leben. Layne Staley von Alice in Chains soll zurück kommen. Dafür würde ich locker Axl Rose opfern. Ian Curtis hole ich mir auch, für Scott Stapp von Creed. Cliff Burton am Bass würde ich eben mal gegen Sting von The Police eintauschen. Für die Drums hole ich mir John Bonham von Led Zeppelin, im Gegenzug bin ich bereit, Peter Criss von KISS seine lang ersehnte Ruhe zu gönnen. Für die vakante Gitarrenstelle verpflichte ich Piggy von Voivod und Jesse Pintado von Terrorizer ... dafür kann ich mich dann selbst opfern.Ansonsten nehme ich noch Joey, DeeDee und Johnny Ramone im Dreierpack. Johnny Cash würde ich nur zurückholen wenn auch June Carter kommen darf ... dafür lege ich mal die Fischer Chöre in die Waagschale. Und für Pete Doherty hole ich mir Joe Strummer zurück ... zu welcher Seite zähle ich eigentlich Amy Winehouse? Die will ich behalten!

Thomas Jentsch

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Interview: Interview mit Gitarrist Michael (2002)
Review: Last night on earth, 2003 (tj)
Review: Dead End Dreaming, 2005 (tj)
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