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Metallica / Slayer / Motörhead / Megadeth /

18.06.2010, Jonschwil, Festival

Das Sonisphere Festival in der Schweiz lockte mit seinem fantastischen Lineup tausende Metal Fans in das beschauliche Kaff Jonschwil bei Wil. Die auftretenden Bands ließen jedes Metallerherz höher schlagen. Allen voran die Big Four des Thrash. Metals (Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax), die zum ersten Mal in dieser Form in Europa zu sehen waren. Weitere Hochkaräter wie Motörhead, Rise Against, Alice In Chains, As I Lay Dying, Volbeat und Amon Amarth komplettierten neben anderen das Bombenlineup. Leider schafften es die Veranstalter durch absolute Missorganisation das Festival zu einem Desaster werden zu lassen.

Der anhaltende Dauerregen war bereits im Vorfeld ein schlechtes Omen.  Was sich aber tatsächlich am Festival abspielen sollte, hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Der geneigte Festivalbesucher kann Vorkehrungen in Form von geeigneter Kleidung treffen, gegen das totale Versagen der Veranstalter kann man sich aber leider nicht wappnen.

Alles begann schon vor dem Einlass. Nach einem durchaus akzeptablen und auch eingeplanten Stau wurden wir auf unseren Parkplatz gelotst. Dieser lag ca. 5km vom Festivalgelände entfernt. Gut, mag ja sein, dass das Gelände es einfach nicht anders her gibt, aber wo sind die Shuttlebusse? Es gab schlichtweg keine. Also auf zum ca. einstündigen Fußmarsch durch verschlammte Wege. Hier machte sich bereits der erste Ärger breit. Eigentlich wollten wir Anthrax sehen, das konnten wir trotz des großzügig eingeplanten Zeitpuffers abhaken. Der Oberhammer war aber, dass dieser Parkplatz zusätzlich freche 20 CHF Gebühren kosten sollte. Reine Abzocke.

Am Einlass erwartete uns eine  riesige Schlange, die komplett im Matsch stand. Es ging nichts voran und der Schlamm war nur eine erste Vorschau auf das, was uns drinnen noch viel schlimmer erwarten sollte. Nach der ersten Schlange kam gleich die zweite zur Security Überprüfung. Warum kann man Kartenkontrolle und Securitycheck nicht in einem Zuge machen?

Endlich im Festivalgelände angekommen bot uns ein Bild, was ich in dieser Form noch nie gesehen habe. Ein See aus flüssigem Schlamm. Man sank bei jedem Schritt in Richtung Bühne mindestens knöcheltief ein. Jeder Schritt war ein Blindflug, man wusste nicht, ob man auf einer darunter liegender Flasche ausrutschte oder einfach extrem tief einsank. Wir hatten Glück, dass keiner von uns einen Schuh verloren hat.

Anthrax waren zu dem Zeitpunkt, als wir in Richtung Bühne wateten, bereits vorbei und die Kiddie Band Bullet For My Valentine interessierte uns nicht. Umso mehr interessierte uns aber das Spiel der deutschen Mannschaft im Rahmen der Fußball WM. Im Vorfeld wurde groß die Übertragung auf einer Großleinwand angekündigt. Hier schon die nächste Enttäuschung. Statt das Spiel auf einer der zwei großen Leinwände an der Bühne zu übertragen, wie das beispielsweise vorbildlich auf dem With Full Force vor vier Jahren der Fall war, wurde das Spiel in einem kleinen Zelt übertragen. Das war natürlich übervoll und man konnte kaum einen Blick auf die Leinwand erhaschen. Angesichts der Menge an deutschen Fans die anwesend waren ziemlich blöd.

Aber gut, es ging auf diesem Festival ja um Musik und nicht Fußball. Als wateten wir weiter zur Bühne, um Alice In Chains zu sehen. Auf dem Weg dorthin wollten wir noch schnell unseren Durst stillen. Im Getränkezelt offenbarte sich uns schon der nächste Organisationsmangel. Hier waren eine Handvoll Servicekräfte damit beschäftigt, hunderte von Metalheads zu bedienen. Auf keinem anderen Festival auf dem ich in den letzten 15 Jahren war, war dies ein nennenswertes Problem. Hier musste man das Getränkeholen generalstabsmäßig planen um möglichst wenig von den Bands zu verpassen. Wir hatten zugegeben immer recht viel Glück und hatten unsere Getränke im Schnitt nach 10 Minuten, ein Bekannter hatte wenig Glück und stand ca. eine Stunde an. Geht es noch?

Ok, bis zu diesem Punkt war ich noch bereit meinen angestauten Ärger einfach herunter zu schlucken. Schließlich war man ja wegen den tollen Bands angereist und hier kann ja eigentlich auf einem professionellen Festival nichts schief laufen. Aber auch hier eine herbe Enttäuschung nach der anderen. Der Sound war nahezu immer wirklich grausam. Permanent fielen Boxen aus, die Lautstärke pendelte und oft war nur ein einziger Brei zu hören. Immer wieder gab es zwar Lichtblicke, und so konnte man die Shows von Motörhead und Metallica ohne gravierende Ausfälle genießen. Was aber teilweise bei Slayer mit dem Sound los war, machte mich sprachlos. Mir ist durchaus bewusst, dass es nicht ganz einfach ist, bei einer solchen Veranstaltung unter den gegebenen Wetterbedingungen einen immer perfekten Sound zu produzieren, aber was hier teilweise den Fans zugemutete wurde, war eine absolute Frechheit.

Ein weiterer Mangel, der den Genuss der Bands einschränkte, war die äußerst unvorteilhafte Aufstellung der Mischpulttürme. Diese waren so nah vor den Bühnen platziert, dass man nur von ausgewählten Positionen auf dem Gelände überhaupt auf die Bühne sehen konnte. So war über weite Teile der Show Fernsehen auf den beiden Leinwänden angesagt. Diese  funktionierten im Übrigen sogar meistens.

Über die Bands braucht man eigentlich kaum weitere Worte verlieren. Alle Bands lieferten sehr stimmige und professionelle Shows ab. Es handelt sich fast durch die Bank um alte Hasen,  die ein solides Best-Of Set ablieferten. Höhepunkte waren sicherlich Slayer, die alle Hits und ein paar Songs von „World Painted Blood“ zum Besten gaben, Alice In Chains, die mit ihren Hits auf der Hinterhand nichts falsch machen können und Motörhead,  die lebende Legenden sind, was bei ihrem Auftritt wieder einmal klar wurde. Auch Rise Against, Megadeth, Stone Sour (mit vielen Songs vom neuen Album) und Volbeat („Danke an unsere Vorband Metallica“) lieferten tolle Shows ab. Metallica spielten ein Feuerwerk an alten und ein paar neuen Songs. Dazu gab es immer wieder Pyros und Feuerwerk. Beeindruckend war vor allem die riesige Leinwand hinter der Bühne. Die ganze Band, allen voran James Hetfield, gab sich sehr spielfreudig und gut gelaunt. So konnten die Bands das, was der Veranstalter verbockt hatte, zumindest temporär vergessen machen und die Stimmung immer wieder anheben.

Am Ende des Konzertes machten sich die Massen auf, das Gelände zu verlassen. Die vorhandenen Notausgänge wurde nicht geöffnet und so mussten alle Besucher wieder die Odyssee durch den Schlammsee und den Marsch zum Parkplatz, der übrigens kaum beleuchtet war, antreten.

Sicherlich macht schlechtes Wetter die Durchführung einer solchen Großveranstaltung zu einem deutlich schwierigeren Unterfangen, dass aber vom Veranstalter keinerlei Maßnahmen getroffen wurden, um die Schlammsituation zumindest zu verbessern (Stroh, Kies, Platten ? ) ist für die Besucher nicht nur extrem unangenehm sonder auch aus sicherheitstechnischer Sicht schlicht verantwortungslos. Nicht auszudenken, was passiert wäre wenn wirklich eine größere Notsituation entstanden wäre. Für die Rettungskräfte gab es nämlich ebenso kein Durchkommen.

Nach dem Festival war erst mal stundenlanges im Stau stehen angesagt - kein Wunder, denn es war niemand da der den Verkehr regelte. Die nächste Frechheit erwartete die armen Schweine, die mit ihren Autos im Schlamm auf dem Parkplatz stecken geblieben waren. Die mussten sich nämlich kostenpflichtig von einem Traktor abschleppen lassen.

Die Organisation hat also an allen Fronten voll versagt und aus einem Festival mit absolut großartigem Lineup durch Stümperhaftigkeit, Verantwortungslosigkeit und Geldschneiderei ein untragbares Desaster gemacht.  Für mich und sicher tausende andere steht fest: Nie wieder Sonisphere, egal wer spielt.

Rolf Gehring

(rg)

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