
Caliban - I Am Nemesis
Caliban hatten mit ihren letzten beiden Platten zwar solide aber definitiv nicht ihre stärksten Werke abgeliefert. Viele der Songs wirkten zu gewollt oder auch zu orientierungslos. Erst die im letzten Jahr erschienene Coverfield EP zeigte die Jungs wieder deutlich unbeschwerter. Jetzt liegt mit „I Am Nemesis“ das erste volle Album seit gut zweieinhalb Jahren vor. Schon beim Opener „We Are The Many“ wird sofort klar, dass sich die etwas längere Reifezeit gelohnt hat. Schon lange nicht mehr klangen die Jungs so frisch und gleichzeitig konzentriert. Der Song zeichnet sich vor allem durch seinen hymnenhaften Charakter aus, wartet sowohl mit messerscharfen Breakdowns als auch schönen, eingängigen Hooks auf. Das nachfolgende „The Bogeyman“ wirkt nochmal eine Ecke härter, überrascht dann aber mit seinem mit Keyboard Sound verstärktem Refrain. „Memorial“ ist dann wohl ein recht typischer Caliban Track der Marke derber Metalcore meets episch melodischen Gesang. Aber auch dieser Track wirkt sehr viel leichtfüßiger, stimmiger und einfach besser als das meiste, was Caliban auf den Vorgängern veröffentlicht haben. Die weiteren Songs der Platte verfolgen diesen Weg gekonnt weiter. Freunde der kompromisslosen Härte kommen ebenso wenig zu kurz wie Fans eingängiger Hooks und melodischer Gesangslinien. Obwohl sich Caliban auf ihre Stärken konzentrieren, ist das neue Material auch ein Schritt nach vorne. Es werden verstärkt Keyboards eingesetzt, die Melodieführung überrascht immer wieder. Mit „Dein R3ich“ ist ein Track mit deutscher Sprache vertreten, der latent an die Rammstein Coverversion von Coverfield erinnert und den man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Caliban halten das hohe Niveau vom ersten bis zum letzten Song. Jeder der zwölf Tracks hat seinen eigenen Charakter. Ohne Frage haben sich Caliban mit „I Am Nemesis“ nochmal richtig ins Zeug gelegt und ein Album abgeliefert, das ich, um ehrlich zu sein, in dieser Form nicht mehr von der Band erwartet hätte. Alles richtig gemacht. „I Am Nemesis“ ist das wohl stärkste Caliban Album seit „The Undying Darkness“. (rg)