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„Deliver Us“, das neue Album von Darkest Hour aus Washington ist ohne Zweifel eines der Metal(core) Highlights in diesem Jahr. Ich traf mich mit Sänger John als die Band im Rahmen ihrer Tour mit As I Lay Dying in Stuttgart war und quatschte mit ihm über das neue Album.

Wie läuft die Tour bisher?

Ziemlich gut. Es ist jetzt das erste Mal, dass wir hier in Europa eine Support Tour spielen. Wir kommen jetzt seit 2001 nach Europa und abgesehen von ein paar Shows im Vorprogram von Anti-Flag waren wir immer die Hauptband. Es ist für also sehr cool vor einem neuen Publikum zu spielen. Die Shows sind auch größer als unsere eigenen. Das Paket ist ebenfalls ziemlich stark.

Eurer neues Album ist ein großer Schritt für euch. War eure Herangehensweise an die Songs ein anderer?

Wir haben das Album eigentlich auf dieselbe Weise angegangen wie Undoing Ruin. Wir haben uns ein paar Monate frei genommen in denen wir nicht auf Tour gehen und uns voll auf das Album konzentrieren.  Wir proben dann immer sehr viel und fügen die Songs nach und nach zusammen. Sobald eine rohe Version des Songs fertig ist, nehm ich die Tapes mit nach Hause und mach mir Gedanken über die Texte. Der Schreibprozess war im Grunde derselbe. Es ist unser drittes Album in diesem Lineup und wir hatten definitiv Lust neue Dinge auszuprobieren und uns weiter zu entwickeln.

Das Album ist deutlich melodischer ausgefallen.

Ja, da hast du recht. Was ich aber sehr cool an dem Album finde ist, dass es einerseits sehr melodisch ist aber auch die härtesten Parts die wir je geschrieben haben beinhaltet. Das Album ist insgesamt wesentlich dynamischer. Darauf sind wir sehr stolz.

Du singst auch deutlich mehr als je zuvor.

Ja, das stimmt. Wir spielen jetzt seit zwölf Jahren in der Band und seit dieser Zeit schreie ich die Leute an. Nicht, dass es langweilig werden würde, ich liebe das. Aber ich wollte einfach etwas Neues versuchen und mal schauen wozu ich fähig bin. Ich bin sehr zufrieden wie es geworden ist. Wir haben aber versucht uns von dieser typischen Formel zu lösen um nicht wie alle anderen zu klingen. Die Gesangsparts sind auch sehr natürlich entstanden, ich habe es einfach in meinem Kopf gehört, dass ich an bestimmten Stellen singen sollte.

Hast du dich bei den Texten auf irgendetwas Bestimmtes konzentriert?

Eigentlich mache ich das immer, aber in letzter Zeit habe ich versucht einfach nur herauszulassen was in mir ist. Ein Problem das ich immer mit meinen Texten habe ist, dass sie immer sehr direkt und klar sind. Ich würde viel lieber auch mal kryptischere, poetischere Texte schreiben. Ich habe dieses Mal versucht Texte zu schrieben deren Bedeutung dem Hörer nicht  sofort ins Gesicht springt. Das ist eine Sache die sich geändert hat. Die Texte handeln aber natürlich nach wie vor von bestimmten Themen. Es gibt auch Songs die etwas direkter ausgefallen sind als andere.

Welche Themen behandelst du?

Es gibt natürlich wieder politische Songs. „Stand And Receive Your Judgement“ beispielsweise ist ein sehr angepisster, wütender Song. Als ich dann den Text schrieb und verschiedene Dinge ausprobiert habe bin ich immer wieder dazu zurück gekommen, dass der Song von George W. Bush handeln muss. Ich wollte das im Grunde nicht machen, denn es wird immer mehr zum Klischee Songs über ihn zu schreiben. Aber das ist es nun mal was mich wirklich ankotzt. Nicht nur er, sondern auch Leute wie er und die gesamte Haltung gegenüber dem Land und dem Planeten. Dieser Song handelt also von ihm.  Wir hatten schon immer politische Botschaften in unseren Songs aber wir waren jetzt nie eine über die Maßen politische Band. Wir predigen nicht und sagen den Leuten nicht was sie zu tun oder zu denken haben. Es geht mehr darum was man persönlich aus dem Song zieht, wir wollen da niemandem eine bestimmte Agenda verkaufen. Es ist einfach ein Ausdruck unserer selbst. Wir haben zur letzten Wahl an einer Tour teilgenommen die den Leuten gesagt hat gegen Bush zu wählen. Aber das war eine Ausnahme.  Bei der Plea For Peace Tour ging es allein darum. Die Wahlen stehen aber wieder kurz vor der Tür, mal sehen was passiert.

Beteiligst du dich an politischen Aktivitäten außerhalb der Band?

Ja, natürlich. Ich versuche an den Anti-Kriegs Demonstrationen teilzunehmen. Es ist aber schwierig da wir die meiste Zeit des Jahres auf Tour sind. Ich kann nicht so aktiv sein wie ich gern würde. Ich schriebe aber diese Songs, das ist zumindest etwas. 

Wie denkst du werden die Wahlen ausgehen?

Schwer zu sagen. Aber ich denke, dass immer mehr Leute in den Staaten wissen, dass die Republikanische Partei einfach absolute Scheiße baut. Sie arbeiten nur für die großen Konzerne. Aber so war es aber schon immer. Bei jeder Wahl denke ich immer wieder, dass die Leute es jetzt eigentlich mal geschnallt haben müssten, dass diese Partei nicht für das Volk arbeitet. Aber immer wieder ist man auch weniger enttäuscht wie wenige Leute sich wirklich dafür interessieren. Sie wählen immer den der ihnen am meisten Versprechungen macht. Wenn ein Kandidat verspricht den Ölpreis oder die Steuern zu senken und so dem Wähler ein paar hundert Dollar spart, wird er gewählt werden. Die Leute denken immer an ihren Geldbeutel. Eine sehr kurzsichtige Denkweise.  Es fehlt der Sinn für eine globale Gemeinschaft. Sie denken: „Ich bin Amerikaner, ich habe Amerika noch nie verlassen. Ich denke nur an mich.“

Wofür steht der Titel?

Das Album hat dieses apokalyptische Thema. „Deliver Us“ steht für die Rettung. Es sagt aus, dass wir uns von der Scheiße in der wir stecken befreien können. Rettung vor dem Ende der Welt. Es scheint, dass diese immer näher kommt. Ich meine damit nicht, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht, aber man hat schon den Eindruck als ob sich die Menschheit zurück entwickelt.
Das erinnert mich an diesem Film den ich kürzlich gesehen habe: „Idiocracy“.
Ja, das ist einer meiner Lieblingsfilme. Das ist ein witziges Konzept, aber auch ein beängstigendes denn es scheint fast wahr zu sein. Die Menschen scheinen heute dümmer zu sein als noch in den 70ern.

Wie war die Arbeit mit Devin Townsend?

Großartig. Wir haben beschlossen wieder mit ihm zu arbeiten weil wir sehr glücklich mit „Undoing Ruin“  waren.  Wir haben mit ein paar anderen Optionen hin und her überlegt weil wir nicht sicher waren, ob Devin verfügbar sein würde. Als er dann aber zugesagt hatte war es klar, dass wir wieder zu ihm nach Kanada gehen.

Was ist der Unterschied zu der Arbeit mit ihm im Gegensatz zu Fredrik Nordström mit dem ihr „Hidden Hands Of The Sadist Nation“ aufgenommen habt?
Die Schweden waren sehr cool, aber hatten eine etwas andere Arbeitsweise. Devin bringt sehr viel mehr von sich selbst ein. Die Schweden arbeiteten von 9 bis 17 Uhr. Am Ende war es dann so dass wir oft selbst aufgenommen haben wenn sie schon weg waren. Devin ist früh morgens bis spät in die Nacht da und arbeitet dann oft noch zuhause weiter. Er arbeitet sehr hart und ist sehr motiviert. Das ist ein großer Unterschied.

Sorgt er auch dafür, dass ihr härter arbeitet?

Ja, auf jeden Fall. Bei dem Gesang zumindest. Als wir in Schweden waren hat der Typ mehr oder weniger nur aufgenommen, ohne viel zu kommentieren und zu sagen was man anders oder besser machen könnte. Von Devin hingegen hört man dann Dinge wie „OK, dieser Take war super. Mach´s nochmal.“ Oder „Versuch mal dies“, “Versuch mal das“. Es wirklich gut jemanden zu haben der einen so antreibt. Das hilft mir sehr.

Gibt er auch aktiv Ideen für das Songwriting?

Nein, eigentlich nicht. Er hat mir sehr mit den technischen Aspekten geholfen. Er ist ein großartiger Sänger und ich konnte viel von ihm lernen. Aber er hat nichts geschrieben. Die Songs waren komplett fertig als wir ins Studio kamen.

Gab er euch eine Kostprobe von Ziltoid, seiner Puppe?

Er hat noch an dem Album gearbeitet als wir bei ihm waren. Immer wenn wir eine Pause gemacht haben und zurück ins Studio kamen war er schon wieder damit beschäftigt diese ganzen Zwischensamples aufzunehmen. Das war witzig. Das ist so cool. Er ist so besessen von der Musik, dass er sich eigentlich keine Sekunde davon lösen kann. Wir machen eine Pause und er schnappt sich die Gitarre.

Ihr habt eure Wurzeln im Hardcore.

Ich persönlich bin mit Punk und Hardcore aufgewachsen, genauso wie unser Gitarrist Mike und Paul unser Bassist. Ryan und Kris hingegen haben eher einen Metal Hintergrund. In unserer Musik haben wir Elemente aus beiden Welten. Ich sehe uns aber nicht als eine Punk-Metal Band oder so. Unsere Musik entsteht aus allen möglichen Inspirationsquellen. Ich werde nie sagen wir sind eine Death-Metal-Melodic-Punk-Hardcore-Thrash-Speed Band. Das ist alles Zeitverschwendung, es ist einfach Metal.

Aber ethisch fußt ihr schon eher in der Hardcore Szene.

Ja, sicherlich. So haben wir angefangen. Alles war DIY, wir haben unsere Shows selbst gebucht und selbst aufgenommen. Jetzt hat sich aber alles entwickelt. Wir haben jetzt Booking Agenturen und Manager. Das kommt einfach wenn eine Band größer wird. Wir haben damit aber kein Problem. Ich  vertraue den Leuten die für uns arbeiten. Es ist nicht so, dass wir einfach irgendeinen Manager engagiert haben. Er war schon immer ein alter Freund von uns. Er ist Teil der Familie. Ich bin sehr glücklich damit wie wir aufgestellt sind.

Diese Hardcore Attitüde ist also nach wie vor erhalten geblieben?

Ja, definitiv. Wir arbeiten eben nur ein wenig anders. Manchmal arbeiten wir eher wie ein Geschäft. Wir sind irgendwie auch ein Geschäft. Wir alle verdienen unser Geld mit der Band. Es ist beschissen so über die Band denken zu müssen. Man möchte schließlich nie Kunst und Geschäft in den gleichen Topf werfen. Das ist nie gut. Aber wir müssen auch von etwas leben. Unser Bassist hat ein Kind das er versorgen muss. Es ist eine sehr delikate Sache. Man muss sicherstellen dass man genügend Geld verdient aber auf der anderen Seite eben auch damit glücklich sein und nicht zu sehr auf das Geld schauen.

Würdet ihr einen Song ändern nur damit er sich besser verkauft?

Nein, das auf keinen Fall. Wie schon gesagt, als wir den melodischen Gesang geschrieben haben war es einfach so, dass der Song das gefordert hat. Die Leute mögen vielleicht denken, dass wir uns verkauft haben, aber das ist mir egal. Ich weiß, dass ich die Parts nur deshalb gesungen haben weil ich es so haben wollte und nicht weil ich dachte es verkauft sich dann besser. Davon abgesehen klingen die gesungenen Parts nicht so happy wie das was sich im Allgemeinen so gut verkauft.

Wie denkst du darüber, dass die Grenzen zwischen Hardcore und Metal durch die Popularität von Metalcore immer mehr verschwimmen?

Die beiden Szenen funktionieren unterschiedlich. Wir sind mit Hardcore aufgewachsen und haben unsere eigenen Shows veranstaltet. Es gab nie diese Trennung zwischen den Bands. Wenn wir auf Tour mit Metal Bands sind und die Metal Band am Ende spielt, sind alle anderen Bands die davor spielen gefickt. Der Headliner wird allen Platz auf der Bühne für sich beanspruchen, es wird nur den Backdrop der Hauptband geben und keine andere Band darf das Licht benutzen. Das ist im Grunde Sabotage an den Shows der anderen Bands. Das ist Bullshit. Wenn wir Headliner sind, dürfen die Vorbands alles machen was sie wollen. Ihr Backdrop aufhängen, den Drumriser benutzen und alles was sie für ihre Show brauchen.  Für uns gibt es da keine Konkurrenz. Wenn man auf Tour mit anderen Bands ist, sollte man gut miteinander auskommen und Freunde sein. Im Metal herrscht dieses Konkurrenzdenken vor. Das nervt ziemlich.

Auch die Trennung zwischen Band und Publikum ist dort stärker.

Ja, absolut. Die Metal Fans heben die Bands oft auf ein Podest.  Es gibt da diese Lücke. Das kann man auch real sehen durch die Barrieren vor der Bühne. Bei uns gibt es keine Barrikaden. Das war schon immer der große Unterschied zwischen Punk/Hardcore und Metal. Im Punk und Hardcore hat man einen viel engere Verbindung mit den Fans, eben weil man sich selbst als ganz normaler Typ wie du und ich gibt. Dieses ganze Rockstarding ist im Metal viel stärker ausgeprägt, mit Autogrammen geben und dem ganzen Backstage Ding.

Siehst du dass diese Metal Attitüde über Metalcore sich immer mehr im Hardcore einschleicht?

Ja, das kann man tatsächlich feststellen. Es gibt Bands die eben mehr dieses Metal Ding durchziehen wollen.  Aber was solls, die Leute können tun und lassen was sie wollen.  Uns wird das nicht beeinflussen. Aber ich weiß schon was du meinst, das ist ziemlich bescheuert.

Lass uns über euer Artwork reden. John Baizley von Baroness hat es gemacht. Genauso wie das Artwork zur neuen Pig Destroyer, die Cover sehen sich ziemlich ähnlich.

Ja,  gut. Du hast recht, es ist derselbe Künstler und es ist derselbe Stil. Aber ich finde trotzdem, dass das Album anders aussieht.  Das lustige ist aber, dass uns beim letzten Album dasselbe passiert ist. Das hat ein Freund von uns, Chris Taylor, gemacht. Ein Monat nachdem er unser Cover fertig hatte, haben wir gemerkt, dass er auch das Cover der letzten Pig Destroyer gemacht hatte. Dieses Mal haben wir John Baizley gefragt und kurz nachdem er zugesagt hatte haben wir erfahren dass er auch die neuen Pig Destroyer macht.  Das ist ein lustiger Zufall. Die Jungs kommen aus derselben Gegend wie wir und kennen natürlich auch dieselben Leute.

Was ist dein bisher unerfülltes Ziel mit Darkest Hour?

Es ist immer ein neues Ziel von uns neue Länder kennenzulernen. Spielen wo wir noch nicht gespielt haben. Wir haben es jetzt endlich nach Australien geschafft, was sehr cool war. Wir wollen unbedingt auch noch nach Mexico gehen.  Wir haben in Neuseeland und Island gespielt was schon recht exotische Orte sind.

Was der beste Moment in eurer Kariere?

Ich würde sagen unsere erste Europatour. Davor war keiner von uns hier und das war sehr aufregend für uns. Es war noch vor der Einführung des Euros, wir hatten also mit all den verschiedenen Währungen zu kämpfen. Das war ein Highlight.

Was war der peinlichste Moment?

Einmal hat die Band schon mit der Show angefangen als ich noch auf dem Klo saß. Ich saß da also und hörte das Intro. Ich musste mich beeilen,  schnell  abwischen und auf die Bühne hetzen. Die Jungs warteten dort schon und zogen das Intro in die Länge. Das war recht peinlich für mich.

Warum machst du Musik?

Die Tatsache, dass noch immer Leute zu unseren Shows kommen und Spaß haben. Die Leute ziehen etwas aus unserer Musik und wir zehren von ihrer Energie. Man bekommt diese coole Verbindung, das ist sehr lohnend.

Hast du noch letzte Worte?

Party Hard.

Rolf Gehring

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