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36 Crazyfists / Emil Bulls / Samorra /

22.06.2008, Kempten, BigBox

Öfter mal was neues. Und bei diesem Trip gabs gleich zwei Premieren, erstes Konzert in Kempten und erste Show zu der man mit ner Rolltreppe einschwebte. Obwohl Kempten gerade mal ca. 90 Fahrtminuten von meinem Wohnort entfernt liegt, war mir da seither nie ne verlockende Show aufgefallen. Als wir in die Straße des Clubs einbiegen, wird schnell klar, dass dieser seinen Namen zu recht trägt, denn das war wirklich mal ne riesiggroße Kiste! Und optisch nahezu nagelneu dazu. Metal ist im Angebot der multifunktionalen Halle dann auch eher in der Minderheit, hier treten in den nächsten Monaten Helge Schneider, Ich & Ich, Reinhard Fendrich, Rosenstolz, Udo Jürgens und Peter Maffay auf, und, natürlich, die Chippendales! Das das heutige Konzert nicht im selben Saal wie die eben genannten Bigseller stattfinden würde, war klar. Insofern verwunderte es auch nicht, dass man nach dem Betreten des Komplexes zu einer Rolltreppe in den Keller geleitet wurde.

Wir sind um ca. 20.30 Uhr im Club und erleben noch die letzten Sekunden von Samorra. Anhand dieser lässt sich nicht viel zu ihrem Sound und Auftritt sagen, der Basser hatte aber definitiv den häßlichsten Bass, den ich seit langem gesehen habe. Ca. 468 Saiten und ein schnörkeliger Korpus wie ihn vielleicht gerade noch Zwerg Prince spielen darf. Die Band wurde aber halbwegs euphorisch verabschiedet, hatten also wohl ne amtliche Show hingelegt. Danach kurz das Merch gecheckt, 20 Euro für ein Shirt sind üblich, die Emil Bulls hatten sogar ein einfarbiges Design für 15 Euro im Angebot.

Im Gegensatz zur ausverkauften Show am Vortag in Köln, wo die Münchner Bullen ja auch schon mit 36 Crazyfists gespielt haben, hatten sich an diesem Sonntagabend nur etwa geschätzte 300 Leute in den Keller der großen Kiste begeben. Hinzu kam, dass der Club Arenacharakter hatte, es also eine Art Trichter mit mehreren Stufen gab, so dass man auch von hinten sehr gut gesehen hat. Somit war die Motivation nach vorne zu kommen nicht gar so gegeben zudem war da hinter den ersten beiden Reihen natürlich wieder die „Selbstverwirklichung durch expressiven Martial-Arts-Ausdruckstanz“-Fraktion am kreiseln. Pünktlich wie die Maurer erklang gegen 20:45 Uhr das Manowar „Kings Of Metal“-Intro und die Bulls legten direkt mit „The Most Evil Spell“ und zwei weiteren Krachern vom aktuellen „The Black Path“-Album los. Die Band wurde von den ersten Reihen herzlich willkommen geheißen und abgefeiert, das restliche Publikum verlegte sich aber aufs höfliche Applaudieren zwischen den Songs. Ich war im Vorfeld gespannt, wie sich der vor einiger Zeit ausgestiegene DJ und die mittlerweile wesentlich härter agierende Band auf die Liveperformance auswirken würde und wurde überrascht. Die Band zeigte sich agil und leidenschaftlich wie eh und! Natürlich lag der Schwerpunkt beim aktuellen Werk, aber auch die anderen Alben wurden nicht vergessen und berücksichtigt. Die Megadeth-Coverversion gegen Ende des Stücks haben sie ja seit Jahren immer mal wieder live gezückt, aber die eingeworfenen Slayer-/Metallica-/Nirvana-Intermezzi waren sehr cool. Der letzte Song wurde dann mit dem „Damage Inc.“-Anfang eingeleitet bevor die Show ebenso pünktlich wie sie angefangen hatte, um 21.45 beendet wurde. Zugabe gabs trotz vehementen Rufen leider keine.

Im Anschluss hatte ich dann doch arge Zweifel, ob die 36 Crazyfists an die starke Leistung der Emil Bulls anschließen können würden. Laut Zeugenaussagen waren sie bei Rock Im Park wohl enttäuschend und ich selbst hatte die Band das letzte Mal vor über fünf Jahren gesehen. Ich war mir auch gar nicht so ganz sicher über ihren Status in Deutschland und hatte sogar vermutet, dass mehr Leute wegen der Emil Bulls zur Show kommen würden. Dem war dann nicht so, der Saal war keinesfalls leerer als bei der vorherigen Band und es ging zumindest vor der Bühne wesentlich mehr ab, als vorher. Um ca. 22:20 Uhr legte der Alaska-Vierer los. Und der erste, rein optische, Eindruck war doch etwas zerrissen. Als wären alle vier Bandmitglieder bei ner anderen Band. Der schlaksige Drummer wirkte mit seinem schicken roten Frotte-Stirnband wie ein leicht abgefuckter 70er Jahre Tennisprofi und war permanent am Grimassenschneiden. Der Basser schob nen ansehnlichen Kessel vor sich her, spielte selbst die schnellsten Parts komplett mit den Fingern, war am Dauerbangen und hätte optisch eher in ne Southern Metal-Band gepasst. Der dürre Gitarrist stand in Sachen Kopfschütteln seinem Basser in nix nach, hatte nen imposanten Bart, tendierte aber eher in Richtung Black Metal-Derwisch. Gitarrist und Basser bewegten zwar fleißig die Haare, hatten aber sonst nicht viel Aktionsradius und blieben an ihrem jeweiligen Bühnenrand. Was an sich auch schlauer war, denn Sänger Brock Lindow, der trotz Cash-Shirt eher nach Eishockeybär aussah, nutzte den ganzen Raum in der Bühnenmitte, war ständig am Rumwetzen, gestikulierte wild und hing sich voll rein in seine Texte – mit so nem Energie-Kugelblitz sollte man besser nicht kollidieren. Imposante Performance, 100% bodenständig-sympathisch und null affektiert auf jeden Fall und auch die ein oder andere lustige Ansage war dabei. Nach dem Intro legten sie dann auch nicht mit nem aktuellen Song los, sondern spielten überraschend „I’ll Go Until My Heart Stops“, den Opener ihres vorletzten Albums „Rest Inside The Flames“ – war wohl eher programmatisch zu verstehen. Es ging aber immer noch nicht mit nem neuen Song weiter, sondern mit einer weiteren Überraschung, den Übersong „At The End Of August“ hätte ich wesentlich weiter hinten im Set erwartet. Dann wurde mit „We Gave It Hell“ aber endlich Material vom aktuellen „The Tide And Ist Takers“-Werk serviert. Später gabs dann auch „Elysium“, allerdings natürlich ohne den Album-Gastsänger von Killswitch Engage. Es war eine wahre Freude der Band zuzusehen, denn wenn auch optisch eher zerrissen spielten sie sowas von tight und auf den Punkt... wenn man dann noch bedenkt, dass die nur einen Gitarristen haben ist es echt phantastisch, was da für ein Sound und Druck da aus den Boxen kam. Mit „Midnight Swim“ und „Slit Wrist Theory“ gabs noch ordentlich Atmosphäre und Mitmachpotential zum Schluss. Absolut geile Show! Die Setlist hab ich so abgeschrieben, ich hatte bei der Show aber gar nicht den Eindruck, dass da so viele Songs gespielt wurden... kann also sein, dass ein paar Songs nicht gespielt wurden, denn die Band war nur ca. ne Stunde auf der Bühne.

Setlist Emil Bulls:

Intro
The Most Evil Spell
All In Tune With The Universe
To End All Wars
Revenge
Mirror
Cocoon
Porcelain
Worlds Apart
Collapsed Memorials
Newborn
Smells Like Rock ‘N‘ Roll
Symphony Of Destruction
Leaving You With This

 

Setlist 36 Crazyfists:

Intro
I’ll Go Until My Heart Stops
At The End Of August
We Gave It Hell
Felt Through A Phone Line
Heart And The Shape
Skin And Atmosphere
Elysium
When Distance Is The Closest To Reminder
Great Descent/All Night Lights
Waiting On A War
Destroy The Map
Installing The Catheter
Bloodwork
-
Midnight Swim
Slit Wrist Theory

Thomas Jentsch

(tj)

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